Das deutsche WM-Trikot ist anscheinend weniger umweltfreundlich als von Hersteller Adidas angepriesen. Bei den ersten fünf Wäschen sondert es einem Medienbericht zufolge im Schnitt 68.000 Fasern ab.
Wie schmutzig ist die Wäsche, die während der WM gewaschen wird? Einer Recherche der Wochenzeitung »Die Zeit« und des Medien-Start-ups »Flip« zufolge ist zumindest das deutsche WM-Trikot nicht so sauber wie von Hersteller Adidas behauptet.
Demnach sondert ein neues Nationaltrikot bei den ersten fünf Wäschen im Schnitt 68.000 Fasern ab. »Das ist wirklich beeindruckend schlecht«, sagte Elke Fischer, Leiterin der Forschungsgruppe Mikroplastik an der Universität Hamburg: »Diese Fasern landen mit dem Abwasser aus unseren Waschmaschinen in den Kläranlagen, die nicht in der Lage sind, das alles herauszufiltern. Damit geht es über die Flüsse direkt in unsere Meere.«
Adidas hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2024 weitgehend auf recycelte Materialien umsteigen. »Unser langfristiges Ziel ist es, auf Plastik als Material vollkommen zu verzichten – um unsere Meere, unseren Planeten und uns alle zu schützen«, heißt es etwa in einer Mitteilung des Konzerns zur Zusammenarbeit mit Parley for the Oceans.
Die Umweltschutzorganisation sammelt für Adidas Plastikmüll auf »entlegenen Inseln und an Stränden sowie in den Küstenregionen der Malediven«. Seine Produkte, darunter das Nationaltrikot, bewirbt Adidas mit dem Claim »Made with Parley Ocean Plastic«.
Schockierter Chef
Mit den Recherche konfrontiert, habe der Sportartikelhersteller mitgeteilt: Der Plastikmüll, der für das Nationaltrikot benutzt werde, stamme aus Thailand. Einem Land, in dem Parley for the Oceans gar nicht operativ tätig ist.
»Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, muss ich auf den Rücktritt der verantwortlichen Führungskräfte bei Adidas bestehen, um die Partnerschaft weiterzuführen. Ansonsten muss ich den Vertrag infrage stellen«, sagte Cyrill Gutsch, Chef von Parley for the Oceans.
Kinderarbeit auf den Philippinen?
Die Recherchierenden nahmen zudem einen anderen Teil der Adidas-Lieferkette unter die Lupe, der laut Adidas nichts mit dem Nationaltrikot zu tun hat. Dort, auf den Philippinen, lässt Adidas Ozeanplastik einsammeln, das laut dem Sportartikelhersteller in anderen Adidas-Textilien landet. In dieser Lieferkette sammeln demnach schulpflichtige Kinder Plastikmüll, den sie dann an Zulieferer von Adidas verkaufen.
Adidas erklärt dazu, man dulde keine Kinderarbeit und überprüfe die Einhaltung dieser Vorgaben vierteljährlich. Bei der letzten Überprüfung der genannten Zulieferer im November 2022 seien »keine Anzeichen für die Beschäftigung Minderjähriger« festgestellt worden.
sak



