IfW Kiel

Wirtschaftsforscher erwarten 2023 Rezession und hohe Inflation

08.09.2022
Lesedauer: 3 Minuten
Hohe Energiepreise belasten Unternehmen und Verbraucher, deren Kaufkraft im kommenden Jahr laut Prognose stark sinken wird. © Jens Büttner/​dpa

Im Sommer hatte das IfW für kommendes Jahr noch kräftiges Wachstum erwartet, nun rechnet es mit einer Rezession. Die deutsche Wirtschaft befinde sich „im Abwärtssog“.

Die hohen Energiepreise werden Deutschland laut der Herbstprognose des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel in die Rezession drücken. Hatten die Forscherinnen und Forscher im Sommer noch ein Wachstum von 3,3 Prozent für kommendes Jahr erwartet, sehen sie die Wirtschaftsleistung 2023 nun um 0,7 Prozent sinken.

Im laufenden Jahr werde die Wirtschaft noch um 1,4 Prozent wachsen – ebenfalls weniger als mit 2,1 Prozent im Sommer erwartet worden war. Erst 2024 erwarten die Forscher ein Wachstum von 1,7 Prozent. „Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Abwärtssog“, heißt es in der Prognose. „Die jüngsten Preissprünge bei Strom und Gas werden die Kaufkraft der privaten Haushalte spürbar verringern und zu einem Rückgang der privaten Konsumausgaben führen.“

Deutliches Wachstum der Energieimportpreise

Nicht nur die Binnennachfrage werde sinken: Die weltweit schwache Konjunktur werde Exporte und Investitionen dämpfen. Bedingt durch wirtschaftliche Probleme in Chinas Immobiliensektor und infolge der Null-Covid-Politik in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt erwartet das IfW Kiel nur noch ein weltweites Wachstum von 2,9 Prozent in diesem und 2,2 Prozent im kommenden Jahr. Im Sommer hatten die Erwartungen noch bei 3,0 beziehungsweise 3,2 Prozent gelegen. Für die deutsche Wirtschaft bedeute dies, dass sie „in einer Phase, in der sie sich gerade von den pandemiebedingten Rückschlägen erholte“, schrumpfen werde.

Einen Anstieg erwarten die Forscherinnen hingegen bei der Inflationsrate: Sollten die Energiepreise weiter hoch bleiben – „so wie es sich derzeit abzeichnet“ – werde der Wert im kommenden Jahr auf 8,7 Prozent steigen und erst 2024 wieder auf 3,1 Prozent sinken. Zuletzt lag die Teuerungsrate bei rund acht Prozent, im Sommer hatten die Forscher eine Inflation von 4,2 Prozent im kommenden Jahr erwartet.

Schon in diesem Jahr wird Deutschland demnach 123 Milliarden Euro mehr für Energieimporte ausgeben müssen als 2021. Im kommenden Jahr erwarten die Ökonomen einen Anstieg um weitere 136 Milliarden Euro. Der Anstieg allein macht in jedem der beiden Jahre somit je rund vier Prozent der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung aus.

Größter Einbruch der Kaufkraft seit der Wiedervereinigung

„Das Geld fehlt im Inland für Konsum und schmälert die Rentabilität energieintensiver Unternehmen“, schreiben die Forscher: „Die Kaufkraft der privaten Haushalte dürfte im kommenden Jahr mit 4,1 Prozent so stark einbrechen wie noch nie im wiedervereinigten Deutschland.“ Schon 2021 war der Konsum so stark eingebrochen wie seit 1970 nicht mehr. Bereits im laufenden Jahr würden die real verfügbaren Einkommen um 0,4 Prozent sinken, nachdem sie bereits 2021 um 0,9 Prozent gefallen waren. Auch hier erwartet das IfW Kiel erst 2024 eine Trendwende.

Infolge des Einbruchs werde die Arbeitslosenquote von 5,3 Prozent in diesem auf 5,6 Prozent im kommenden Jahr ansteigen und sich 2024 bei 5,5 Prozent stabilisieren. Ein weiterer Effekt: Ab 2024 werde es für den Bund schwieriger, die Schuldenbremse einzuhalten, wenn die Nettokreditaufnahme dem Gesetz nach sinken muss. Der Schuldenstand dürfte in dieser Zeit im Verhältnis zur Wirtschaftskraft zwar von 66,9 Prozent in diesem Jahr auf 64,6 Prozent zwei Jahre später sinken, dies liege jedoch an dem „aufgeblähten“, nicht inflationsbereinigten BIP.

Mit dieser Aussicht steht Deutschland der Prognose zufolge stellvertretend für den Euroraum: Mit einer Inflation von 8,1 Prozent im laufenden Jahr sei der Wert so hoch wie noch nie seit Bestehen der Währungsunion. In den Euroländern werde die Inflation im Schnitt aber langsamer sinken als in der Bundesrepublik, auch für 2023 rechnen die Ökonomen mit einem hohen Wert von 7,2 Prozent und einer Erholung erst im Jahr darauf.

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