Abhängigkeit von Gaskraftwerken

Welche Risiken die neue Kraftwerkstrategie der Ampel bringt

12.02.2024
Lesedauer: 4 Minuten
Sachsen, Leipzig: Das neue Heizkraftwerk Süd. Das im Oktober 2023 in Betrieb genommen Kraftwerk ist das erste zertifizierte Wasserstoffkraftwerk Deutschlands. (Jan Woitas/dpa)

Die Bundesregierung hat ihre neue Kraftwerkstrategie vorgelegt, um Deutschland bis 2045 klimaneutral zu machen. Doch wie beeinflusst diese Strategie die Versorgung durch Gaskraftwerke und welche Risiken birgt sie? Finanz-Experte Sebastian Hell beantwortet akute Fragen zur Energieversorgung.

Wie beeinflusst die aktuelle Kraftwerkstrategie der Bundesregierung die Versorgung durch Gaskraftwerke?

Die Bundesregierung hat vor wenigen Tagen ihre Kraftwerkstrategie vorgelegt. Ziel ist, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral wird. Hierfür wurden nun die Leitplanken in einem Strategiepapier gesetzt. Dennoch fehlen einige Details, die in den kommenden Monaten nachgeliefert werden. Was wir jetzt schon wissen ist, dass die Bundesregierung weiterhin auf Gaskraftwerke setzt. Damit der Umbau auf erneuerbare Energien funktionieren kann, werden Kraftwerke benötigt, die dann einspringen, wenn Wind und Sonne keinen Strom produzieren.

Zur Sicherung dieser Grundlast werden neue Gaskraftwerke gebaut, die zwischen 2035 und 2040 auf grünen Wasserstoff umgerüstet werden sollen. Positiv an der Strategie ist, dass weltfremde Ideen wie gigantische Batteriespeicher, die Sonnen- und Windenergie einspeichern sollen vom Tisch sind. Dennoch scheint die Strategie weiterhin auf Gas zu setzen problematisch.

Über den Experten Sebastian Hell

Über den Experten Sebastian Hell

Sebastian Hell ist seit 2005 als erfolgreicher Unternehmer in der deutschen Finanzbranche tätig. 2019 gründete er das Projekt „Hell Investiert“ mit inzwischen über 100.000 Followern in den sozialen Medien. Der Fokus liegt auf Geldanlage mittels Sachwerten (Aktien, Immobilien & Edelmetalle), um sowohl Rendite als auch Kapitalschutz zu erzielen. Sein kostenfreier wöchentlicher Report gibt dazu spannende Tipps und Ideen.

Inwiefern ist Deutschland in Bezug auf Gaskraftwerke von Ländern wie Katar abhängig und welche Risiken birgt das?

Die ausbleibenden Lieferungen aus Russland haben gezeigt, wie abhängig Deutschland von nur einem Lieferanten war. Die Nachfrage konnte im Anschluss nur durch LNG-Lieferungen aus den USA und anderen Ländern gedeckt werden. Da die USA unter Präsident Joe Biden angekündigt haben,  Exportgenehmigungen für neue LNG-Exporte zu pausieren , stellt sich die Frage wie der Gasmarkt im kommenden Sommer, wenn die Lager wieder aufgefüllt werden müssen, damit umgeht. In Deutschland ist man diesbezüglich entspannt, weil wie gesagt, bisher nur neue Verträge betroffen sind. Asiatische Länder suchen laut einer Meldung der Nachrichtenagentur  Bloomberg  bereits nach neuen Lieferanten.

Wenn wir weiterhin auf Gas setzen und die USA ihre Lieferungen verringern, da dort eine große Debatte über die Nachhaltigkeit und die Gefahren auf das Klima von Flüssiggas entbrannt ist, könnten wir erneut in Abhängigkeiten gelangen. Katar wird ab 2026 ein wichtiger Lieferant werden und die Gefahr einer neuen Abhängigkeit ist gegeben. Gleichzeitig gäbe es in Deutschland die Möglichkeit selbst Gas durch Fracking zu fördern oder auf andere Energieformen, wie der Atomenergie zu setzen. Beide Möglichkeiten bringen wiederum neue Probleme mit sich, gegen die sich die Bundesregierung entschieden hat.

Wasserstoff wird oft als unerprobte Technologie bezeichnet. Wie sehen Sie das und welche Rolle könnte Wasserstoff in der zukünftigen Energieversorgung spielen?

Laut Kraftwerkstrategie sollen die neu gebauten Gaskraftwerke ab 2035 auf Wasserstoff umgerüstet werden. Dies ist ein mutiger Schritt, da die Technologie bisher nicht in diesem Ausmaß erprobt ist. Auch ist unklar, woher der Wasserstoff kommen soll und wie nachhaltig dieser produziert werden kann. Es scheint problematisch, dass ein Industrieland wie Deutschland auf eine wenig getestete Technologie setzt und damit Unsicherheit für Investoren schafft, ob die künftige Stromversorgung reibungslos gewährleistet werden kann und vor allem zu welchem Preis.

Welche alternativen Lösungen könnten Ihrer Meinung nach zur Energieversorgung beitragen, insbesondere nach der Abschaltung der Atomkraftwerke in Deutschland?

Viele andere Länder setzen auf Atomenergie. Laut  Statista  befinden sich derzeit über 100 Atomkraftwerke im Bau. Auch wenn die Atomkraft ebenfalls auf Kritik stößt, scheint sie sich in den meisten Ländern außerhalb Deutschlands durchzusetzen. Dennoch muss erwähnt werden, dass im Rahmen der Kraftwerkstrategie eine Technologieoffenheit gezeigt wird. Es ist die Rede davon, dass Gelder zur Erforschung neuer Energieformen wie der Kernfusion bereitgestellt werden sollen. Dies stellt möglicherweise eine Hintertür dafür da, dass neue Arten der Atomenergie zurückkehren könnten. Ansonsten besteht die Möglichkeit durch Stromimporte die Zusatznachfrage bei Dunkelflauten zu bedienen.

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