Raketen-Start verschoben!

Warum es so schwer ist, auf dem Mond zu landen

14.02.2024
Lesedauer: 4 Minuten
Ritt auf einem Feuerball: 2015 explodierte eine Falcon-Rakete von Elon Musk nach dem Start Foto: AFP

Weltall-Experten nennen fünf Gründe für das häufige Scheitern der Missionen

Unser Mond steht im Rampenlicht der Forschung. Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht irgendein Land oder irgendeine Firma dahin will. Ein für Mittwoch geplanter Raketen-Start wurde am Morgen kurzfristig verschoben: Es gab Temperaturprobleme. Absage weniger als eine Stunde vor dem geplanten Start!

Jetzt will die private US-Firma Intuitive Machines den Lander „Nova-C“ am Donnerstag zum Mond schicken. Es wäre die erste kommerzielle Landung.

Abwarten, ob der neue Versuch klappt, denn: Ständig scheitern Missionen. Warum eigentlich? Die USA haben es mit ihrem Apollo-Programm doch auch geschafft? BILD erklärt, warum eine Reise ins Weltall immer noch so schwierig ist.

Die erste Herausforderung

Raketen müssen die starke Erdanziehung überwinden. Um der Gravitation zu entkommen, muss man acht Kilometer pro Sekunde zurücklegen, die kosmische Geschwindigkeit. Sie beträgt knapp 29 000 Kilometer pro Stunde. Raketen müssen stark sein, vollgepumpt mit hochentzündlichem Treibstoff. Da kann schon mal was schiefgehen.

Sieht aus wie ein Katzensprung, aber eine Reise zum knapp 400 000 Kilometer entfernten Mond ist eine große Herausforderung; Foto: picture alliance / Zoonar

Die zweite Herausforderung

Im Weltall müssen Raumschiffe die richtige Umlaufbahn erreichen. Das geht nur über eine ausgefeilte Computertechnik und Funk-Navigation.

Dr. Markus Landgraf, Mondlande-Experte der Europäischen Weltraumagentur ESA: „Das ist wie beim Billard. Man spielt die Kugel fast nie direkt, sondern über Bande.“

Die dritte Herausforderung

Im All und auf dem Mond herrscht ein Vakuum. Es gibt dort keine Luft.

Ex-ESA-Chef Prof. Johann Wörner zu BILD: „Wenn Sie mit einem Rover über die Erde fahren, kühlt der Fahrtwind den Motor ab. Auf dem Mond gibt es keinen Wind, der Motor würde heiß laufen. Er muss also anders konzipiert werden.“

Noch ein Problem: Weil der Mond keine Atmosphäre hat, nutzen Fallschirm und Tragflächen nichts bei der Landung. Man braucht starke Düsen zum Abbremsen. Aber diese Düsen wirbeln Staub auf, der macht Kameras und Sensoren oft unbrauchbar.

Prof. Johann Wörner war Generaldirektor der ESA, kennt sich mit Raumfahrt bestens aus; Foto: picture alliance / Geisler-Fotop

Die vierte Herausforderung

Die Weltraumfahrt ist kommerzialisiert. Privatfirmen wie die von Elon Musk arbeiten anders als Nasa und ESA. Sie wollen schneller sein. Ihr Prinzip: Trial-and-Error, also Versuch und Fehler.

Johann Wörner: „Elon Musk wäre mit seiner ersten Weltraum-Rakete fast pleitegegangen, erst im vierten Versuch hat sie wie gewünscht funktioniert.“

Die fünfte Herausforderung

Dr. Markus Landgraf: „Derzeit erleben wir nur unbemannte Mondmissionen. Das ist deutlich schwerer, als wenn Astronauten an Bord wären. Wegen der Entfernung kann man eine Mondfähre nicht per Joystick von der Erde fliegen, man muss eine Software programmieren. Aber eine Software, die alle Eventualitäten ausgleichen kann, gibt es kaum.“

Bei der ersten Mondlandung 1969 war das anders: Apollo 11 wäre fast abgestürzt, wenn Pilot Neil Armstrong nicht auf Handsteuerung umgeschaltet hätte, weil Krater und Felsbrocken im Weg waren.

Sommer 1969: Neil Armstrong setzt als erster Mensch einen Fuß auf den Mond. Seinem Eingreifen ist der Erfolg der Mission zu verdanken; Foto: FOTO: © NASA

Und warum haben die USA es damals geschafft?

Dr. Landgraf: „Die USA haben unter Kennedy (dem damaligen US-Präsidenten, d. Red.) deutlich mehr Geld investiert und haben große Schritte gemacht.“ Heute heißt es: weniger Geld, viele kleine Schritte.

Prof. Wörner ergänzt: „Heute fehlt auch die Risikobereitschaft. Mit dem Verweis auf Steuergelder, die ausgegeben werden, wagt man kaum etwas.“

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