IG-Metall-Boss und die Stahlindustrie

Vier-Tage-Woche? „Niemand soll mir sagen, das geht nicht“

26.04.2023
Lesedauer: 2 Minuten
Bereit, alle Schritte zu gehen: In der deutschen Stahlindustrie schlägt die IG Metall schon Monate vor der nächsten Tarifrunde ein dicken Pflock ein Foto: Christoph Reichwein/ dpa

Die Transformation zum grünen Stahl kostet die Industrie Milliarden. In dieser Phase will die IG Metall die Viertagewoche bei vollem Lohnausgleich durchsetzen. NRW-Chef Knut Giesler erklärt den Plan – und würde dafür viel riskieren.

Viel Zeit hat Knut Giesler eigentlich nicht, es ist gerade Vorstandssitzung der IG Metall in Frankfurt am Main – und die Gewerkschaft hat noch viel vor in diesem Jahr. Für das Interview via Teams opfert der Manager in Sachen Mitbestimmung und Arbeitnehmerrechte seine Mittagspause. Doch aus der Ruhe zu bringen ist der Mann nicht. Auch als es konfrontativ zugeht im Gespräch, bleibt Giesler klar und ruhig, lässt keine Emotionen erkennen – gestählt durch viele Verhandlungen mit den Arbeitgebern. Nur einmal muss der Mann lächeln.

Herr Giesler, für die Stahlindustrie wollen Sie in der kommenden Tarifrunde die Viertagewoche bei vollem Lohnausgleich fordern – als kollektiven Anspruch, tariflich abgesichert. Der aktuelle Tarifvertrag läuft noch bis November, warum jetzt dieser Vorstoß?

Knut Giesler: Ende April werde ich der Tarifkommission Stahl vorschlagen, dass wir über die Viertagewoche mit den Arbeitgebern verhandeln. Das werden wir in der Kommission diskutieren, uns im Spätsommer auf eine Forderung einigen, sie beschließen und dann die Tarifrunde sowie die Verhandlungen mit den Arbeitgebern vorbereiten.

Soweit das Prozedere. Aber warum jetzt? Sie haben doch noch mehr als ein halbes Jahr Zeit.

Die Stahlindustrie steht mit ihrer grünen Transformation vor mächtigen Herausforderungen, dafür brauchen wir Fachkräfte. Nun gilt diese Industrie nicht gerade als die attraktivste für Arbeitnehmer. Wir müssen uns also frühzeitig Gedanken machen, wie wir die klugen Köpfe gewinnen und die Stahlbranche attraktiver machen – dazu zählt auch die Perspektive einer Viertagewoche. Zugleich werden wir in dieser Transformation zumindest vorübergehend mehr Arbeitskräfte benötigen, als der Markt hergibt. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass die Menschen auch länger in der Stahlbranche arbeiten können.

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