Konsumklima

Verbraucher in Deutschland sparen so viel wie seit 2008 nicht mehr

27.02.2024
Lesedauer: 2 Minuten
Trotz steigender Kaufkraft halten sich die Verbraucherinnen und Verbraucher bei größeren Anschaffungen zurück. © Michael Gstettenbauer/​imago images

Viele Menschen in Deutschland rechnen mit höheren Einkommen – und sparen trotzdem. Die schwache Konjunktur verunsichere Konsumenten stark, sagen Experten.

Verbraucherinnen und Verbraucher halten sich wegen der Wirtschaftslage bei Konsumentscheidungen weiter stark zurück. Das Barometer für das Konsumklima im März stieg zwar wie erwartet leicht um 0,6 auf minus 29,0 Punkte, wie die Marktforschungsinstitute GfK und NIM mitteilten. „Die Konsumenten sind aber stark verunsichert“, sagte NIM-Experte Rolf Bürkl. „Neben den nach wie vor steigenden Preisen dürften sicherlich schwächere Konjunkturprognosen für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr ein wichtiger Grund dafür sein.“ Zudem sei die Sparneigung auf dem höchsten Wert seit Juni 2008.  

Zwar beurteilten die Menschen ihre künftige finanzielle Lage wieder besser. Bei den Einkommenserwartungen stieg das Barometer auf den höchsten Wert seit Februar 2022 – also vor dem Beginn des Ukraine-Kriegs. Auf die Bereitschaft zu größeren Einkäufen wirkt sich das den Experten zufolge aber kaum aus. Der Gradmesser dazu bleibe auf dem „niedrigen Niveau“ seit Mitte 2022. „Trotz der wieder zunehmenden Kaufkraft zeigen sich die Konsumenten bezüglich größerer Anschaffungen derzeit sehr zurückhaltend.“

Mit einer raschen Erholung der Wirtschaft rechnen die befragten Verbraucherinnen und Verbraucher den Marktforschungsinstituten zufolge nicht. „Deutschland muss vorerst weiter auf eine konjunkturelle Erholung warten“, sagte Bürkl und verwies in diesem Zusammenhang auf Äußerungen aus der Bundesregierung. 

BIP könnte auch im ersten Quartal sinken

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte zuletzt die Prognose der Ampelkoalition für das Wirtschaftswachstum 2024 deutlich von 1,3 auf 0,2 Prozent gesenkt. Ende 2023 war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bereits um 0,3 Prozent gesunken und könnte nach Einschätzung von Ökonominnen und Ökonomen auch im ersten Quartal dieses Jahres fallen. Deutschland wäre damit in einer sogenannten technischen Rezession, von der gesprochen wird, wenn der Rückgang vorübergehend bleibt.

Vor der Corona-Pandemie hatte das Konsumklima vergleichsweise stabil bei etwa plus zehn Punkten gelegen. Für die leichte Verbesserung in der jüngsten Erhebung sind vor allem die gestiegenen Erwartungen beim Einkommen verantwortlich. 

Für das aktuelle Barometer wurden vom 1. bis zum 12. Februar etwa 2.000 Menschen befragt. Das Konsumklima bezieht sich auf die gesamten privaten Konsumausgaben, also neben dem Einzelhandel auch Dienstleistungen, Reisen, Miete und Gesundheitsdienstleistungen.


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