Fahrassistenzsystem

Tesla-Mitarbeiter könnte erstes Todesopfer von höchster »Autopilot«-Stufe sein

14.02.2024
Lesedauer: 3 Minuten
Tesla Model 3 im »Full Self-Driving«-Modus Foto: Mike Blake / REUTERS

Ein Mann stirbt 2022 bei einem Unfall im Luxuselektroauto. War er verantwortlich oder das Fahrzeug? Die »Washington Post« hat rekonstruiert, wie es zu der tödlichen Kollision kam.

Mit seinem »Autopiloten«, einem Fahrassistenzsystem mit verschieden ausgestatteten Stufen, hat der Elektroautobauer Tesla bisher wohl mehr negative als positive Schlagzeilen gemacht. Inzwischen ist die Liste von Unfällen, die mit dem System zu tun haben oder haben könnten, lang. Einige davon gingen für die Insassen tödlich aus.

Die »Washington Post« hat nun nach eigenen Angaben erstmals einen Unfall im Detail rekonstruiert , der möglicherweise der erste tödliche Unfall mit der höchsten Stufe des Assistenzsystems ist: dem sogenannten Full Self-Driving, das noch immer nur eine Betaversion ist.

Dieser ereignete sich 2022 in Evergreen in Colorado. Laut dem Bericht waren Hans von Ohain, ein Tesla-Mitarbeiter und Fahrer des Wagens, und Erik Rossiter auf dem Rückweg von einem Golfausflug. Dabei kam das Auto von der Straße ab, kollidierte mit einem Baum und ging in Flammen auf.

Die »Washington Post« zitiert eine Aufzeichnung der Notrufzentrale, wonach Ohain eine »automatische Fahrfunktion des Tesla« genutzt habe, die »einfach von der Straße abgedreht« sei. Rossiter, der als Beifahrer den Unfall überlebte, sagte aus, dass von Ohain »Full-Self-Driving« genutzt habe. Belegbar ist dies allerdings nicht, da das Feuer Datenaufzeichnungen aus dem Auto zerstört habe. Tesla antwortete laut der Zeitung nicht auf Anfragen zu dem Vorfall.

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Von Ohain starb während des Unfalls, nachdem er sich nicht aus dem brennenden Fahrzeug befreien konnte. Im Untersuchungsbericht werden laut dem Artikel »Rauchvergiftung und thermische Verletzungen« als Todesursache genannt. Eine Autopsie ergab bei von Ohain demnach einen Blutalkoholspiegel von 2,6 Promille, mehr als das Dreifache des gesetzlichen Grenzwerts.

Gerichte beschäftigen sich bereits mit Teslas »Autopilot«

Tesla weist auf seiner Website  darauf hin, dass der »Autopilot« für einen »aufmerksamen Fahrer« gedacht sei, »der die Hände am Lenkrad behält und jederzeit übernehmen kann«. Der jetzige Bericht lässt den Schluss zu, dass in diesem Fall menschliches und technisches Versagen zusammengekommen sein könnten: Einerseits hätte von Ohain bei diesem Alkoholspiegel laut dem Artikel kein Auto mehr führen können.

Andererseits deutet die Unfallanalyse auf Fehler des Autos hin, etwa Rollreifenspuren, die bedeuten, dass der Motor nach dem Aufprall weiter die Räder angetrieben habe. »Angesichts der Dynamik des Aufpralls und der Art und Weise, wie das Fahrzeug von der Straße abkam, ohne dass es Anzeichen für ein plötzliches Manöver gab«, passe das zu einer aktiven Fahrassistenzfunktion, wird der Chefermittler im Artikel zitiert.

Die Frage, ob Fahrer oder Fahrzeughersteller für solche Unfälle verantwortlich sind, beschäftigt inzwischen auch Gerichte . Ein kalifornisches Gericht beschäftigte sich vor Kurzem mit einem Unfall von 2019, bei dem ein Tesla Model 3 im Autopilotmodus von der Fahrbahn abkam, wobei der Fahrer getötet und zwei Mitfahrer schwer verletzt wurden. Das Gericht entschied, dass Tesla nicht für den Unfall verantwortlich gemacht werden könne. Laut »Washington Post« sei von mindestens neun weiteren Fällen auszugehen, die dieses Jahr vor Gericht gingen.

Elon Musk habe aber behauptet, das Auto könne selbst fahren und sei besser als ein Mensch, wird die Witwe des Unfallopfers im Artikel zitiert. »Uns wurde ein falsches Gefühl von Sicherheit verkauft.« 

lki

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