Linksextremisten bekennen sich zu Brandanschlag

 Tesla-Fabrik in Brandenburg lahmgelegt – Stromausfälle auch in Berlin

05.03.2024
Lesedauer: 6 Minuten
© dpa/Sebastian Gollnow

Am Dienstagmorgen ist in der Tesla-Fabrik in Grünheide der Strom ausgefallen. Anschläge auf die kritische Infrastruktur seien eine Form von Terrorismus, sagte Ministerpräsident Woidke.

Linksextremisten haben sich zum Brandanschlag auf die Stromversorgung der Brandenburger Tesla-Fabrik bekannt, der auch zu Stromausfällen in der Region führte. „Gemeinsam zwingen wir Tesla in die Knie. Switch off für Tesla. Grüße an alle auf der Flucht, im Untergrund in den Gefängnissen und im Widerstand! Liebe und Kraft allen Antif@s!“, heißt es in der ausführlichen Mail der sogenannten „Vulkangruppe“, die 11.41 Uhr bei dieser Zeitung einging. „Wir haben heute Tesla sabotiert.“ Eine Einschätzung von Sicherheitsbehörden dazu gibt es bisher nicht. „Wir prüfen das derzeit“, sagte Beate Kardes, Sprecherin des Landespolizeipräsidiums, dieser Zeitung. Die sogenannte „Vulkangruppe“ hatte 2021 bereits einen Brandanschlag auf Hochspannungsleitungen zur damaligen Baustelle der Fabrik verübt.

Tesla fresse Erde, Ressourcen, Menschen, Arbeitskraft und spucke dafür SUVs, Killermaschinen und Monstertrucks aus. „Unser Geschenk zum 8. März heißt, Tesla abzuschalten“, heißt es in der Mail. Und weiter: „Denn die komplette Zerstörung der Gigafactory und mit ihr das Absägen von „Technofaschisten“ wie Elend Musk (gemeint ist Tesla-Chef Elon Musk, Anm.d.Red.) sind ein Schritt auf dem Weg der Befreiung vom Patriarchat.“

Tesla-Werk wurde evakuiert

Rund um die Tesla-Gigafactory in Grünheide kam es am Dienstag zu massiven Stromausfällen – die Fabrik des US-Elektroautobauers mit 12.500 Beschäftigten wurde lahmgelegt. „Das Werk ist evakuiert worden“, bestätigte Tesla auf Anfrage. „Nach Auskunft der Behörden war es ein Brandanschlag“. Es habe gegen 5 Uhr einen Stromausfall gegeben. Alle erforderlichen Maßnahmen seien getroffen worden, um die Produktionsanlage zu sichern.  

„Sollten sich die ersten Erkenntnisse bestätigen, handelt es sich um einen perfiden Anschlag auf unsere Strominfrastruktur. Das wird Konsequenzen haben. Hier wurden tausende Menschen von der Grundversorgung abgeschnitten und in Gefahr gebracht“, teilte Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) mit. „Der Rechtsstaat wird auf einen solchen Sabotageakt mit aller Härte reagieren. Noch kann zu den Tätern nichts gesagt werden, deshalb warne ich vor voreiligen Spekulationen. Jetzt gilt es konzentriert und mit aller Kraft an der Aufklärung des Vorfalls zu arbeiten. Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen aufgenommen.“

Unbekannte Täter hatten einen Hochspannungsmast zwischen Steinfurt und Hartmannsdorf in Brand gesetzt. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) fordert, dass der Generalbundesanwalt die Ermittlungen aufnimmt. „Anschläge auf unsere kritische Infrastruktur sind eine Form von Terrorismus. Es braucht jetzt ein konsequentes Durchgreifen des Rechtsstaats. Sollte sich der Verdacht eines terroristischen Anschlages erhärten, wird der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernehmen müssen“, teilte Woidke mit.

Tesla rechnet nach Rücksprache mit dem Netzbetreiber E.Dis damit, dass es „einige Zeit“ in Anspruch nehmen wird, bis der Schaden behoben und die Fabrik wieder mit Strom versorgt werden kann. Auch in Erkner, in Grünheide und Umgebung und Teilen des Südostens von Berlin fiel der Strom aus. Betroffen ist auch das Gewerbegebiet Freienbrinck, wo Edeka ein Auslieferungslager für Berlin, Brandenburg und weiterer Regionen in Ostdeutschland betreibt.

„Die Reparatur der betroffenen Schadensstelle am Hochspannungsmast befindet sich in der Vorbereitung“, sagte Edis-Sprecher Danilo Fox. Die Schadensstelle mit dem beschädigten E.DIS-Hochspannungsmast sei gesichert. „Seit den frühen Morgenstunden befinden sich auch Einsatzkräfte der E.DIS sowie Partnerfirmen vor Ort, um den entstandenen Schaden zu begutachten und weitere notwendige Schritte, wie Schalthandlungen einzuleiten und zu koordinieren“, so Fox.

Fahrzeuge der Feuerwehr und Werkfeuerwehr stehen auf dem Gelände der Tesla-Autofabrik in Grünheide. © dpa/Sebastian Gollnow

In Folge der Beschädigung sei es zu Versorgungsunterbrechungen unter anderem in Freienbrink, Erkner, Neu Zittau, Dahlwitz-Hoppegarten, Neuenhagen, Woltersdorf, Schöneiche und Gosen gekommen. „Aufgrund unverzüglich eingeleiteter Umschaltmaßnahmen der E.DIS-Netzexperten konnte der Versorgungsausfall zwischenzeitlich begrenzt werden“, so Fox. Aufgrund der inzwischen laufenden Ermittlungen der Polizei seien „keine näheren Auskünfte“ möglich.

„Wir gehen von Brandstiftung aus. Wir ermitteln in alle Richtungen“, erklärte eine Sprecherin der Polizeidirektion Ost am Dienstagmorgen. „Der Einsatz läuft“. Weitere Angaben könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen. Die Polizei bestätigte den Brand einer Anlage im Netz des Stromnetzbetreibers E.DIS in der Tesla-Region. „Es gab einen brennenden Strommast im Ortsteil Gosen/Neuzittau“, hieß es. Der Brand, der um 5.15 Uhr gemeldet worden sei, sei mittlerweile gelöscht. Durch den Brand des auf einem Feld frei stehenden Mastes soll ein Hochspannungs-Überlandkabel beschädigt worden sein, hieß es weiter. Nach dem Brandalarm am Morgen war demnach ein Polizeihubschrauber im Einsatz.

Kampfmittelsucher im Einsatz

„In Katastrophenschutz-Kreisen des Landratsamtes Märkisch-Oderland war zunächst von einem „Brandanschlag auf eine Trafostation“ die Rede.

Nach Informationen von MAZ und BZ gab es auch einen Polizeieinsatz wegen Verdachts auf Kampfmittel. Nahe dem Brand soll ein Zelt gefunden worden sein mit der Warnung: „Kampfmittel hier verbuddelt“. Deshalb wird das Areal auf Bomben abgesucht. Der Munitionsbergungsdienst der Brandenburger Polizei, angerückt aus Wünsdorf, soll im Einsatz sein. E.Dis kündigte auf Anfrage eine Information an, „sobald gesicherte Informationen vorliegen.“

Unweit von Fabrik und Ort des Brandanschlages befindet sich in fünf, sechs Kilometer Entfernung – dazwischen fließt die Spree – seit einigen Tagen nahe dem Bahnhof Fangschleuse ein Protestcamp von 80 bis 100 Klimaaktivisten aus ganz Deutschland gegen die Tesla-Fabrik. Sie haben in mehreren Meter Höhe zehn Baumhäuser errichtet. Eigentümer des Waldes ist das Land Brandenburg. Sie protestieren gegen Erweiterungspläne für die Fabrik des Elektroautobauers und die „dreckige E-Mobilität“. Die Waldbesetzung wird von der Bürgerinitiative Grünheide unterstützt. Auf dem Areal will Tesla sein bestehendes Werk um 118 Hektar vergrößern, vor allem für einen Güterbahnhof, wofür der Wald weitgehend gerodet werden soll.

„Wir wissen nicht mehr, als anderen. Von dem Brand haben wir nichts mitbekommen“, sagte Lotta Neyman, Pressesprecherin des Protestcamps. Bisher verliefe die Kommunikation mit der Polizei gut. Diese habe sich nach dem Brandanschlag bei den Aktivisten erkundigt, Durchsuchungen oder dergleichen hätten aber nicht stattgefunden. „Auf der einen Seite machen wir uns Sorgen, dass es negative Konsequenzen für unseren Protest gibt. Auf der anderen Seite sind wir froh, um jede Aufmerksamkeit für unser Anliegen“, sagte die 20 Jahre alte Studentin. Grundsätzlich seien die Aktivisten zuversichtlich, dass das bis zum 15. März geduldete Camp auch danach weiter existieren dürfe.

Bürgerinitiative distanziert sich von dem Anschlag

Bei einem Referendum in Grünheide hatten die Einwohner mit großer Mehrheit diese Pläne abgelehnt. Die Bürgerinitiative Grünheide distanzierte sich von dem Brandanschlag. „Das sind nicht unsere Methoden, wir setzen auf friedlichen, kreativen Protest. Das wirft uns zurück und schadet uns, auch in der Akzeptanz“, sagte Sprecher Steffen Schorcht auch im Namen des Bündnisses „Tesla den Hahn“ abdrehen. Man werde die geplante Demonstration kommenden Samstag, zu der auch Vertreter internationaler Umweltgruppen aufrufen, trotzdem durchführen.

Schon 2021 hatte es einen Brandanschlag auf Hochspannungskabel gegeben, die die damalige Baustelle der Fabrik versorgten. Auch dazu hatte sich die linksextreme Gruppierung „Vulkan“ in einem Bekennerschreiben bekannt. Die Täter wurden nie ermittelt.

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