Software-Panne

Supermärkte betroffen: Störung bei Kartenzahlung hält an

27.05.2022
Lesedauer: 4 Minuten
Bezahlmöglichkeiten in Deutschland In Deutschland ist das Bargeld noch sehr beliebt. In anderen Ländern wird schon überwiegend bargeldlos bezahlt. Diese verschiedenen Arten der Bezahlung gibt es.

Bargeld statt Karte: In vielen Supermärkten und anderen Geschäften funktioniert die Kartenzahlung derzeit nicht. Das sind die Gründe.

Berlin. 

  • In vielen Supermärkten und anderen Geschäften funktioniert die Kartenzahlung derzeit nicht
  • Betroffen sind von der Störung sowohl Kredit- als auch Girokarten
  • An einer Lösung wird gearbeitet – bis die Zahlung wieder funktioniert, könnte es allerdings noch dauern

Ob in der Apotheke, im Supermarkt oder an der Tankstelle: Seit Dienstagmittag gibt es bundesweit Probleme bei der Kartenzahlung, egal ob mit Kreditkarte oder Girocard, besser bekannt als EC-Karte. In vielen Geschäften kann der Einkauf derzeit nur mit Bargeld bezahlt werden. Die Störung hielt auch am Donnerstagabend weiterhin an. Bis sie behoben werden kann, könnte noch etwas Zeit vergehen.

Zahlungsdienstleister meldeten für ganz Deutschland „erhebliche Einschränkungen“ bei Transaktionen an einem bestimmten Terminal für Kartenzahlungen. Dem Anbieter Payone zufolge ist das weit verbreitete Gerät des Typs Verifone H5000 betroffen. Nach ersten Erkenntnissen gebe es eine Störung bei bestimmten Versionen der Gerätesoftware.

Der US-Hersteller Verifone bewirbt das Produkt als das „meistverkaufte deutsche Terminal“. Das Gerät kommt somit bundesweit an vielen Kassen zum Einsatz. Verifone äußerte sich am Donnerstags erstmals zu den Problemen und kündigte eine Lösung an. „Wir werden in Kürze ein Software-Update für unsere Kunden bereitstellen, um das Problem zu beheben, und werden unsere Kunden informieren, sobald dieses verfügbar ist“, teilte ein Sprecher von Verifone-Deutschland mit. Man bedauere die Unannehmlichkeiten und arbeite mit höchster Priorität an der Behebung des Problems.

Kartenzahlung gestört – Rewe nicht betroffen, Stillstand bei Aldi, dm und Netto

Ursache für die Störung ist laut Payone den ersten Erkenntnissen nach ein Zertifikatsfehler innerhalb bestimmter Versionen der von Verifone bereitgestellten Software. Der Zahlungsdienstleister erwartet nicht, dass das angekündigte Software-Update schnell umgesetzt werden kann, da – bisherigen Informationen zufolge – ein manueller Eingriff an den Terminals nötig ist. „Dieser komplexe Vorgang kann daher nicht ad hoc in der Fläche ausgeführt werden, sondern wird geraume Zeit in Anspruch nehmen“, hieß es. Man wolle die Kunden hierbei unterstützen.

Probleme mit der Kartenzahlung gab es unter anderem bei der Drogeriemarktkette dm. Wer hier seinen Einkauf erledigen wollte, musste sich vorab mit ausreichend Bargeld eindecken. Geldautomaten sind von der Störung den Angaben zufolge nicht betroffen. Viele Geschäfte wiesen ihre Kundschaft gleich am Eingang oder per Durchsage auf die Störung hin.

So auch in etlichen Edeka-Standorten: „Es handelt sich um ein branchenübergreifendes Problem, von dem aktuell mehrere Handelsunternehmen betroffen sind, auch ein Teil der Edeka-Märkte“, sagte eine Sprecherin unserer Redaktion. Bei Aldi Nord sei in einigen Filialen keine Kartenzahlung möglich gewesen, hieß es vom Discounter. Ähnlich äußerte sich die Drogeriekette Rossmann und Netto Marken-Discount.

Weiterlesen: Maestro – Was das Aus des Bezahldienstes für Kunden bedeutet

Zahlungssysteme in Deutschlands normalerweise stabil

Keine Probleme hatten dagegen die Kunden von anderen großen Handelsketten: Ein Sprecher der Rewe-Gruppe teilte mit, dass die Märkte von Rewe, Penny und Toom nicht von der Panne bei den Kartenterminals betroffen waren. Auch bei Lidl habe die Kundschaft wie gewohnt einkaufen können.

„Temporäre und systembedingte Ausfälle kommen inzwischen nur selten vor und betreffen meist nur wenige Systeme“, erklärte der Handelsverband Deutschland (HDE). Der Branchenverband betonte, dass die Betriebe auf den reibungslosen Ablauf der Bezahlprozesse angewiesen seien. „Erfahrungsgemäß laufen die Zahlungssysteme in Deutschland stabil und zuverlässig“, hieß es.

Ausfall von Kartenstörung: Keine Hinweise auf Cyberangriff

Wohl auch deshalb reagierten viele Kundinnen und Kunden enttäuscht, als sie trotz zahlreicher Hinweisschilder in den betroffenen Läden erst an der Kasse erfuhren, dass sie ihren Einkauf wegen des Systemausfalls stehen lassen mussten. Anhaltspunkte für einen Angriff auf die Finanzströme scheint es unterdessen nicht zu geben. „Es liegen derzeit keine Hinweise auf einen Cyberangriff vor“, sagte ein Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) unserer Redaktion.

Der Finanzdienstleister Concardis, der mit dem Terminal erfolgte Zahlungen für die Händler abwickelt, hat am Mittwoch von einem eigenmächtigen Neustart der Geräte gewarnt. Die Geräte sollten weiterhin an Strom und Netzwerk angeschlossen bleiben. Der Hersteller Verifone könne das Softwarepro­blem nur bei bestehender Verbindung lösen.

Das Problem schlug wohl auch deshalb so hohe Wellen, weil der Anteil an Kartenzahlungen in Deutschland rapide steigt. 2019, im Jahr vor der Pandemie, machten Barzahlungen noch 46,5 Prozent des Umsatzes im stationären Einzelhandel aus. Im vergangenen Jahr waren es nach Angaben des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI nur noch 38,5 Prozent.

Dagegen stieg der Umsatzanteil der Kartenzahlungen in den Läden von 50,5 auf 58,8 Prozent. Am beliebtesten ist dabei die Girocard, mit der 42 Prozent der Waren bezahlt wurden. Aber auch die Kreditkarte wird an der Kasse immer häufiger gezückt, ergab die Untersuchung der Handelsfachleute.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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