Wirtschaftswachstum

OECD geht 2024 von schwacher Weltwirtschaft aus

19.09.2023
Lesedauer: 3 Minuten
Die bunten Schaufenster eines geschlossenen Geschäfts am Piccadilly in London © Daniel Leal/​AFP/​Getty Images

Während andere große Industriestaaten wachsen, dürfte die Wirtschaftsleistung in Deutschland in diesem Jahr zurückgehen. Die Inflation bleibt wohl auf hohem Niveau.

Die Weltwirtschaft wird nach Einschätzung der OECD im kommenden Jahr weiterhin nur langsam zulegen. Gleichzeitig soll die Inflation auf hohem Niveau bleiben. Die globale Wirtschaftsleistung dürfte demnach dieses Jahr um 3,0 Prozent steigen, 2024 aber nur noch um 2,7 Prozent, teilte die Organisation mit. 2022 waren es noch 3,3 Prozent.

Die Prognose für 2023 wurde um 0,3 Prozentpunkte erhöht, die für 2024 um 0,2 Punkte gesenkt. Ein wichtiger Grund für die mäßigen Aussichten sind die Zinserhöhungen der Notenbanken, um die Inflation unter Kontrolle zu bekommen. Hohe Zinsen führen in der Regel zu weniger Investitionen, weil Finanzierungen schwieriger werden. In Deutschland ist dies derzeit in der Baubranche gut zu beobachten.

Neben Deutschland dürfte in diesem Jahr nur das schuldengeplagte und auf internationale Finanzhilfen angewiesene Argentinien noch schrumpfen. Alle anderen großen Industriestaaten wachsen – auch das von umfangreichen Sanktionen belegte Russland. So schätzen die OECD-Experten, dass die deutsche Wirtschaft dieses Jahr um 0,2 Prozent zurückgeht. Im Juni wurde noch eine Stagnation für möglich gehalten. 2024 dürfte es dann für ein Wachstum von 0,9 Prozent reichen, was weniger ist als bisher erwartet.

Große regionale Unterschiede bei Inflation

Den Notenbanken empfiehlt die OECD, Kurs zu halten, bis es klare Anzeichen dafür gibt, dass der Preisdruck nachhaltig gewichen ist. Die gibt es bisher jedoch nicht. Experten rechnen in diesem Jahr mit einer Teuerung von 5,5 Prozent im Euro-Raum und 6,1 Prozent in Deutschland. 2024 dürften es dann jeweils 3,0 Prozent sein. Die Europäische Zentralbank strebt zwei Prozent als optimale Rate für die Wirtschaft an. Für die USA, die früher mit Zinserhöhungen begonnen haben, werden Werte von 3,8 und 2,6 Prozent erwartet.

Die Inflation werde weiterhin stark von den Energiepreisen beeinflusst. In den vergangenen Monaten habe sich die Lage aber etwas entspannt, attestiert die OECD. Allerdings gebe es regional große Unterschiede. So liegt der Wert der Organisation zufolge in China nahe null Prozent, dagegen bei mehr als 50 Prozent in der Türkei und sogar mehr als 100 Prozent in Argentinien. Außerdem nehme die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel langsamer ab.

China mit deutlichem Wachstum

Die Volksrepublik verzeichnet deutlich überdurchschnittliche Wachstumsraten – mit 5,1 Prozent 2023 und 4,6 Prozent 2024. Die Schätzungen wurden allerdings gesenkt. Dabei stelle eine mögliche weitere Abkühlung in China ein Risiko für die Weltwirtschaft dar. „Hohe Schulden und der schwächelnde Immobiliensektor sind bedeutende Herausforderungen“, teilte die OECD mit. Der dortige Konsum erhole sich zudem trotz Wiedereröffnung der Wirtschaft nach der strengen Corona-Politik nur allmählich.

Eine wichtige Stütze der Weltwirtschaft sind demnach die USA. Hier wurden die OECD-Prognosen deutlich angehoben. Die weltgrößte Volkswirtschaft dürfte demnach 2023 um 2,2 Prozent und 2024 um 1,3 Prozent zulegen. Überraschend gute Entwicklungen habe es zuletzt in Brasilien, Indien und Südafrika gegeben. Der Euro-Raum wird laut OECD dieses Jahr um 0,6 Prozent wachsen, angetrieben von Spanien und Frankreich. 2024 dürfte es in der Euro-Zone dann ein Plus von 1,1 Prozent geben. Für Russland werden Wachstumsraten von 0,8 und 0,9 Prozent prognostiziert.

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