In Mailänder Nobel-Villa

Krisen-Konzern Uniper richtet Gala-Dinner aus

08.09.2022
Lesedauer: 3 Minuten
In der Villa Necchi Campiglio in Mailand lässt es sich nett feiern. (Foto: imago images/UIG)

Rund 15 Milliarden Euro Staatshilfen hat der angeschlagene Gasimporteur Uniper bisher bekommen – und meldete zuletzt zusätzlichen Bedarf an. Doch den Sparstrumpf will man sich offenbar nicht anziehen. Das Sponsoring für ein Messeevent ließ sich der Konzern offenbar 350.000 Euro kosten.

Dem krisengeschüttelten Gasimporteur Uniper droht ein PR-Desaster: Obwohl der Konzern im Zuge des Gaslieferstopps aus Russland in Schieflage geraten ist und umfangreiche Staatshilfen erhält, richtete er als Sponsor am vergangenen Sonntag ein luxuriöses Gala-Dinner in einer Mailänder Villa aus. Das berichtet der „Business Insider“ und bezieht sich auf die Verantwortlichen der Messe „Gastech“, in deren Rahmen das Event stattgefunden hat. Demnach kostete das Dinner umgerechnet etwa 175.000 Euro.

In einem Tweet vom Account der Messe, der inzwischen gelöscht wurde, heißt es, das „prestigeträchtige Dinner“ in der Villa Necchi Campiglio sei von Uniper gesponsert worden. Die luxuriöse Villa im Mailänder Stadtzentrum stammt aus den 1930er Jahren und befindet sich aktuell im Besitz einer Umweltstiftung. Zum Grundstück gehören ein beheizter Swimmingpool und ein Tennisplatz. Für die passende Atmosphäre sorgten demnach eine Sängerin, ein Pianist, ein Cellist und ein Trompetenspieler.

An der Gala soll laut Bericht auch Uniper-Geschäftsführer Klaus-Dieter Maubach teilgenommen haben – ebenso wie an der Fachtagung selbst, auf der er nach „Gastech“-Angaben auch über die sich verändernde globale Energielandschaft sprach. Zitiert wird Maulbach in einem mittlerweile ebenfalls gelöschten Tweet mit den Worten: „Churchill hat gesagt: Verpasse niemals eine gute Krise. Wir haben definitiv eine gute Krise, also lasst sie uns nicht verpassen!“

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Der Tweet wurde inzwischen gelöscht.
(Foto: Twitter / Gastech Event)

„Platin“-Sponsor für Gasmesse

Auch für die Messe selbst tritt Uniper offenbar als Großsponsor auf. Auf der Website der „Gastech“ wird das Unternehmen als „Platin-Sponsor“ aufgeführt, was laut „Business Insider“ eine Kostenbeteiligung von rund 175.000 Euro bedeutet. Die Messe endet heute. Eine Anfrage zu der Beteiligung ließ Uniper laut Bericht bisher unbeantwortet.

Die Bundesregierung hat für Uniper ein Rettungspaket in Höhe von 15 Milliarden Euro geschnürt, um den Konzern vor der Pleite zu bewahren. Doch schon jetzt ist klar, dass das Geld nicht ausreichen wird. Auch aus der beschlossenen Gasumlage soll Uniper einen Löwenanteil der insgesamt 34 Milliarden Euro erhalten. Gaskunden müssen deshalb ab Oktober 2,4 Cent je Kilowattstunde mehr zahlen.

Maubach schloss zuletzt nicht aus, dass die Gasumlage noch erhöht werden muss, sollten die Preise für Gas am Markt weiter steigen. Der Gasimporteur meldete zuletzt Bedarf an weiteren Finanzhilfen an, weil er sich wegen der Lieferkürzungen Russlands am Markt teuren Ersatz beschaffen muss. Mitte August wies der Konzern einen Verlust von über 12 Milliarden Euro für das erste Halbjahr aus.

Quelle: ntv.de, jug

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