Sorge vor Engpässen

„Kein AdBlue bedeutet keine Brummis. Und das bedeutet keine Versorgung für Deutschland“

08.09.2022
Lesedauer: 2 Minuten
Der Diesel-Reinigungsstoff AdBlue wird knapp. Der Verband für Gütertransport und Logistik warnt vor massiven Auswirkungen auf die Branche und Versorgungsengpässen. Mithilfe von AdBlue werden schädliche Stoffe aus den Dieselabgasen in harmlose gespalten. Quelle: WELT

Beim Unternehmen SKW in Sachsen-Anhalt steht die Produktion von AdBlue wegen des Gasmangels still. In zwei Wochen könnte es im Handel zu ersten Engpässen kommen. Der Bundesverband Gütertransport und Logistik sieht die Versorgungslage in Deutschland gefährdet.

Die Lager bei einem der wichtigsten Produzenten des Diesel-Reinigers AdBlue sind so gut wie leer. „Wir laufen trocken“, sagte ein Sprecher des Chemieunternehmens SKW Piesteritz der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. „Da wir nichts mehr produzieren, leeren sich unsere Lager.“

Das Unternehmen aus der Lutherstadt Wittenberg gehört mit BASF und Yara zu den größten Herstellern von AdBlue in Deutschland. Ohne den Abgasreiniger fährt kaum ein Lkw. Doch wegen der drastisch gestiegenen Gaspreise steht die Produktion bei SKW Piesteritz seit bereits zwei bis drei Wochen vollständig still, da sie für das Unternehmen nicht mehr wirtschaftlich ist.

Der Bundesverband Gütertransport und Logistik (BGL) warnte vor Versorgungsengpässen in Deutschland. „Kein AdBlue bedeutet keine Brummis. Und das bedeutet keine Versorgung für Deutschland“, sagte der BGL-Hauptgeschäftsführer Dirk Engelhardt der „Bild“-Zeitung und verwies auch auf den Produktionsstillstand bei SKW. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warf Engelhardt vor, er fahre „Deutschland sehenden Auges an die Wand“.

SKW Piesteritz hat mit dem BGL zwar eine Notfallreserve vereinbart. Von dieser waren aber zuletzt nur noch rund eine Million Liter AdBlue übrig, wie der SKW-Sprecher zu Reuters sagte. Doch nach Angaben des Konzerns benötigt die Logistik in Deutschland 2,5 Millionen Liter AdBlue pro Tag, alle Pkw alleine fünf Millionen Liter pro Tag.

Der Konzern ist massiv auf Gas angewiesen, da es dieses als Rohstoff in der Produktion einsetzt und nicht ersetzen kann. Jährlich benötigt das Unternehmen 14 Terrawattstunden Gas, die explodierten Preise treffen SKW daher ins Mark. Zudem müsse der Konzern monatlich voraussichtlich 30 Millionen Euro Gasumlage zahlen. Das sei finanziell nicht zu stemmen. Eigentlich sei SKW ein „kerngesundes“ Unternehmen, sagte der Sprecher.

Von der Politik fordert SKW Piesteritz – das nach eigenen Angaben Deutschlands größter Ammoniak- und Harnstoffproduzent ist und auch Stickstoff-Düngemittel herstellt – eine Deckelung des Gaspreises und eine Ausnahme bei der Gasumlage für Unternehmen, die Gas als Rohstoff einsetzen. „Wenn nichts passiert, müssen wir zum 1. Oktober Kurzarbeit anmelden.“ SKW Piesteritz beschäftigt 850 Mitarbeiter, den Großteil davon in der Produktion.

Bei AdBlue handelt es sich um Harnstoff, den Katalysatoren für Dieselmotoren brauchen, um schädliche Stickoxide aus den Abgasen in harmlosen Wasserstoff und in Stickstoff zu spalten.

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