Wirtschaftliche Situation in Deutschland

Inflation bereitet den Bürgern mehr Sorgen als Coronakrise

27.05.2022
Lesedauer: 2 Minuten
Einkaufstraße in Hamburg: Kein Vertrauen auf gerechte Verteilung der Lasten Foto: Georg Wendt / dpa

Die steigenden Preise machen in diesem Land besonders Geringverdienern zu schaffen. Und sie fühlen sich mit ihren Sorgen alleingelassen. Ökonomen warnen bereits vor einer weiteren Spaltung der Gesellschaft.

Angesichts des Ukrainekriegs und der stark gestiegenen Inflation machen sich mehr Erwerbspersonen in Deutschland größere Sorgen um ihre eigene wirtschaftliche Situation als zu irgendeinem Zeitpunkt während der Coronakrise. Aktuell empfindet rund ein Viertel aller Erwerbstätigen und Arbeitsuchenden die eigene finanzielle Lage als »äußerst stark« oder »stark« belastend (24 Prozent) und hat große Sorgen um die eigene wirtschaftliche Zukunft (26 Prozent), wie eine Umfrage der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ergab.

Von den Erwerbspersonen mit einem niedrigen Haushaltseinkommen von unter 1300 Euro netto im Monat sagten mehr als die Hälfte, sie machten sich große Sorgen um ihre wirtschaftliche Lage. In der nächsthöheren Einkommensgruppe zwischen 1301 und 2000 Euro netto waren es noch fast 40 Prozent, wie die Stiftung am Freitag weiter mitteilte. Die Belastung durch steigende Preise ist demnach bei Erwerbspersonen mit niedrigem Einkommen sehr weit verbreitet (79 Prozent). Aber auch in mittleren Einkommensgruppen machen sich 54 bis 59 Prozent der Befragten große Sorgen um die Inflation.

»Sehr viele Befragte haben kein Vertrauen, dass die Lasten der Ukrainekrise fair verteilt werden und fühlen sich schon jetzt nicht ausreichend unterstützt«, das habe die Umfrage ebenfalls ergeben, erklärte Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Das schwäche auch ihr Vertrauen in die Bundesregierung und demokratische Institutionen insgesamt.

Es sei »dringend notwendig, bei kommenden Verteilungsauseinandersetzungen diejenigen, die schon finanziell stark unter der Coronapandemie gelitten haben, besonders im Blick zu behalten«, forderte Kohlrausch. Das sei nicht nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit für die betroffenen Gruppen, »sondern auch der Stabilisierung der Gesellschaft als Ganzem«.

Für die Umfrage wurden Ende April 6234 Erwerbstätige und Arbeitssuchende online zu ihrer Lebenssituation während der Pandemie befragt. Dieselben Menschen waren bereits im April, Juni und November 2020 sowie im Januar, Juli und Oktober 2021 und im Januar 2022 interviewt worden. 

mik/AFP

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