„Dimension von Lehman-Brothers-Pleite“

Immer mehr Stadtwerke geraten in große Schwierigkeiten

13.09.2022
Lesedauer: 2 Minuten
Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen der Ostseepipeline Nord Stream 1. Foto: Stefan Sauer/dpa/Symbolbild

Das Wichtigste

  • Die hohen Einkaufspreise für Strom und Gas bringen immer mehr mittlere und kleine Stadtwerke in Schwierigkeiten.
  • Mehrere Versorger haben einem Bericht zufolge bereits bei der Bundesregierung um Unterstützung gebeten.
  • Die Situation erinnere an die Lehman-Brothers-Pleite, warnt ein Experte.

Nicht nur die Verbraucher haben mit hohen Energiepreisen zu kämpfen, auch die Versorger trifft die aktuelle Situation hart. Wie das „ Handelsblatt “ berichtet, geraten immer mehr Stadtwerke und Energieunternehmen in Zahlungsschwierigkeiten.

Markant: Mehrere Energieversorger haben dem Bericht zufolge auch schon mögliche finanzielle Unterstützung für Sicherheitszahlungen bei der Bundesregierung beantragt – das Finanzvolumen beträgt einen zweistelligen Milliardenbetrag.

Bericht: Immer mehr Stadtwerke geraten in Zahlungsschwierigkeiten

Im „Handelsblatt“ warnt Tobias Federico vom Marktforschungsunternehmen Energy Brainpool: „Die Energiekrise hat bereits die Dimension der Krise, die die Lehman-Brothers-Pleite ausgelöst hat.“

Es entwickle sich ein Teufelskreis, so Federico. Die Regierung müsse immer mehr Konzerne mit Milliardensummen stützen, damit sie die teure Energie überhaupt noch liefern können. Und die Kunden müssen ebenfalls unterstützt werden, damit sie die teure Energie noch bezahlen können.

Stadtwerke haben verzweifelte Kunden, die am Telefon mit Selbstmord drohen

Zwar haben viele Versorger langfristige Einkaufsverträge und somit noch vor der Krise Energie eingekauft. Dennoch beschaffen die Unternehmen anteilig auch im kurzfristigen Handel Strom und Gas. Und die derzeitigen Preise sind um ein vielfaches höher. Weil zudem Strom- und Gasverträge mit den eigenen Kunden oft einer Preisbindung unterliegen, können die Einkaufspreise allerdings nicht eins zu eins durchgegeben werden. Die Folge: Es laufen Kosten auf, die einige Versorger kaum noch tragen können. 

Neben den eigenen finanziellen Sorgen erleben die Stadtwerke derzeit auch ein massiv erhöhtes Aufkommen von Kundenanrufen, die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können und verzweifelt sind. „Sie schreien, sie weinen, einige drohen sogar mit Selbstmord, weil sie jetzt schon nicht mehr wissen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen“, zitiert das „Handelsblatt“ einen Vertriebsleiter eines mittelgroßen Stadtwerks.

luk

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