Wirtschaft

IG Bau protestiert gegen geplante Erhöhung der Minijob­grenze auf 520 Euro

03.11.2021
Lesedauer: 2 Minuten
Beschäftigte auf einer Baustelle: „Keine vernünftige soziale Absicherung.“ © Quelle: imago images/Rupert Oberhäuser

Zusammen mit dem Mindestlohn soll auch die Minijobgrenze steigen, und zwar von 450 auf 520 Euro im Monat.Darauf haben sich SPD, Grüne und FDP in ihrem Sondierungs­papier geeinigt.Von der Gewerkschaft IG Bau kommt Widerstand.

Neuer Gegenwind für die Ampel­koalitionäre in spe: Die Industrie­gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) warnt vor einer Erhöhung der Entgelt­obergrenze bei Minijobs, auf die sich SPD, Grüne und FDP in ihrem Sondierungs­papier geeinigt haben.

„Wir sehen die Minijobs seit eh und je sehr kritisch. Es gibt keine vernünftige soziale Absicherung. Sie sind nicht gerade ein Baustein für eine berufliche Karriere, und es sind meistens die Jobs, die in einer Krise als erstes wegfallen“, sagte der IG-Bau-Bundes­vorsitzende Robert Feiger dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Die drei Parteien haben in ihrem Sondierungs­papier zur Bildung einer Ampel­koalition angekündigt, die Obergrenze von monatlich 450 Euro auf 520 Euro heraufzusetzen.

Feiger betonte, Minijobs seien insbesondere für Frauen häufig eine „echte Überlebensfalle“. Es seien meist Frauen, die einer sogenannten geringfügigen Beschäftigung nachgehen würden. Die Kurzarbeit, die vor den gröbsten Verwerfungen am Arbeitsmarkt in der Pandemie bewahrt habe, könne sie nicht schützen.

Mehr als sieben Millionen Minijobber in Deutschland

Die IG Bau vertritt auch die Beschäftigen in der Gebäude­reinigungs­branche. Dort sind Minijobs weit verbreitet. Mitte 2020 gab es bundesweit 7,3 Millionen Minijobberinnen und Minijobber. Davon waren etwa 1,1 Millionen in der Reinigungs­branche tätig.

Derzeit darf bei einem Minijob das monatliche Arbeitsentgelt 450 Euro nicht überschreiten. Die zulässige Anzahl der Arbeits­stunden ergibt sich aus dem jeweiligen Stundenlohn. Auch bei Minijobs gilt der gesetzliche Mindest­lohn von aktuell 9,60 Euro pro Stunde. Die Ampel­sondierer haben sich auf eine Erhöhung auf 12 Euro verständigt.

Beschäftigte mit Minijobs müssen nicht in die Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung einzahlen. Sie können sich von der Renten­versicherungs­pflicht befreien lassen. Zudem sind die Jobs steuerfrei. Arbeitgeber überweisen pauschale Beträge an die Sozial­versicherung und sie zahlen eine pauschale Steuer.

Die IG Bau lehnt die geringfügige Beschäftigung nicht prinzipiell ab. Feiger macht sich aber dafür stark, dass allgemeine Lebensrisiken wie Krankheit und Jobverlust und ein gutes Auskommen im Alter abgesichert sein müssten. Er sagte dem RND: „Es muss endlich Schluss sein mit der legalisierten Schwarzarbeit.“ Das Kapital drei im Sondierungs­papier sei mit der Überschrift „Respekt und Chancen in der modernen Arbeitswelt“ versehen. „Das kann ich bei der Ausweitung der Minijobs irgendwie nicht ganz erkennen“, so der IG-Bau-Chef.

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