„Von Massenindustrien werden wir uns verabschieden“

Evonik-Chef warnt vor schwerer Wirtschaftskrise

05.06.2023
Lesedauer: 3 Minuten
Der Vorstandsvorsitzende von Evonik, Christian Kullmann, bei einer Pressekonferenz seines Unternehmens – er warnt vor einer schweren Wirtschaftskrise Foto: picture alliance/dpa | Federico Gambarini

Jetzt reden die Unternehmer: Deutschland steht 2023 vor einer „düsteren Entwicklung“, warnt Evonik-Chef Kullmann. Auch der soziale Frieden sei gefährdet. Ähnliche Töne stimmt der Kopf des Unternehmens Stihl an. „Unsere Energiewende ist ein Desaster“, mahnt er.

KÖLN. Der Vorstandsvorsitzende des Chemiekonzerns Evonik, Christian Kullmann, hat vor einer schweren Wirtschaftskrise in Deutschland gewarnt. „Wir sind seit dem Spätsommer des vergangenen Jahres auf dem Weg in eine Wirtschaftskrise, Amerika steht kurz vor einer Krise, in Europa ist sie da. Insgesamt sehen wir für 2023 eine eher düstere, eine eher schwache wirtschaftliche Entwicklung“, sagte der Unternehmer am Sonntag im Gespräch mit dem Deutschlandfunk.

Hinter den aktuellen wirtschaftlichen Turbulenzen sehe er eine „transformatorische Veränderung“ der Weltwirtschaft insgesamt. „Und das bedeutet für Deutschland ganz konkret, daß wir Massengüter, ganz gleich in welcher Industrie, hier in der Perspektive nicht mehr herstellen werden“, mahnte Kullmann.

Wirtschafsboss Kullmann erhebt schwere Vorwürfe gegen Politik

„Von diesen Industrien werden wir uns hier auf Sicht – und das wird gar nicht mehr allzu lange dauern – wohl verabschieden“, stellte er in Aussicht. Diese Entwicklung gefährde nicht nur den Wohlstand des Landes, sondern auch den sozialen Frieden. In diesem Zusammenhang nannte er auch das derzeitige Umfragehoch der AfD. „Und das ist nicht abstrakt, sondern das betrachte ich als eine sehr konkrete Bedrohung unserer liberalen, unserer toleranten Demokratie hier in unserem Land“, äußerte der Evonik-Chef seine Bedenken.

Auch an der Bundesregierung sparte der Unternehmer indes nicht mit Kritik. Der Standort Deutschland stehe unter Druck. „Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten eine Energiepolitik in Deutschland gemacht, die den Interessen der deutschen Volkswirtschaft und die den Interessen des Nationalstaates nicht genügt hat.“

Das Land stehe weniger vor einer Energiewende, als vielmehr vor dem Risiko, „daß wir in ein energiepolitisches Desaster hineinlaufen“, monierte Kullmann. „Wir in Deutschland, wir in Europa sind mehr auf dem Weg, daß die Ministerialadministration der Wirtschaft erklären will, wie sie und wo sie zu investieren hat und sich dann um entsprechende Unterstützung bewerben darf.“ In der Regel würden Beamte an den Universitäten meinen, den Machern in der Wirtschaft ihren Beruf erklären zu können. „Bitte verstehen Sie, daß ich mir das gerne anhöre, daß ich da auch gerne zuhöre, aber daß ich das wirklich nicht so ganz teilen kann“, kritisierte der Evonik-Chef.

Motorsägenhersteller Stihl: „Unsere Energiewende ist ein Desaster“

Auch der Chef des Gartengeräteherstellers Stihl, Nikolas Stihl, griff die Politik der Bundesregierung zuletzt scharf an. „Unsere Energiewende ist ein Desaster“, empörte sich der Vorsitzende des Weltmarktführers in Sachen Motorsägen im Interview mit dem Handelsblatt. Viele Menschen würden nach wie vor daran glauben, daß die Art, wie in Deutschland regiert werde, ihnen Sicherheit biete. „Daß wir uns die Vollkasko-Politik nicht leisten können, geht dabei unter“, äußerte Stihl.

Bereits in der Vergangenheit hatte der Familienunternehmer vor einer drohenden „Deindustrialisierung“ des Landes gewarnt. „Die Gefahr einer Deindustrialisierung ist nicht von der Hand zu weisen“, mahnte er damals. Der deutsche Standort könne wirtschaftlich irgendwann einen „Kipppunkt“ erreichen, nach dem die Bereitschaft, sich hierzulande unternehmerisch zu betätigen, stark sinke. Für sein Unternehmen sei dieser Punkt erreicht, wenn es seine Erzeugnisse nicht mehr wettbewerbsfähig herstellen könne. (fw)

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