Europa wird kein billiges US-Gas mehr bekommen können, sagt ein amerikanischer Energie-Unternehmer

13.10.2022
Lesedauer: 4 Minuten
Foto: Federico Gambarini/Picture Alliance/Getty Images

Billige Erdgaslieferungen (LNG) aus den USA nach Europa gehören laut Charif Souki, dem Co-Founder des Texas-basierten Unternehmens Tellurian, der Vergangenheit an.

Durch die steigenden Kosten müssten Lieferanten künftig doppelt so viel für den Transport von LNG zahlen, sagte Souki.

Seitdem Russland seine Lieferungen drosselt, haben die USA sich zu einem der führenden LNG-Lieferanten für Europa entwickelt.

Inmitten der sich zuspitzenden Energiekrise hat sich Europa bislang auf günstige Erdgasimporte aus den USA verlassen. Doch mit den tiefen Preisen ist jetzt Schluss, warnt der Co-Founder von Tellurian, eines in Texas ansässigen Flüssigerdgas-Unternehmens.

Die Länder, die sich seit diesem Jahr darum bemühen, die von Russland unterbrochenen Gaslieferungen zu ersetzen, reiben sich momentan die Augen. Der Grund: Die Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) kosten mittlerweile doppelt so viel wie vorher, da die Inflation die Kosten in die Höhe getrieben hat, so der Vorstandsvorsitzende von Tellurian, Charif Souki. „Aus diesem Grund gehören die Tage, in denen man Gas für 4 bis 5 Dollar auf dem Wasser bekommen konnte, der Vergangenheit an“, sagte Souki am Dienstag auf dem Energy Intelligence Forum. „Wir müssen in Dimensionen von 10 bis 12 Dollar denken.“

Europa steht in diesem Winter vor einer großen Energiekrise. Priorität für alle Länder ist momentan, die Erdgasmengen zu ersetzen, die nach der Einstellung der Gaslieferungen über Nord Stream 1 durch Russland verloren gingen. Das ließ schon die regionalen Gaspreise in die Höhe schnellen – ein angeblicher Sabotageakt an beiden Nord-Stream-Pipelines setzte den Preisen noch mehr zu.

US-Gaslieferungen machten in diesem Jahr mehr als 70 Prozent der europäischen Importe aus

Die niederländischen TTF-Futures, die europäische Erdgas-Benchmark, lagen bei der letzten Überprüfung am Mittwoch bei 163 Euro pro Megawattstunde im ICE-Index. Die USA haben ihre Lieferungen von Flüssigerdgas nach Europa indes angekurbelt und wurden laut EIA in der ersten Hälfte des Jahres 2022 zum weltweit größten LNG-Exporteur. Die US-Gaslieferungen machten in diesem Jahr bis September mehr als 70 Prozent der europäischen Importe aus.

Fatih Birol, der Leiter der Internationalen Energieagentur, hat jedoch schon gewarnt, dass die Gaslieferungen auch im nächsten Jahr unter Druck geraten werden, wenn China seine Covid-Beschränkungen aufhebt und seinen Wettbewerb um das verfügbare Gas verstärkt. „Es ist durchaus möglich, dass die LNG-Märkte im Jahr 2023 ziemlich eng sein werden, vielleicht noch enger als in diesem Jahr“, sagte Birol vergangene Woche. „Wenn sich die chinesische Wirtschaft erholt, wird es für Europa schwierig sein, so viel LNG anzuziehen“.

Nach Angaben des griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis zahlt Europa schon jetzt das Zwei- bis Dreifache des Preises, den asiatische Käufer für Erdgas verlangen. Souki von Tellurian sagte, Investitionen in US-Gasprojekte könnten sich für Europa lohnen, um den Zugang zu den Lieferungen besser zu steuern. Obwohl bereits Milliarden von Dollar in LNG-Projekte, insbesondere in Texas und Louisiana, geflossen sind, kann noch mehr getan werden, so der LNG-Experte.

„Europa wird 500 bis 600 Milliarden US-Dollar an Subventionen für seine Verbraucher ausgeben. Für einen Bruchteil dieses Preises könnte man sich langfristige Gasreserven aus den Vereinigten Staaten sichern“, sagte Souki laut Reuters auf der Konferenz. „Es gibt in den Vereinigten Staaten Verflüssigungsprojekte im Wert von 100 Milliarden Dollar, die zwar genehmigt sind, aber keine Finanzierung erhalten haben“, sagte er. „Man muss Investitionen tätigen, wenn man die Ressource kontrollieren will.“

Im September teilte Tellurian mit, dass zwei potenzielle Großkunden, Shell und Vitol, ihre LNG-Geschäfte mit dem Unternehmen aufgegeben hätten. Die Nachricht kam wenige Tage, nachdem Tellurian eine hochverzinsliche Anleihe im Wert von einer Milliarde US-Dollar zur Finanzierung des Baus von LNG-Anlagen in Louisiana aufgegeben hatte, wie Reuters berichtete.

Der Einmarsch Russlands in die Ukraine sowie die darauffolgenden Sanktionen haben die Lücken in der LNG-Infrastruktur verdeutlicht. Nach Angaben von Rystad Energy könnte die Energiekrise der Branche bis 2024 neue Investitionen in Höhe von 42 Milliarden US-Dollar bringen.

Dieser Artikel wurde von Lara Hansen aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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