Konjunktur

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verschlechtert sich

24.06.2024
Lesedauer: 3 Minuten
Gerade in der Industrie kommt es zu neuen Rückschlägen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Die Konjunktur steck im Krisenmodus. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist erneut gesunken. Ökonomen fürchten, dass sich die deutsche Wirtschaft auf eine dauerhafte Stagnation vorbereiten muss.

Berlin. Das Ifo-Geschäftsklima sank auf 88,6 Zähler von 89,3 Punkten im Vormonat und damit das zweite Mal in Folge, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte.

Von Reuters befragte Fachleute hingegen hatten mit einem Anstieg auf 89,7 Zähler gerechnet. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage unverändert skeptisch und ihre Aussichten für die kommenden Monate ungünstiger als zuletzt. „Die deutsche Wirtschaft tut sich schwer, die Stagnation zu überwinden“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Die Münchner Forscherinnen und Forscher zogen ein eher ernüchterndes Fazit: „Die deutsche Wirtschaft muss auf ihr Sommermärchen noch warten“, sagte Konjunktur-Experte Klaus Wohlrabe der Nachrichtenagentur Reuters. In weiten Teilen der Wirtschaft fehlten Aufträge.

Die Nachfrage sei nach wie vor schwach. Zudem ziehe die private Nachfrage immer noch nicht an. Dabei gilt der Konsum als Hoffnungsträger für eine anziehende Konjunktur im zweiten Halbjahr.

„Diese Zahl ist so schlecht wie sie aussieht“, kommentierte LBBW-Analyst Jens-Oliver Niklasch den Ifo-Index. „Ein Aufschwung findet in Deutschland nicht statt.“ Die Beurteilung der Lage trete auf der Stelle und die Erwartungen trübten sich wieder ein – und das alles auf ohnehin niedrigem Niveau.

» Lesen Sie auch: BDI-Präsident sieht noch keine Konjunktur-Trendwende

„Derzeit ist unklar, woher der erhoffte Wachstumsschub für das Jahr 2025 kommen soll.“ Vermutlich sei die Wirtschaftsleistung im laufenden zweiten Quartal nahe der Stagnation und für das dritte Quartal fehle ebenfalls die Phantasie für bessere Zahlen. „Und so richtet man sich allmählich in der Dauerstagnation ein“, sagte Niklasch.

Die deutsche Industrie schwächelt

„Im Verarbeitenden Gewerbe hat das Geschäftsklima nach drei Anstiegen in Folge einen Rückschlag erlitten“, betonte Ifo-Chef Fuest. Die Unternehmen seien für die kommenden Monate wieder skeptischer. „Insbesondere der sinkende Auftragsbestand bereitete den Firmen Sorgen.“

Im Dienstleistungssektor gehe es aufwärts mit der Stimmung, während sich das Geschäftsklima im Handel merklich verschlechtert habe. Im Bauhauptgewerbe legte der Index leicht zu – wegen weniger pessimistischen Erwartungen. Die Lage beurteilten die Betriebe wegen eines Auftragsmangels hingegen schlechter.

Die Wirtschaft ist Anfang des Jahres dank steigender Exporte und Bauausgaben an einer Rezession vorbeigeschrammt. Es ging zwischen Januar und März um 0,2 Prozent bergauf und damit so kräftig wie seit einem Jahr nicht mehr.

Die Bundesbank und andere Fachleute rechneten jüngst noch damit, dass sich die Erholung im laufenden zweiten Quartal fortsetzt. Für Schwung dürfte der private Konsum sorgen – nicht zuletzt dank der abebbenden Inflation. Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt – also die Summe aller produzierten Waren und Dienstleistungen – um 0,3 Prozent steigen.

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) erwartet nach einer Umfrage unter mehr als 24.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen allerdings nur eine Stagnation.

Mehr: Deutschland kommt nicht aus der Konjunkturkrise

Erstpublikation: 24.06.2024, 11:01 Uhr.

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