Der russische Angriff auf die Ukraine lässt die Kurse weltweit auf den Kapitalmärkten fallen. Anleger warnen vor Öl-Knappheit – und die Zentralbank in Moskau interveniert am Devisenmarkt.
An den Börsen rund um die Welt fallen die Kurs als Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine. Der deutsche Standardwerteindex Dax verminderte sich im frühen Handel um mehr als 4 Prozent und fiel damit auf weniger als 14.000 Punkte. „Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden. Es herrscht Krieg in Europa“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners in Frankfurt. Dabei treffe die russische Invasion die Börsen zwar nicht unvorbereitet, „trotzdem laufen Schockwellen durch die Kapitalmärkte“.
Der M-Dax der mittelgroßen Werte büßte 2,68 Prozent auf ungefähr 31.000 Punkte ein. Europaweit eröffneten die Börsen ebenfalls mit starken Verlusten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab um 4,29 Prozent auf 3802 Punkte nach. In Asien standen die Aktienmärkte angesichts der russischen Invasion der Ukraine ebenfalls unter Druck.
Ukrainische Angaben zufolge greift Russland das Land aus mehreren Richtungen an. Es sei ziemlich klar, dass Russland nicht nur die pro-russischen Separatisten-Gebiete in der Ost-Ukraine im Auge habe, sagte Chris Weston, Chef-Analyst des Brokerhauses Pepperstone. Jetzt gehe es darum, abzuschätzen, wie schlimm die Lage noch werde und welche Auswirkungen die erwarteten zusätzlichen Sanktionen des Westens gegen Russland hätten. Vor diesem Hintergrund fiel die russische Währung auf ein Rekordtief. Im Gegenzug stiegen Dollar und Euro jeweils mehr als 10 Prozent auf 89,99 beziehungsweise 101,03 Rubel.
Ölpreis steigt auf mehr als 100 Dollar
Gleichzeitig sprang der Ölpreis erstmals seit siebeneinhalb Jahren über die Marke von 100 Dollar. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich zeitweise um knapp sechs Prozent auf 102,48 Dollar je Barrel (159 Liter). „Russisches Öl wird über Nacht vom Weltmarkt verschwinden, wenn es zu neuen Sanktionen kommt“, warnte Volkswirt Howie Lee von der Bank OCBC. „Die Opec kann nicht ausreichend produzieren, um dieses Loch zu füllen.“
Einige Anleger flüchteten in „sichere Häfen“ wie Gold. Der Preis für die „Antikrisen-Währung“ stieg um bis zu 2,2 Prozent auf ein 13-Monats-Hoch von 1948,77 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Analyst Jeffrey Halley vom Brokerhaus Oanda traut dem Edelmetall einen Sprung über das bisherige Rekordhoch von 2072,50 Dollar vom August 2020 zu. Die Weltleitwährung war ebenfalls begehrt. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg um 0,4 Prozent.
Die russische Zentralbank schaltet sich nach dem Kurssturz der Landeswährung Rubel auf ein Rekordtief infolge des Angriffs auf die Ukraine ein. Sie kündigte am Donnerstag Eingriffe am Devisenmarkt ein, um den Kurs zu stabilisieren. Der Rubel war zuvor auf ein Rekordtief von fast 90 Rubel zum Dollar abgestürzt, nachdem Präsident Wladimir Putin einen Angriff auf die Ukraine genehmigt hatte. Geschäftsbanken soll zudem Liquidität bereitgestellt werden, um für finanzielle Stabilität zu sorgen. Der Aktienkurs der Großbank Sberbank war zuvor um 28 Prozent eingebrochen.
Aus Furcht vor Lieferausfällen decken sich Anleger mit Industriemetallen ein. Das im Automobil- und Flugzeugbau verwendete Aluminium gewinnt am Donnerstag drei Prozent und ist mit 3388 Dollar je Tonne so teuer wie nie. Der Preis von Nickel, das zur Stahlproduktion benötigt wird, steigt um 3,2 Prozent auf ein 10-1/2-Jahres-Hoch von 25.170 Dollar. Börsianern zufolge wird sich der Angebotsengpass bei diesen Metallen noch verschärfen, wenn russische Exporte wegen westlicher Sanktionen gegen Russland vom Weltmarkt verschwänden.
Quelle: FAZ.NET/DPA/Reuters


