Medizinmangel

Bayern erlaubt Einfuhr nicht zugelassener Antibiotika-Säfte

29.04.2023
Lesedauer: 3 Minuten
Automatisiertes Medikamentenlager in einer Apotheke Bild: dpa

Laut Kinder- und Jugendärzten fehlen Fiebermittel und Penicillin. Der bayerische Gesundheitsminister will deshalb von den Vorgaben abweichen. Und die Krankenkassen kritisieren die Pharmabranche.

Wegen Medikamentenmangels erlaubt die bayerische Staatsregierung vorübergehend die Einfuhr in Deutschland nicht zugelassener Antibiotika-Säfte für Kinder. „Wir in Bayern lassen nichts unversucht, um die Lage zu verbessern“, erklärte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Samstag. Der Bund hatte am Dienstag offiziell „Versorgungsmangel“ bei antibiotischen Säften für Kinder festgestellt. Somit ist es nach Holetscheks Worten den Landesbehörden nun möglich, im Einzelfall vorübergehend von Vorgaben des Arzneimittelgesetzes (AMG) abzuweichen.

„Wir leiten in Bayern umgehend zwei Maßnahmen ein, die den Mangel an antibiotischen Säften für Kinder lindern sollen“, sagte Holetschek. „Zum einen sollen die Regierungen mit einer neuen Allgemeinverfügung befristet die Einfuhr von Arzneimitteln gestatten, die bei uns eigentlich nicht zugelassen oder registriert sind.“ So könnten Pharmagroßhändler, Pharmafirmen und Apotheken unbürokratisch handeln.

Die zweite Maßnahme ist ein Appell Holetscheks an die Krankenkassen – mit dem Ziel, Apothekern die eigene Herstellung von Antibiotika zu erleichtern. „Darin bitte ich die Krankenkassen, vorerst keine Zuschläge sowie Erstattungen zu verweigern und in der Folge keine bereits geflossenen Vergütungen zurückzufordern, wenn Apotheker einen verschriebenen, aber nicht verfügbaren antibiotischen Saft durch ein selbst hergestelltes Arzneimittel ersetzen“, sagte der Minister. „Und bei Nicht-Verfügbarkeit des Fertigarzneimittels sollte eine solche Abgabe eines in der Apotheke hergestellten Antibiotikasafts auch ohne erneutes Ausstellen eines Rezeptes möglich sein.“

„Eine schnelle Lösung ist dringend erforderlich“

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hatte zuvor vor einem zunehmenden Mangel an Medikamenten für Kinder gewarnt. Verbandspräsident Thomas Fischbach sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ), es fehle an Fieber- und Schmerzmedikamenten in kindgerechter Darreichungsform. Auch das Antibiotikum Penizillin gebe es derzeit nicht.

Fischbach zählt zu den Mitunterzeichnern eines offenen Briefs der Kinderärzte aus Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz sowie aus Südtirol an die Gesundheitsminister der Länder, über den die NOZ zuerst berichtet hatte. Darin heißt es: „Die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen ist durch den Medikamentenmangel europaweit gefährdet. Eine schnelle, zuverlässige und dauerhafte Lösung ist dringend erforderlich!“

Fischbach sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Brief sei Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und auch den Mitgliedern des Gesundheitsausschusses des Bundestages bereits zugegangen.

Als Reaktion auf den offenen Brief kritisierten Krankenkassen die Pharmabranche. Das Schreiben zeige, dass die Nicht-Lieferung bestimmter Arzneimittel ein europaweites Problem für die Menschen sei, sagte der Sprecher des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV), Florian Lanz, am Samstag. „Es gab ein gemeinsames Vertrauen in die Pharmaindustrie, dass sie im Zweifel die Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherstellt. Dieses Vertrauen ist mittlerweile erschüttert“, fügte er hinzu.

Quelle: dpa

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