Automotive-Krise

Autozulieferer Allgaier Werke ist insolvent

21.06.2023
Lesedauer: 2 Minuten
Der Autozulieferer Allgaier ist insolvent. Bild: imago images

Der nächste Autozulieferer kippt: Bei dem baden-württembergischen Karosserie- und Sonderwerkzeugspezialisten Allgaier Werke übernimmt ein Insolvenzverwalter das Kommando.  

Der baden-württembergische Autozulieferer Allgaier Werke GmbH hat Insolvenzantrag gestellt. Nach Informationen der WirtschaftsWoche hat das Amtsgericht Göppingen den Juristen Fritz Zanker von der Kanzlei Pluta als vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt. Experten der Kanzlei Grub Brugger hatten im Vorfeld beraten.

Das Unternehmen mit Sitz in Uhingen östlich von Stuttgart ist die Holding und Obergesellschaft der Allgaier-Group, die sich als Spezialist für Karosserie- und Sonderwerkzeugbau, für Presswerke und Tanksysteme einen Namen gemacht hat und weltweit rund 1700 Mitarbeiter beschäftigt. 

Im Sommer vergangenen Jahres war die chinesische Westron Group Mehrheitsgesellschafter bei Allgaier geworden. Die traditionsreiche Unternehmensgruppe hatte Dieter Hundt, dem langjährigen Arbeitgeberpräsidenten, gehört. Durch den Einstieg von Westron sollte die finanzielle Stabilität wiederhergestellt werden, hieß es damals. Die Allgaier-Group würde mit beiden Geschäftsbereichen Automotive und Process Technology unverändert fortgeführt und weiterentwickelt. 

Die Probleme der Branche

Bereits vor dem Einstieg des chinesischen Investors stand das Unternehmen unter erheblichem Druck und musste Personal abbauen. Die Restrukturierung und Neuausrichtung zwischen 2020 und 2022, zu der die Belegschaft einen großen Beitrag geleistet hatte, erfolgte unter erschwerten Bedingungen. Erst belastete die Coronapandemie, dann führten Rohstoffengpässe und der Krieg Russlands gegen die Ukraine zu Umsatzrückgängen in beiden Geschäftsbereichen. Ende März 2023 soll intern bereits von einer wirtschaftlichen Schieflage die Rede gewesen sein. Wenn es nicht gelinge, Allgaier wieder auf Kurs zu bringen, werde das Unternehmen unweigerlich in die Insolvenz rutschen, hieß es damals laut Medienberichten. 

Der vorläufige Insolvenzverwalter dürfte sich nun zunächst um die Vorfinanzierung des Insolvenzgelds für die Mitarbeiter kümmern und versuchen, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren. Dafür werden bei Automotive-Insolvenzen in der Regel Fortführungsvereinbarungen mit den wichtigsten Kunden – den Autoherstellern – vereinbart. Gleichzeitig müssen die Kosten gesenkt werden, um das Unternehmen neu aufzustellen. 

Die Probleme bei Allgaier sind zwar unternehmensspezifisch. Dennoch erwarten Experten angesichts des Kostendrucks und der Umstellung in Richtung E-Mobilität weitere Insolvenzen im Automotive-Bereich. „Spätestens 2035 ist Schluss für Verbrenner“, sagte jüngst Restrukturierungsexperte Jonas Eckhardt von der Unternehmensberatung Falkensteg der WirtschaftsWoche. Daher beginne jetzt „das Endspiel“ für viele Autozulieferer. Auch das Ersatzteilgeschäft und Exporte würden die Rückgänge nicht ausgleichen können. „Das wird brutal für die Autozulieferer“, so Eckhardt. 

Lesen Sie auch: „Für viele Autozulieferer beginnt jetzt das Endspiel“

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