Wieso legt niemand los?

60.000 Baugenehmigungen in Berlin, aber gebaut wird nicht

16.08.2023
Lesedauer: 2 Minuten
61.534 Wohnungen in Berlin sind zwar genehmigt, die Fertigstellung verzögert sich aber Foto: stock.adobe

Das ärgert wohl jeden, der auf Wohnungssuche ist: Derzeit sind 61.534 Wohnungen in Berlin auf Eis gelegt. Zwar genehmigt, aber längst nicht fertig.

Der sogenannte Bauüberhang hat sich innerhalb von zehn Jahren verdreifacht. „Die komplette Fertigstellung eines Genehmigungsjahrgangs erfordert im Schnitt sechs bis acht Jahre“, sagt Bau-Staatssekretär Stephan Machulik (51, SPD).

► Was hat die Projekte verschleppt? Laut Senat die „instabilen und unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“. Konkret: Explodierende Zinsen und Preise, Baustoffmangel, Energiekrise, Fachkräftemangel.

Machulik: „Auch Nachbarklagen können die Baufertigstellung verzögern.“ Dass mit den brachliegenden Grundstücken spekuliert wird, konnte nicht nachgewiesen werden.

Welche Projekte in der Pipeline feststecken?

► 53.183 der 61.534 Wohnungen sind in neuen Gebäuden geplant.

► 18.508 der Wohnungen wurden vor mindestens vier Jahren genehmigt.

► 13.668 sind Eigentumswohnungen.

► 10.167 Wohnungen planen öffentliche Bauherren, 37.331 wollen Unternehmen realisieren.

► In Mitte und Lichtenberg sind die meisten Wohnungen in der Warteschleife.

► Für 3277 Wohnungen ist die Baugenehmigung inzwischen erloschen.

Trotz der enorm hohen Zahlen ging der Bauüberhang zum Jahresende 2022 um 5,7 Prozent zurück. In Brandenburg sind derzeit 40.608 Wohnungen genehmigt, aber nicht fertig.

Immobiliengruppe insolvent

Enorm gestiegene Baukosten treiben jetzt auch die Immobiliengruppe „Project“ in die Insolvenz.

Bundesweit sind 120 Vorhaben mit einer Investitionssumme von 3,2 Milliarden Euro in Bau oder Planung. In Berlin hat der Projektentwickler bislang 47 Baustellen abgeschlossen, fünf sind im Verkauf, vier in Vorbereitung.

Eins der prominenten Vorhaben ist Billy-Wilder-Living mit 71 Eigentumswohnungen (Lichterfelde). 1-4 Zimmerwohnungen um einen begrünten Innenhof. Ein Zwei-Zimmer-Dachgeschoss (81 qm) wird z.B. 675.000 Euro angeboten.

Während Montag keine Bauarbeiter zu sehen waren, gab es Dienstag wieder Bewegung. Fertig werden sollte das Projekt Ende 2023.

Das Projekt Billy-Wilder-Living in Lichterfelde, nahe der Goerzallee, gehört zu den Objekten der Insolvenz-Firma
Das Projekt Billy-Wilder-Living in Lichterfelde, nahe der Goerzallee, gehört zu den Objekten der Insolvenz-Firma Foto: Project Immobilien

Laut Unternehmen soll der Geschäftsbetrieb weiter laufen, eine Sanierung und Fortsetzung der Bauprojekte geprüft werden.

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