Sportwagenhersteller

100.000 statt 1800 Neuwagen pro Jahr – so plant Lotus die Giga-Expansion

22.02.2022
Lesedauer: 4 Minuten
Wie viele andere Autokonzerne steckt Lotus mitten im Umbau zu elektrischen Motoren Quelle: Getty Images/500px Plus/Bombaert Patrick

Der Autobauer Lotus hat Großes vor: In einer neuen Fabrik in Wuhan soll ab Ende 2022 ein erster E-SUV in Serie gehen, weitere E-Autos sind in Planung. Auch für Anleger sind die Wachstumspläne des Unternehmens von Interesse.

Der traditionsreiche britische Sportwagenhersteller Lotus prüft im Rahmen einer grundlegenden Neuausrichtung einen Börsengang. Das Unternehmen will damit die internationale Expansion und den neuen Fokus auf Elektrofahrzeuge finanzieren. Bis 2028 plant die Lotus Group, die mehrheitlich im Besitz des chinesischen Autobauers Geely ist, ein jährliches Verkaufsvolumen von 100.000 Neuwagen. Gegenüber der aktuellen Produktion stellt das einen massiven Sprung dar: 2021 hat der Hersteller an seinem Hauptsitz in Hethel in Norfolk gerade einmal 1700 Sportwagen gebaut.

In der vergangenen Woche hat das Unternehmen im Rahmen einer Roadshow Investoren und Autohändlern in London die Pläne für neue Elektro-Modelle vorgestellt. Schon vor einigen Wochen hatten ähnliche Veranstaltungen in Beijing, Guangzhou und Shanghai stattgefunden. Dabei werde auch der Appetit für ein Börsenlisting abgeklopft, so der Konzern.

Wie viele andere Autokonzerne steckt Lotus mitten im Umbau zu elektrischen Motoren. Konkret existiert bereits ein Modell für einen ersten Elektro-SUV, der in Großbritannien und Deutschland entwickelt wurde. Modellname: Type 132. Voraussichtlich ab Ende des Jahres soll das E-Auto in einer neuen Fahrzeugfertigung im chinesischen Wuhan in Serie gehen, die Geely eigens für Lotus ausgestattet hat. Mit einer Jahreskapazität von 150.000 Fahrzeugen lässt die Fabrik reichlich Raum für Wachstum.

In den kommenden drei Jahren soll das Programm in China um eine Sport-Limousine und einen zweiten SUV erweitert werden, ebenfalls mit elektrischem Antrieb. Von den angepeilten 100.000 Fahrzeugen bis 2028 sollen gut 90 Prozent mit Batterie angetrieben werden. Aber auch die Fertigung von Sportwagen mit traditionellem Antrieb soll auf 10.000 Stück deutlich ausgebaut werden.

Geely legt bei den Wachstumsplänen für Lotus einen erheblichen Fokus auf die Volksrepublik: Rund die Hälfte der Umsätze sollen in fünf Jahre aus dem chinesischen Markt kommen, hatte Lotus bereits vor einigen Monaten angekündigt.

Lotus hat sich vor allem im Rennsport einen Namen gemacht. Das 1952 von Colin Chapman gegründete Unternehmen war mit dem Rennstall zwar eng verbunden, hat aber stets in kleinen Stückzahlen Sportwagen für den Straßenverkehr hergestellt. In den 1990er-Jahren wurde das Unternehmen vom malaysischen Proton-Konzern übernommen. Geely, gegründet und geführt vom chinesischen Milliardär Li Shufu, ist 2017 mit einem Mehrheitsanteil eingestiegen.

Mehr als drei Milliarden Pfund (3,6 Milliarden Euro) hat der chinesische Mehrheitseigner seitdem investiert, um aus dem stets mit finanziellen Problemen kämpfenden Sportwagenhersteller einen bedeutenden Anbieter von Elektrofahrzeugen zu schmieden. „Unser Ziel ist es, zu einer globalen Kraft zu werden“, sagte Lotus-Manager Matt Windle der „Times“.

Unter der Ägide von Geely hat Lotus bereits einen komplett elektrischen Supersportwagen auf den Markt gebracht, den Evija mit einem Stückpreis von mehr als 1,5 Millionen Euro. Mit Verbrennungsmotor ist noch der Emira im Angebot. Auch die neue Fahrzeug-Generation solle aber unverwechselbar Lotus sein, so Chefdesigner Russell Carr. „Wir müssen anders sein. Wir müssen auffallen. Wir müssen Autos bauen, die die Menschen im Herzen berühren, denn das ist es, was die Geldbörse locker macht.“

Das Geschäft hat der chinesische Eigentümer im vergangenen Jahr in zwei Einheiten aufgeteilt: das traditionelle Verbrennergeschäft mit Sitz in Norfolk als Lotus Car und den Bereich Lotus Technology, der sich auf Elektrofahrzeuge und Lifestyle konzentriert und in China ausgebaut werden soll. Dahinter stecken unterschiedlich hohe Beteiligungen an beiden Bereichen des früheren Mehrheitseigners Etika Automotive, kontrolliert durch den malaysischen Geschäftsmann Syed Mokhtar Al Bukhary.

Den milliardenschweren Börsengang würde Lotus Technology bestreiten. Nach Information der „Times“ kommt dafür vor allem Shanghai infrage. Eine Entscheidung sei aber nicht gefallen – auch New York und London seien mögliche Börsenplätze für die Notierung.

Im vergangenen Jahr hat Geely sein Tochterunternehmen Volvo Cars an die Börse geschickt. Der Hersteller von Elektrofahrzeugen Polestar, eine Ausgründung des schwedischen Autokonzerns, hat einen Börsengang im ersten Halbjahr in Aussicht gestellt. Im Fall von Polestar gilt aber eine Notierung über eine Special Purpose Acquisition Company (SPAC) als wahrscheinliche Lösung, über den Zusammenschluss mit einem bereits notierten Börsenmantel.

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