In einem Prozess gegen den Verlag des „Daily Mirror“ wird Prinz Harry als Zeuge gehört. Er erhebt in seiner Aussage schwere Vorwürfe gegen die Boulevardpresse.
Der britische Prinz Harry ist im Prozess gegen den Verlag des Daily Mirror wegen illegaler Informationsbeschaffung als Zeuge aufgetreten. In einer schriftlichen Aussage machte er der britischen Boulevardpresse schwere Vorwürfe. Dass er mit Ehefrau Herzogin Meghan und Sohn Archie in die USA zog, sei „zu einem großen Teil (…) auf das ständige Eindringen, die Anstiftung zu Hass und Belästigung durch die Boulevardpresse in jeden Aspekt unseres Privatlebens zurückzuführen, was verheerende Auswirkungen hatte“, hieß es in dem Dokument, das der High Court in London veröffentlichte. „Wir waren auch sehr besorgt um die Sicherheit unseres Sohnes.“
Als einer von mehreren Klägern wirft der 38-Jährige dem Medienkonzern Mirror Group Newspapers (MGN) illegale Informationsbeschaffung vor. Unter anderem soll das Mutterhaus der Boulevardzeitung Daily Mirror die Voicemail-Nachrichten auf dem Handy des Prinzen abgehört haben. Der Verlag weist die Vorwürfe zurück.
Prinz Harry erläuterte in seiner Stellungnahme, die Boulevardpresse weise seinen Familienmitgliedern eine bestimmte Rolle zu. „Man startet als leere Leinwand, während sie herausfinden, was für ein Mensch man ist und welche Probleme und Versuchungen man möglicherweise hat“, sagte er. „Dann beginnen sie, einen dazu zu bewegen, die Rolle oder die Rollen zu spielen, die ihnen am besten gefallen und mit denen sie möglichst viele Zeitungen verkaufen.“ Man werde dann abgestempelt, in seinem Fall etwa als „Betrüger“, „minderjähriger Säufer“ oder „verantwortungsloser Drogenkonsument“.
Prinz Harry: Illegale Methoden betrafen „jeden Teil meines Lebens“
Er warf den Boulevardmedien vor, frühere Beziehungen zerstört und auch die Ehe mit Herzogin Meghan zerbrechen zu wollen. „Wann immer ich eine Beziehung einging, waren sie sehr daran interessiert, über die Einzelheiten zu berichten“, teilte Prinz Harry mit. Zugleich habe die Presse versucht, die Beziehungen schnell zu beenden, indem sie Druck ausgeübt und Misstrauen gesät habe. „Dieses verquere Ziel wird bis heute verfolgt, obwohl ich inzwischen verheiratet bin.“ Er verstehe nicht, inwiefern private Details seiner Beziehungen im öffentlichen Interesse lägen.
Die illegalen Methoden der Reporter hätten „jeden Teil meines Lebens“ betroffen, hieß es in der Stellungnahme. „Es löste in meinen Beziehungen ein großes Maß an Paranoia aus. Ich wurde sofort misstrauisch gegenüber jedem, der in einer Geschichte über mich genannt wurde.“ Er habe das Gefühl gehabt, niemandem mehr trauen zu können.
Der Prozess hat bereits wenige Tage nach der Krönung von Charles III. vor einem Monat begonnen, er ist auf bis zu sieben Wochen angesetzt. Höhepunkt ist dabei die Aussage von Prinz Harry. Zuletzt war aus den Reihen des britischen Königshauses der spätere König Edward VII. wegen einer Verleumdungsklage 1890 in einen Zeugenstand getreten.






