Flusspferde aus Privatzoo

Pablo Escobars »Kokain-Hippos« vermehren sich rasch

06.06.2023
Lesedauer: 3 Minuten
Ein Nilpferd schwimmt in der Lagune im Hacienda Napoles Park, dem ehemaligen Privatanwesen des Drogenbosses Pablo Escobar (Bild von 2022) Foto: Fernando Vergara / AP

Der Drogenbaron Pablo Escobar ließ sich einst Flusspferde nach Kolumbien liefern, die Nachkommen sind dort längst zum Problem geworden. Forschende haben die »Kokain-Hippos« nun gezählt – demnach gibt es mehr als angenommen.

Reiche Menschen investieren ihr Geld oft in Außergewöhnliches. Darunter: der ehemalige Drogenbaron Pablo Escobar. Von seinem Geld – laut »Forbes« gehörte er einmal zu den reichsten Männern der Welt – kaufte er sich unter anderem einen Privatzoo mit Flusspferden, Flamingos, Giraffen und Zebras. Die Polizei hat Escobar 1993 erschossen, danach wurden seine Tiere an Zoos verkauft – bis auf die Flusspferde. Sie blieben und vermehrten sich. Und das offenbar stärker, als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bisher annahmen, wie eine neue Zählung zeigt.

Demnach könnte es doppelt so viele Flusspferde geben wie bisher angenommen, heißt es in einem Bericht, der bei »Nature«  erschienen ist. 181 bis 215 Tiere könnten in Kolumbien leben. 2020 schätzen Forschende noch, dass rund 98 Exemplare entlang des Magdalena-Flusses und seiner Nebenflüsse in Kolumbien heimisch sind. Die Forschenden zählten die Tiere in den Jahren 2021 und 2022 selbst, mit Drohnen und mit anderen Verfolgungsmethoden, heißt es in dem Bericht.

Obwohl Flusspferde große Tiere sind, sei ihre Zählung für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Nationalen Universität von Kolumbien in Bogotá, des Humboldt-Instituts und der Umweltbehörde Cornare herausfordernd gewesen: Die Tiere sind nachtaktiv, tauchen 16 Stunden am Tag ins Wasser ein und wandern über große Entfernungen.

Neben der Anzahl haben die Forschenden dem Bericht zufolge eine weitere Beobachtung gemacht: 37 Prozent der Tiere seien Jungtiere. Das deute darauf hin, dass sich die Flusspferde schnell vermehren. Wegen der üppigen Bedingungen könnten sie früher als in Afrika geschlechtsreif sein, lautet eine Hypothese. Einer anderen These zufolge könnten die Tiere beim Fortpflanzen erfolgreicher sein, weil sie weniger um Territorien und Ressourcen kämpfen müssten, sagte der Ökologe Rafael Moreno, der an der Analyse beteiligt war, laut »Nature«.

Zur »invasiven Art« erklärt

In Auftrag gegeben hatte die Untersuchung »Nature« zufolge das kolumbianische Umweltministerium, um die Lage besser einschätzen zu können und herauszufinden, wie sich – falls nötig – die Ausbreitung stoppen ließe.

In Kolumbien sind die Flusspferde im Lauf der Jahre zu einem Problem für Mensch und Umwelt geworden. Vergangenes Jahr erklärten die Behörden die berühmten Tiere zur »invasiven Art«, ihre Tötung wird dabei als eine »notwendige Option« gesehen. Die Sterilisierung der schweren Tiere sei teuer und schwierig, hatte der Leiter der regionalen Umweltbehörde Cornare, die für die Sterilisierungen zuständig ist, damals gesagt. Daher bleibe »die Keulung als Option auf dem Tisch«. Sie könnte »der einzige Weg sein, um zu verhindern, dass sich das Problem verschlimmert«.

Das Team, das die Zählung durchgeführt hat, sieht den Staat in der Pflicht. Die Untersuchung zeige, »dass es sich um ein reales Problem handelt und dass der Staat dringend handeln muss«, sagte Moreno laut »Nature«. ani

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