In welcher Welt leben Hollywoodstars eigentlich? Das dürften sich viele Zuschauer des aktuellen Verleumdungsprozesses, den Johnny Depp (58) gegen Amber Heard (36) führt, fragen.
Am siebten Tag des Prozesses, der die toxische Beziehung der beiden Superstars vor der Weltöffentlichkeit entblößt, präsentierte Amber Heards Verteidigungsteam schockierende Textnachrichten, Fotos und Videobeweise, die Johnny Depps Drogenkonsum und seine Gewaltausbrüche beweisen sollen.
Johnny Depp, der sich am Donnerstag den dritten Tag infolge im Zeugenstand befand, stellte sich dem Kreuzverhör von Amber Heards Anwalt Ben Rottenborn, der ihn mit expliziten Textnachrichten konfrontierte.


Schockierende Textnachrichten von Johnny Depp
Noch bevor die Worte vor Gericht verlesen werden, entschuldigt sich Johnny Depp und erklärt, er sei „auf keine Sprachwahl stolz“, die er in den Textnachrichten verwendet habe.
Dann geht es direkt gruselig los. Heards Anwalt liest eine Nachricht vor, die Johnny Depp 2013 an seinen britischen Schauspiel-Kollegen Paul Bettany (50) schickte: „Lass uns sie ertränken, bevor wir sie verbrennen!!! Ich werde ihren verbrannten Leichnam f***en, um sicherzugehen, dass sie tot ist.“ Betretenes Schweigen im Gerichtssaal. Auf Nachfrage bestätigt Depp, dass er damals von Amber Heard gesprochen habe.
In einer weiteren Nachricht an Bettany schrieb Depp, dass er die ganze Nacht getrunken habe, „bevor ich Amber für einen Flug abgeholt habe“. Er habe tagelang nichts gegessen, verschiedene Arten von Alkohol und „Pulver“ konsumiert.
Auf die Frage vor Gericht, ob sich „Pulver“ auf Kokain beziehe, antwortet Depp: „Sicher.“


In einer weiteren SMS, die Johnny Depp an Amber Heards Schwester schickte, heißt es: „Ich möchte diese dreckige Hure Amber niemals wiedersehen.“ Depp bestätigt vor dem Gericht in Virginia, diese Nachrichten geschrieben zu haben, erklärt aber auch, sie wären sehr überspitzt geschrieben worden und würden nicht die Realität widerspiegeln.
Depp, der die Fragen Rottenborns oft im süffisanten Ton beantwortet, bringt trotz der fiesen Textnachrichten die Prozesszuschauer mehrmals zum Lachen.
Auf ein im März 2013 aufgenommenes Foto, das den Wohnzimmertisch von Johnny Depp zeigen soll, liegen „Party-Artikel“ verstreut. Whisky, Kokain, Wein und eine CD von Keith Richards. Angesprochen darauf, ob das seine Drogen wären, weicht Depp geschickt aus: „Die wundervolle Komposition dieses Fotos, suggeriert das, aber ich sehe mich nicht in diesem Foto.“ Depp selbst ist tatsächlich nicht auf dem Schnappschuss zu sehen.


Wer hat den Penis aufs Gemälde gemalt?
Erneut Thema an Tag sieben des Prozesses: ein Streit der beiden Hollywoodstars im März 2015, einen Monat nach ihrer Hochzeit. Der Zoff an diesem Tag soll so eskaliert sein, dass Johnny Depp eine Fingerkuppe verlor. Heards Anwalt Ben Rottenborn erinnert den „Fluch der Karibik“-Star daran, dass er an diesem Tag mit seinem Blut Botschaften an die Wand und auf andere Gegenstände schrieb.
Laut Rottenborn verunstaltete Depp ein Gemälde, indem er einen Penis darauf zeichnete. Depp: „Davon weiß ich nichts. Ich kann mich nicht erinnern, einen Penis auf ein Gemälde gemalt zu haben.“


Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS
Auf die Frage, ob er bestreite, das Gemälde verunstaltet zu haben, sagt Depp: „Nun, angesichts der Tatsache, dass ich einige Nachrichten auf den Badezimmerspiegel geschrieben habe und dann Miss Heard Dinge hinzugefügt hat, ist es auch möglich, dass Miss Heard den Penis auf das Gemälde gemalt hat.“ Wieder hat Depp die Lacher auf seiner Seite.
Video zeigt Wut-Ausbruch des Hollywoodschauspielers
Dann zeigt das Gericht Johnny Depp wieder von seiner hässlichen Seite. In einem von Amber Heard aufgenommenen Handy-Video, sieht man einen offensichtlich stark betrunkenen Depp, wie er wütend in seinem Haus hin und her läuft, gegen den Kühlschrank tritt und sich ein großes Glas Wein einschenkt.
Depp ordnet das Video so ein: „Ich hatte ganz klar eine miese Zeit.“ Er gibt zu, „ein paar Schränke angegriffen“ zu haben, „aber ich habe Miss Heard nicht berührt.“
Schnell dreht Depp den Spieß um und erklärt, dass Amber Heard das Video illegal aufgenommen habe und dass „der interessanteste Teil“ sei, dass sie am Ende gegrinst und darüber gelacht habe. Depp: „Wenn sie Angst hatte, warum hat sie dann weiter gefilmt und ist nicht abgehauen?“
Auch eine Audioaufnahme wird vor Gericht abgespielt, zu hören ist ein offensichtlich stark betrunkener Johnny Depp, der scheinbar versucht, sich in Amber Heards Gegenwart mit einem Messer in die Haut zu ritzen. „Wo willst du die Narbe haben?“ ruft Depp. Woraufhin Heard ihn anfleht: „Schneide dich nicht in die Haut. Bitte tu das nicht. Leg das Messer weg.“


Foto: Getty Images for Art of Elysium
Um seine These zu untermauern, dass Johnny Depp ein ausfallender, unkontrollierbarer Tyrann ist, präsentiert Anwalt Rottenborn noch eine an Elton John (75) gerichtete E-Mail, in der Depp seine langjährige Ex-Partnerin und Mutter seiner Kinder Vanessa Paradis (49) beschimpft. In der E-Mail nennt er sie eine „französische Erpresserin“, die ihre gemeinsamen Kinder – Lily-Rose (22) und Jack (20) – einer „Gehirnwäsche“ unterziehen wolle.
★★★
Die ganze Welt blickt auf diesen Sensationsprozess in Virginia. Auch Amber Heard soll in den nächsten Tagen vor Gericht aussagen. Das Gericht befasst sich mit einer Klage, die Johnny Depp im März 2019 gegen Amber Heard eingereicht hatte. Er behauptet, sie habe ihn mit einem Essay in der „Washington Post“ diffamiert, in diesem Text schrieb die Schauspielerin, dass sie Opfer häuslicher Gewalt geworden sei.
Der „Fluch der Karibik“-Star verlangt wegen Verleumdung rund 50 Millionen Dollar Schadenersatz sowie eine Geldbuße von 350 000 Dollar von Heard. Die Schauspielerin fordert in ihrer Gegenklage unter anderem wegen Verleumdung Schadenersatz in Höhe von 100 Millionen Dollar und eine Geldbuße von 350 000 Dollar.





