Johnny Depp will Ex-Frau Amber Heard vor Gericht als Lügnerin entlarven und so seinen Ruf retten. Nun sagten gleich zwei Zeuginnen zu seinen Gunsten aus. Laut einer Psychologin neige Heard zu emotionaler Instabilität.
Die Hollywoodstars Johnny Depp und Amber Heard zerfleischen sich derzeit vor Gericht – und die ganze Welt sieht zu. Am Dienstag traten nun unter anderem eine Psychologin und eine Polizistin in den Zeugenstand. Ihre Aussagen spielen Depp in die Karten. So sagte die Rechtspsychologin Shannon Curry aus, dass sie bei Heard eine Borderline-Persönlichkeitsstörung festgestellt habe.
Curry war von Depps Anwälten beauftragt worden, ein Gutachten über Heard zu erstellen. Sie habe unter anderem Gesundheitsakten und Audioaufnahmen geprüft und sei zweimal mit der Schauspielerin für Tests zusammengetroffen. Ihrer Einschätzung nach neige Heard zu emotionaler Instabilität und plötzlichen Wutausbrüchen, die auch mit Gewalt einhergehen könnten.
Depp sieht sich als Opfer
Depps Anwälte hoffen, mit dieser Aussage die Behauptung des Schauspielers zu untermauern, der sich als Opfer in der explosiven Beziehung beschrieben hatte. Im Zeugenstand erklärte Depp unter Eid, Heard niemals geschlagen zu haben. Am Montag hatte er seine viertägigen Aussagen abgeschlossen. Im Kreuzverhör mit den Anwälten seiner Ex-Frau wurde er mit teils schockierenden Videos, Fotos und Audioaufnahmen konfrontiert, mit denen Heards Anwälte ein Bild von Depp als Süchtigen mit heftigen Ausfällen zeichnen wollten. Auch Heard soll in dem mehrwöchigen Prozess noch aussagen.
2016 hatte die Schauspielerin nach nur 15 Monaten Ehe die Scheidung eingereicht. Sie warf dem Hollywood-Star häusliche Gewalt vor. In seiner Zivilklage hält Depp seiner Ex-Frau vor, in einem 2018 von der „Washington Post“ veröffentlichten Kommentar zum Thema häusliche Gewalt falsche Aussagen gemacht zu haben. Dies hätte seinem Ruf geschadet. Wegen Verleumdung klagt Depp auf rund 50 Millionen Dollar (gut 45 Millionen Euro) Schadenersatz.
Amber Heard und Johnny Depp lernten sich 2009 während der Dreharbeiten für den Film „The Rum Diary“ kennen. Der Streifen basiert auf dem gleichnamigen Roman des US-Schriftstellers Hunter S. Thompson. Depp spielt die Rolle des Journalisten Paul Kemp, der einen Job in Puerto Rico annimmt. Dort verliebt er sich in eine Frau namens Chenault, dargestellt von Amber Heard. Depp und Heard kamen sich vor der Kamera näher, privat waren beide zu dieser Zeit aber noch anderweitig liiert.
„The Rum Diary“ kam Ende Oktober 2011 in die US-Kinos, Anfang November feierte der Film in London Europapremiere (Foto). Johnny Depp und Amber Heard zeigten sich da bereits sehr vertraut auf dem roten Teppich. 2012 gab der Schauspieler schließlich die Trennung von seiner Lebensgefährtin Vanessa Paradis bekannt. 14 Jahre war er mit der Französin liiert, das Paar hat zwei gemeinsame Kinder.Zunächst sah es so aus, als versuchten Johnny Depp und Amber Heard ihr Privatleben aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Ihre Verlobung Anfang 2014 gaben sie nicht offiziell bekannt, sondern sie wurde durch US-Medien publik, nachdem Fotografen einen auffälligen Ring am Finger der Schauspielerin erspäht hatten.Im Mai 2014 zeigten sich Johnny Depp und Amber Heard gemeinsam bei der Met Gala in New York – eine Promi-Veranstaltung, wie sie der Schauspieler sonst eher meidet.Im eher kleinen Kreis ging auch die Hochzeit von Amber Heard und Johnny Depp im Februar 2015 über die Bühne. Nach der Trauung in ihrer Villa in Los Angeles flogen die beiden für eine zweite Zeremonie auf die Bahamas, wo der Schauspieler eine Privatinsel besitzt. Nur der engste Familien- und Freundeskreis des Paares war bei der Eheschließung dabei.Johnny Depp sei „wahnsinnig verliebt“ in seine 23 Jahre jüngere Frau, sagte 2015 ein Freund des Schauspielers der US-Zeitschrift „People“. „Sie ist ein Freigeist und eine unabhängige Frau, die ihre eigenen Entscheidungen trifft. Ihre Anwesenheit hat sein Leben verändert.“ Wie toxisch ihre Beziehung tatsächlich war, zeigt nun der Zivilprozess im US-Bundesstaat Virginia, in dem sich Heard und Depp gegenseitig wegen Verleumdung verklagen.Die Wende kam im Mai 2016. Nur 15 Monate nach der Hochzeit reichte Amber Heard die Scheidung ein und gab als Grund „unüberbrückbare Differenzen“ an. Zudem erwirkte die Schauspielerin eine einstweilige Verfügung gegen Johnny Depp und behauptete, er habe sie unter Drogen- und Alkoholeinfluss körperlich misshandelt. Vor dem Superior Court in Los Angeles zeigte sich Heard mit einem blauen Auge. Es soll von einem Handy stammen, das Depp angeblich nach ihr geworfen hat. Der 58-Jährige bestritt die Anschuldigungen und einigte sich mit Heard auf die Zahlung von sieben Millionen Dollar. Das Geld wollte die Schauspielerin für soziale Zwecke spenden. Später gab es Zweifel, ob sie das auch wirklich getan hat.MEHRAnfang 2017 wurden Amber Heard und Johnny Depp offiziell geschieden. Es schien das Ende einer kurzen, stürmischen Liebe zu sein. Im Dezember 2018 veröffentlichte Heard in der „Washington Post“ einen Essay über sexualisierte Gewalt und Missbrauch von Frauen. Sie berichtete, dass auch sie Opfer häuslicher Gewalt geworden sei, ohne dabei den Namen von Johnny Depp zu nennen. Doch es war klar, dass sie ihn mit ihren Schilderungen meinte. Der Schauspieler verklagte seine Ex-Frau wegen Rufschädigung und Verleumdung auf 50 Millionen Dollar. Heard versuchte die Klage abzuweisen, ohne Erfolg. Stattdessen fordert sie nun 100 Millionen Dollar Schadensersatz. Der Prozess in Virginia wird noch mehrere Wochen dauern und hat jetzt schon zahlreiche schmutzige Details ans Licht gebracht.MEHRIm Juli 2020 trafen sich Johnny Depp und Amber Heard bereits vor dem High Court in London. Dabei ging es um ein Verfahren, dass der Schauspieler gegen die britische Boulevardzeitung „The Sun“ führte. Die hatte Depp in einem Artikel als „Frauenschläger“ bezeichnet. Depp wollte dagegen juristisch vorgehen – und verlor. Amber Heard war in dem Prozess als Zeugin geladen und berichtete schon damals, dass Depp während der Ehe mehrfach gedroht habe, sie zu töten.Beim laufenden Prozess in Virginia muss Johnny Depp mehrere Tage in Folge im Zeugenstand aussagen. Der Schauspieler sprach bisher unter anderem über seine schwierige Kindheit und Drogenprobleme, bestritt aber Amber Heard geschlagen zu haben. Stattdessen attestierte er seiner Ex-Frau ein „Bedürfnis nach Gewalt“. Zu Wort kam auch die frühere Eheberaterin des Paares. Die Therapeutin sagte, sie habe von beiden Seiten missbräuchliches Verhalten wahrgenommen. Amber Heard soll zu einem späteren Zeitpunkt in den Zeugenstand treten. Neben Depp und Heard werden andere prominente Zeugen erwartet, darunter Tesla-Chef Elon Musk sowie die Schauspieler Paul Bettany und James Franco. Ob der Prozess allerdings dazu taugt, den Ruf von Amber Heard und Johnny Depp wiederherzustellen, ist nach allem, was bisher schon an die Öffentlichkeit gelangt ist, fraglich.MEHR
Auch die Aussage einer Polizistin in einer zuvor aufgenommenen Videoschalte wurde am Dienstag im Gerichtssaal gezeigt. Melissa Saenz beschrieb darin, dass sie nach einem Streit der Eheleute im Mai 2016 zu deren Penthouse in Los Angeles gerufen worden sei. Sie habe Heard weinend vorgefunden, aber keine Spuren von Verletzungen oder Sachschäden in der Wohnung entdeckt. Sie habe Heard nicht als Opfer häuslicher Gewalt angesehen, sagte Saenz aus. Wenige Tage nach dem Vorfall hatte die Schauspielerin vor Behörden erklärt, Depp habe ihr Verletzungen zugefügt.tpo DPA