ZDF-Talk

„Haben uns gewundert“: Lanz-Gast erzählt von Merkel-Besuch in Wuhan – unmittelbar vor der Corona-Pandemie

28.05.2021
Lesedauer: 5 Minuten
Die Sendung „Markus Lanz“ vom 26. Mai auf ZDF.© Screenshot „Markus Lanz“

Corona-Lockerungen, ein Merkel-Besuch in Wuhan und Geheimtreffen der Unions-Granden Laschet und Söder. Der ZDF-Talk bei Markus Lanz.

Bei „Markus Lanz” geht es am Mittwochabend vor allem um die vorherrschende Krise bei der CDU. Kurz vor dem Ende der Ära Merkel macht die Partei vor allem mit Negativschlagzeilen von sich reden. Nach der Wahl-Schlappe von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder scheint es, als würde die christlich-demokratische Partei mit Kanzlerkandidat Armin Laschet mitten in einer Sinnkrise stecken. Doch stimmt das wirklich? Dem geht unter anderem Journalist Robin Alexander auf den Grund.

Im Gespräch mit dem ZDF-Moderator spricht der Autor des Buches „Machtverfall” über den Machtverfall von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Statt ihre letzte Amtszeit im Ausland zu verbringen, sei die Kanzlerin laut Alexander „in der Ministerpräsidentenrunde verzweifelt”. Einen weiteren Verfall der Macht sieht der Journalist zudem in der CDU – besonders in Bezug auf die Auseinandersetzung zwischen Armin Laschet und Markus Söder.

Lanz-Gast erzählt von Merkel-Besuch in Wuhan – unmittelbar vor der Corona-Pandemie

Spannend: Gemeinsam mit Merkel war der Journalist im September 2019 in Wuhan – „vor der Corona-Zeit“, wie er eilig klarstellt. „Damals war Wuhan noch niemanden ein Begriff, wir haben uns gewundert, warum wir da hin fahren“, erzählt er weiter. Bei Reisen nach China besuche die Kanzlerin stets Peking und eine Provinzstadt. In Wuhan habe man auch ein Krankenhaus besichtigt. „Es ist natürlich schon irre, dass man mit der Kanzlerin an so einen Ort fährt und drei Monate später fragt sich die ganze Welt: Wie, genau dort?“

„Markus Lanz“ – das waren seine Gäste am 26. Mai:

  • Robin Alexander – Journalist und „Welt“-Politikexperte
  • Christoph Ploß – Politiker und Vorsitzender der Hamburger CDU
  • Prof. Hendrik Streeck – Virologe und Direktor des Instituts für Virologie am Uniklinikum Bonn
  • Christina Berndt – Journalistin und SZ-Wissenschaftsredakteurin

In der Sendung vom 26. Mai stellt Alexander daher klar, dass der Machtkampf der beiden Männer kein klassischer Streit zwischen CDU und CSU war. Vielmehr handle es sich dabei um eine Identitätskrise innerhalb der CDU. Eine Krise, die nicht von heute auf morgen geklärt und beseitigt werden kann. Robin Alexander stellt im Gespräch mit Lanz sogar die steile These auf: „Wenn die Jungen in der CDU abgestimmt hätten, hätte Söder 80 Prozent bekommen.” Gegen den CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet stichelt er abschließend: „Laschet hat die Welle gar nicht gesehen, die ihn fast erschlagen hätte.”

Von besonderem Interesse für Markus Lanz sind zwei Geheim-Treffen zwischen Laschet und Söder in Hessen, die Robin Alexander in seinem Buch schildert. „Ich hab noch nie vorher davon gehört“, gibt der ZDF-Moderator zu. Nach Alexanders Schilderungen hätten sich auf dem Höhepunkt des Tauziehens um die Klärung der Unions-Kanzlerkandidatur die Kandidaten auf „neutralem Grund“ in einem Flughafenhotel in Frankfurt getroffen. „Sie haben sich an zwei Tagen ausgesprochen, eine Woche war dazwischen, aber sie sind sich nicht einig geworden und am Ende haben sie es offen ausgekämpft“. Im ersten Gespräch der zwei Politiker sei es zunächst darum gegangen, dass Laschet „erstmal hören wollte, ob Söder möchte“, beim zweiten „hatte Laschet verstanden, dass Söder nicht zurückzieht“. Da sei es dann heftig geworden.

CDU-Politiker Christoph Ploß gibt zu, dass sich die CDU in Zukunft „neujustieren” muss

Ein harter Satz, bei dem sich gegen Ende der Sendung auch der junge CDU-Landesvorsitzende Christoph Ploß einmischt. Er beteuert, dass die Partei nach der Ära Merkel einiges „neujustieren“ müsse – wie etwa die Migrationspolitik. Statt sich auf eine tiefergehende Diskussion einzulassen, stellt ZDF-Moderator Markus Lanz beim Blick auf Ploß lediglich fest: „Sie sind 35 und reden wie jemand, der seit 60 Jahren in einer Partei ist“.

Viel gesprächiger wurde Ploß dagegen beim vieldiskutierten Thema Gendersprache. Nachdem der Politiker in den vergangenen Wochen bereits seine Kritik äußerte, legt er am Mittwoch bei Lanz nach und sagt selbstbewusst: „Die staatlichen Einrichtungen sollten sich an die deutsche Grammatik halten.” Für Ploß seien Gendersternchen nur dafür da, die Gesellschaft zu spalten. Wirtschaftsjournalistin Christina Berndt kontert daraufhin und merkt an, dass „leichte Stopersteine in der Sprache” mehr Bewusstsein schaffen würden.

Journalist Robin Alexander prangert bei „Markus Lanz” (ZDF) an: „Kinder haben kein Wahlrecht”

Auch die Corona-Krise ist nach wie vor Thema bei „Markus Lanz”. Anders als in den Wochen zuvor zeigen sich die Gäste jedoch erstmals optimistisch mit Blick auf die Zukunft. Einzig das Thema Kinder und Jugendliche sorgt für Missstimmung. Der Grund? Christina Berndt kritisiert: Während Rentner wieder nach Mallorca reisen dürfen, zögert die Regierung immer noch, die Schulen zu öffnen. Und das, obwohl alle dafür notwendigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden können. „Welt”-Journalist Robin Alexander hakt daraufhin erneut ein und behauptet, dass dies ein tiefergreifendes Problem darstelle: „Kinder haben kein Wahlrecht.” Alexander fügt mit ernstem Blick hinzu: „Wir sind ein von Kinderlosigkeit geprägtes Land.”

„Markus Lanz“ – Fazit der Sendung

Bei „Markus Lanz” geht es am Mittwochabend vor allem um die Frage, wie tief das Identitätsproblem der CDU greift – und was nach der Ära Merkel auf Armin Laschet zukommen könnte. In der ZDF-Sendung fehlt es jedoch an hitzigen Diskussionen. Stattdessen wird mit einer bunten Mischung an Gästen, darunter Jungpolitiker Christoph Ploß, nur grob ein Thema nach dem nächsten angerissen. Der Tiefgang fehlte ein wenig in der Sendung vom 26. Mai. Doch immerhin lässt der Virologe Hendrik Streeck beim Thema Corona zuversichtlich in die Zukunft blicken.

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