EM war letztes Jahr Quoten-Hit, aber...

Frauen-WM ist deutschen Sendern zu teuer

18.04.2023
Lesedauer: 2 Minuten
Alexandra Popp will bei der WM mit der DFB-Auswahl auftrumpfen – aber schauen deutsche Fans des Frauen-Fußballs dabei in die Röhre? Foto: WITTERS

Stell Dir vor, es ist WM, und die deutschen Spiele laufen nicht im TV…

In weniger als 100 Tagen beginnt die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland (20. Juli bis 20. August) – und noch immer ist völlig offen, ob das Turnier im deutschen Fernsehen übertragen wird.

Hintergrund: Die Fifa fordert mehr als 10 Mio. Euro für die Übertragungsrechte, argumentiert dabei auch mit den starken TV-Quoten bei der EM in England im Vorjahr. Hinzu kommen Produktionskosten in siebenstelliger Höhe.

Die EM im vergangenen Sommer war eine Quoten-Sensation. Beim Finale im Wembley-Stadion zwischen England und Deutschland (2:1 nach Verlängerung) schaute fast das ganze Land zu: 17,9 Millionen Menschen schalteten durchschnittlich ein, als es um den krönenden Abschluss des Sommermärchens ging. Es war die meistgesehene Fernsehsendung des ganzen Jahres! In der Vorrunde waren es bei den Öffentlich-Rechtlichen durchschnittlich starke 6,58 Millionen Zuschauer.

ABER: Der große Unterschied: Die Spiele in England fanden meist zur besten Sendezeit statt, die deutschen WM-Partien in Australien und Neuseeland steigen in der Vorrunde um 10.30 Uhr, 11.30 Uhr und 12.30 Uhr.

Deshalb halten die deutschen Sender die Fifa-Forderung für ungerechtfertigt. Rekordquoten wie bei der EM werden nicht zu erzielen sein. Nicht nur in Deutschland gibt es bei den Verhandlungen noch keinen Abschluss, sondern auch in Italien, Frankreich, Spanien und England.

Zum Vergleich: Für die Übertragungsrechte der Spiele bei der Männer-WM in Katar zahlten ARD und ZDF geschätzte 214 Millionen Euro.

Die Fifa teilte auf dpa-Anfrage nur mit: Das Ausschreibungsverfahren „war bisher erfolglos, da es keine Angebote gab, die das größte Frauenfußballturnier der Welt in seinem wahren Wert anerkennen.“ Normal ist bei solchen Ausschreibungen, dass das höchste Angebot den Zuschlag bekommt – aber was ist bei der Fifa schon normal?

ARD und ZDF boten nach BILD-Informationen am meisten Geld, äußern sich zum Verhandlungspoker mit dem Fußball-Weltverband aber genauso wenig wie die RTL-Gruppe und ProSiebenSat.1. oder die zuletzt im Frauensport besonders aktiven Pay-Anbieter Sky und DAZN.

Holger Blask, Marketing-Chef beim DFB, sagt: „Seitens des DFB wünschen wir uns eine große Reichweite und Sichtbarkeit – sowohl für das Turnier insgesamt, vor allem aber für die Spiele unserer Frauen-Nationalmannschaft im Sinne unserer Fans und Partner, um die großartige Entwicklung des Frauenfußballs der letzten Monate weiter zu fördern.“

Er gehe deshalb davon aus, „dass die Fifa und die interessierten TV-Sender auch die wirtschaftlichen Potenziale der Frauen-WM angemessen und marktgerecht bewerten und gute Lösungen finden.“

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