Als erste Transgender-Athletin gewinnt Lia Thomas einen US-Collegetitel. Doch die Freude währt nur kurz. Der Gouverneur von Florida erkennt Thomas‘ Sieg nicht an. In seiner Begründung spricht er davon, dass man „den Frauensport zerstören wolle“.
Lia Thomas schrieb bei den US-College-Meisterschaften in Atlanta vor wenigen Tagen Sportgeschichte. Mit ihrem Triumph über die 500 Yards Freistil ist sie die erste Transgender-Sportlerin, die einen Titel in der höchsten Kategorie der National Collegiate Athletic Association (NCAA) erringen konnte. Doch ihr Erfolg währte nicht lang. Der Sieg der Schwimmerin von der University of Pennsylvania wurde nun wieder aberkannt – zumindest in Florida.
Der dortige Gouverneur Ron DeSantis unterzeichnete eine Erklärung, in der er Emma Weyant, die in Florida geboren wurde, als Siegerin dieses College-Schwimmwettbewerbs für Frauen anerkannte, und beschuldigte die NCAA, Chancen für Frauen zu zerstören: „Jetzt versucht die NCAA, den Frauensport zu zerstören, sie versucht, die Integrität des Wettbewerbs zu untergraben, und sie krönt jemand anderen zum Frauen-Champion, und wir halten das für falsch.“
Lia Thomas schlug die aus Sarasota stammende Weyant am vergangenen Donnerstag in Atlanta um 1,75 Sekunden im 500-Meter-Freistilrennen und wurde damit die erste Transgender-Meisterin der NCAA.


Doch in den Augen von DeSantis, einem Verbündeten von Donald Trump, der weithin als führender Präsidentschaftskandidat für 2024 gehandelt wird, ist Weyant, Studienanfängerin an der University of Virginia und Olympia-Silbermedaillengewinnerin, die verdiente Siegerin der Veranstaltung. „Sie hatte die schnellste Zeit aller Frauen in der College-Historie“, sagte DeSantis auf einer Pressekonferenz über Weyant. Dies dürfe aus seiner Sicht nicht untergraben werden.
DeSantis politische Entscheidung, Thomas‘ Sieg beim Wettkampf im US-Bundesstaat Georgia, nicht anzuerkennen, hat allerdings keine Auswirkungen auf das tatsächliche sportliche Resultat. Die NCAA führt Thomas nach wie vor als Siegerin.
Thomas startete bei den Männern
Thomas wurde mit männlichen Geschlechtsmerkmalen geboren, im Alter von fünf Jahren begann sie mit dem Schwimmen. Sie sprang für die Westlake Highschool ins Becken und wechselte 2018 auf die University of Pennsylvania. „Ich habe angefangen, meine Identität in Frage zu stellen. Ich fühlte mich unwohl, hatte keine Verbindung zu meinem Körper“, sagte Thomas zu „Sports Illustrated“. In dieser Zeit begann sie mit einer Hormontherapie.
Trotz dieser musste sie in der Saison 2019/20 noch bei den Männern antreten. Sie blieb chancenlos und schwamm hinterher. Seitdem die 22-Jährige bei den Frauen startet, zeichnet sich ein ganz anderes Bild, Thomas dominiert im Wasser. Dies sorgt nicht bei allen Beteiligten für Jubel. Thomas‘ Auftritt bei den College-Meisterschaften wurde von Protesten begleitet. Es waren Plakate mit der Aufschrift „Rettet den Frauensport“ zu sehen. Nach dem Rennen erhielt Thomas nur verhaltenen Applaus.
Vergangenen Monat hat USA Swimming, der nationale Schwimmverband der USA, neue Richtlinien vorgestellt, die unter anderem einen strengeren Testosteron-Grenzwert vorsehen. Die neuen Regularien kamen bisher aber noch nicht zur Anwendung.





