Nach Rassismus-Eklat bei Olympia

DOSB schickt Radsport-Funktionär Moster heim

29.07.2021
Lesedauer: 3 Minuten
Patrick Moster, Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) Foto: Frank May / picture alliance

Radsport-Funktionär Patrick Moster muss nach seiner rassistischen Entgleisung Tokio vorzeitig verlassen. Für die Entscheidung ließ sich der Deutsche Olympische Sportbund einen Tag Zeit.

Radsport-Funktionär Patrick Moster wird nach seiner rassistischen Entgleisung während des Zeitfahrens nun doch vorzeitig nach Hause geschickt. Das gab der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) einen Tag nach den Vorfällen bekannt.

»Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass seine öffentliche Entschuldigung für die gestern von ihm getätigte rassistische Äußerung aufrichtig ist. Mit dieser Entgleisung hat Herr Moster jedoch gegen die olympischen Werte verstoßen. Fairplay, Respekt und Toleranz sind für das Team D nicht verhandelbar«, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Vorausgegangen ist eine »eingehende Beratung der Delegationsleitung sowie eine erneute Anhörung des Betroffenen«, wie der DOSB mitteilte.

Der 54-Jährige hatte während des Zeitfahrens der Männer am Mittwoch den deutschen Fahrer Nikias Arndt mit den Worten »Hol die Kameltreiber, hol die Kameltreiber, komm« angefeuert. Vor Arndt waren der Eritreer Amanuel Ghebreigzabhier und der Algerier Azzedine Lagab im Kampf gegen die Uhr auf die Strecke gegangen. Die Rufe waren in der TV-Übertragung deutlich zu hören.

Kritik von allen Seiten

Moster hatte zwischenzeitlich um Entschuldigung für sein Verhalten gebeten. »Im Eifer des Gefechts und mit der Gesamtbelastung, die wir momentan hier haben, habe ich mich in der Wortwahl vergriffen. Es tut mir unendlich leid, ich kann nur aufrichtig um Entschuldigung bitten. Ich wollte niemanden diskreditieren«, sagte der Radsportfunktionär. Persönliche Konsequenzen wollte er allerdings nicht ziehen und stattdessen seine Aufgabe bei den am Montag beginnenden Bahnrad-Wettkämpfen wahrnehmen.

Lagab, den Moster mit seinen Rufen beleidigt hatte, äußerte sich enttäuscht von der Entschuldigung des deutschen Funktionärs. »Nun, es gibt kein Kamelrennen bei Olympia, deshalb betreibe ich Radsport. Wenigstens war ich in Tokio dabei«, schrieb Lagab auf Twitter.

Arndt hatte sich »entsetzt« gezeigt und sich von den Aussagen des Sportdirektors öffentlich distanziert. Auch der Radprofi Maximilian Schachmann, der neben Arndt im Zeitfahren im Einsatz war, kritisierte die Äußerungen scharf.

Späte Reaktion des DOSB

Der Radsport-Weltverband UCI verurteilte Mosters Verhalten, auch BDR-Präsident Rudolf Scharping kündigte an, die »nicht akzeptable« Aussage nach den Spielen aufarbeiten zu wollen.

Auch deutsche Radprofis, die nicht bei Olympia am Start sind, meldeten sich zu Wort. »Auf der einen Seite verstehe ich alle SportlerInnen, die nichts dazu sagen, weil man Angst davor hat, selbst in die Schusslinie zu geraten, wenn man seine Meinung äußert oder einfach nicht mehr für eine EM, WM oder Olympia nominiert wird«, schrieb etwa Rick Zabel bei Instagram. »Ich persönlich kann nicht verstehen, dass nach diesem Verhalten nicht sofortige Konsequenzen vom BDR oder DOSB getroffen worden sind.«

Angesichts der Vorfälle und der Reaktionen hatten sich die deutschen Sportfunktionäre für die Entscheidung viel Zeit gelassen und erst nach 24 Stunden reagiert. 

tip/sid/dpa

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