„Alter weißer Knacker“

Dieter Hallervorden provoziert in Sachen Gendersprache

03.11.2021
Lesedauer: 3 Minuten
Das Cover des Albums «80 plus» von Dieter Hallervorden. Foto: dpa/Telamo

Berlin Kabarettist Dieter Hallervorden ist seit Jahrzehnten mit zum Teil deftigen und provozierenden Stücken im Geschäft. das klappt offensichtlich auch noch im Alter von 86 Jahren. Sein Album „80 plus“ erscheint am Freitag und könnte für Gesprächsstoff sorgen. Denn es handelt unter anderem von geschlechtergerechter Sprache.

Aber auch, und das ist ein besonders schöner Teil, um die Wertschätzung des Lebens. Wenn man Hallervorden in den vergangenen Jahren getroffen hat, wirkte er oft voller Energie. Turnschuhe an den Füße, die Haare etwas zerzaust. Gerade erst stand er bei Florian Silbereisens Show „Schlagerboom“ auf der Bühne. Da trat er mit seinem neuen Lied „Mein Leben“ auf, das erinnert ein wenig an Frank Sinatras „My Way“.

„Mein Leben, du warst kein Ponyhof“, singt Hallervorden darin zur Klavierbegleitung. „Ich provozierte als Clown und als Philosoph. Ich kreiste um Gott. Um den uralten Turm. Und ich weiß nicht, ob als Falke oder als Sturm. Du weißt, ich lebe stürmisch und schnell. Als Träumer, als Macher, Fantast und Rebell.“

Hallervorden – der Macher, Fantast und Rebell. In den 1970ern wurde er mit Fernsehsketchen bekannt, später drehte er Filme wie „Sein letztes Rennen“ und „Honig im Kopf“. Während der Pandemie setzt sich Hallervorden für die Kultur und sein Berliner Schlosspark Theater ein, das er seit einigen Jahren leitet.

Das Album klingt nach einer Mischung aus Lebensrückschau und Après-Ski. Im Lied „80plus“ singt er übers Älterwerden („Du warst Womanizer, doch da ist nicht mehr viel. Die Jahre verspielten deinen Sexappeal“). Er kritisiert in einem Lied die Bemühungen, Frauen in der Sprache mehr vorkommen zu lassen. „Für mich ist Gendern ein Martyrium“, heißt es da zum Beispiel. Oder: „Muss ich den Zapfhahn jetzt Zapfhuhn nennen?“

„Ich bin ein Freund der Gerechtigkeit. Beim Gendern tut mir Mutter- und Vatersprache leid. Ihr Klang so schön, es ist verzwickt, wird von Sternchen, von Punkten und Strichen gef… (Piepton)“, singt Hallervorden. Seine Prognose: Es werde niemals klappen mit dem Gendern. Später singt er dann: „Ich weiß, ich bin ein alter weißer Knacker, doch auch in der Birne noch ein sexy Motherfucker.“

Ein Lied widmet sich dem Heiraten. Die Ehe erinnere ihn manchmal an Nudelsalat, heißt es darin, „erst schmeckt er lecker, dann wird er fad“. Die Ehe erzwinge „eine zölibatäre Schwachsinnstreue“. Gegen Ende relativiert Hallervorden einige der Sätze wieder. Die Ehe klappe, wo Freundschaft siege. Im Lied „Stuntfrau“ besingt er dann die Liebe. Seine Partnerin Christiane Zander ist auch zu hören – und klar, die war mal Stuntfrau.

Über manche der Lieder könnte man streiten, vermutlich soll das ja auch so sein. Was die Musik schließlich doch recht tröstlich macht, sind die ernsten Töne. Wenn Hallervorden vom Tod singt beispielsweise. Oder eben von seinem Leben. „Du lehrtest mich, über allem zu schweben“, heißt es oder auch: „Mein Leben, ich schulde dir ein Dankeschön. Geht es nach mir, kann’s ewig so weitergehen.“

(felt/dpa)

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