Bei dem Amoklauf an der Heidelberger Universität starb eine junge Frau, drei Personen wurden verletzt

24.01.2022
Lesedauer: 4 Minuten
Ein Grossaufgebot aus Polizei und SEK ist in Heidelberg im Einsatz. Ein Student hatte auf dem Uni-Campus in einem Hörsaal offenbar das Feuer eröffnet und mehrere Personen verletzt. Foto: R. Priebe / AP

Am Montagnachmittag hat ein Student in einem Hörsaal der medizinischen Fakultät vier Personen angeschossen. Eines der Opfer ist seinen Verletzungen erlegen. Das Tatmotiv ist noch unklar. Die Waffen soll der Täter im Ausland gekauft haben.

jum./(dpa) Bei einem Amoklauf in einem Hörsaal der Universität Heidelberg hat ein 18-jähriger Deutscher am Montag eine junge Frau erschossen und drei Menschen teilweise schwer verletzt.

Um 12 Uhr 24 gingen bei der Polizei Mannheim sieben Notrufe mit der Meldung ein, dass ein Amokläufer mit einem Gewehr in einem Hörsaal um sich schiesst. Davon berichtete der Mannheimer Polizeipräsident Siegfried Kollmar bei einer Pressekonferenz am Mittwochabend. In dem Hörsaal befanden sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft Heidelberg «viele Studenten». Dabei hat der Mann, der selbst Student gewesen ist, vier Personen verletzt. Eine 23-jährige Frau erlag wenige Stunden nach der Tat ihren schweren Verletzungen. Drei weitere Personen zwischen 20 und 23 Jahren wurden leicht verletzt.

Um zirka 12 Uhr 30 trafen die ersten Polizisten am Tatort an der Uni Heidelberg ein

Kartengrundlage: © Openstreetmap, © Maptiler NZZ / jum.

Als der Täter in den Hörsaal kam, habe er einen hellen Rucksack mit sich getragen, in dem sich weitere Waffen und Munition befunden hätten. Nach der Tat sei der Mann aus dem Uni-Gebäude nach draussen geflohen und habe sich selbst getötet, bestätigte die Polizei. Nach ersten Erkenntnissen soll er keine politischen oder religiösen Motive gehabt haben. Noch am Mittwochabend durchsuchte die Polizei die Mannheimer Wohnung des 18-jährigen Täters und stellte Beweise sicher. Dazu gehört laut Polizeipräsident Kollmar auch eine Whatsapp-Nachricht, die der Täter vor der Tat einer Person geschickt hatte und in der er schrieb, dass Leute nun bestraft werden müssten. In der Nachricht wünschte er sich laut Kollmar zudem eine Seebestattung.

Dass es sich bei dem Studenten um einen Einzeltäter handle, hatte die Polizei bereits kurz nach den Schüssen am Mittag erklärt: «Wir gehen nicht von weiteren Tätern aus.» Zur Sicherheit suchte ein Spezialeinsatzkommando nach Angaben der Polizei auf dem labyrinthartigen Gelände aber dennoch nach einem möglichen zweiten Täter. Kurz nach 15 Uhr kam dann aber die Entwarnung: «Derzeit ist keine Gefahrenlage mehr gegeben», teilte die Polizei via Twitter mit.

Gleichwohl blieb das Neuenheimer Feld vor den Toren der Heidelberger Altstadt am Nachmittag weiträumig abgesperrt. Die Polizei forderte Autofahrer auf, das Gelände zu umfahren, damit Rettungskräfte freie Fahrt hätten. Am Gelände der Universität standen Dutzende Polizei- und Krankenwagen. Experten untersuchten den Rucksack des Täters, wobei auf Bildern ein weiteres Gewehr erkennbar wurde. Die Polizei geht zurzeit davon aus, dass der Amokläufer die Waffen im Ausland erworben hat. Ob diese Annahme zutreffe, sei allerdings zurzeit Gegenstand der Ermittlungen. Diese laufen nun auf Hochtouren.

Politik, Universität und Studierende sind geschockt

Laut einem Bericht des Südwestrundfunks (SWR) bat die Universität ihre Studierenden trotz der Entwarnung durch die Polizei per Mail, nicht zum Campus zu kommen. Vertreter der Studentenschaft zeigten sich angesichts der Tat fassungslos. «Wir sind unendlich schockiert. Das ist eine Katastrophe, die sich allem Denkbaren zwischen Vorlesungen, Klausuren und Uni-Leben entzieht», sagte Peter Abelmann, Vorsitzender der Verfassten Studierendenschaft, der DPA.

Die Nachricht über Schüsse auf dem Campus habe sich unter den Studierenden wie ein Lauffeuer verbreitet, sagte Abelmann. Einige hätten über Messenger-Dienste direkt über die Tat berichtet. Die Studierendenschaft sei in Gedanken bei den Betroffenen.

Die Universität Heidelberg teilte per Twitter mit, dass man «alle Vorbereitungen für eine zeitnahe psychologische Unterstützung der Betroffenen» treffe. Auf der Homepage der Universität heisst es ausserdem: «Nach dem aktuellen Stand der Dinge sind keine ausländischen Studierenden von den Geschehnissen betroffen.» Die Uni-Leitung setze derzeit alles daran, die Polizeibehörden bei der Aufklärung zu unterstützen.

Auch Politiker zeigten sich bestürzt über die Tat. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann versprach eine schnelle Aufklärung. «Meine Gedanken sind bei den Familien und ihren Angehörigen. Wir sind an Ihrer Seite.» Innenminister Thomas Strobl ergänzte: «Für die Verletzten und die Beteiligten, auch die, die im Tutorium dabei waren, hoffe ich auf baldige Genesung an Leib und Seele.» Es sei eine «entsetzlich belastende Situation».

Kanzler Scholz sagte: «Es zerreisst mir das Herz, solch eine Nachricht zu erfahren.» Der SPD-Politiker sprach den Angehörigen, den Opfern und den Studentinnen und Studenten der Universität Heidelberg sein Beileid aus.

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer besuchte noch am Nachmittag den Tatort und zeigte sich erschüttert: «Ich bin entsetzt. Es lässt einen sprachlos zurück, wenn unschuldige junge Menschen im Hochschulbetrieb so etwas erleben müssen.»

Hier bekommen Sie Hilfe:

Wenn Sie selbst Suizidgedanken haben oder jemanden kennen, der Unterstützung benötigt, wenden Sie sich bitte an die Berater der Dargebotenen Hand. Sie können diese vertraulich und rund um die Uhr telefonisch unter der Nummer 143 erreichen. Spezielle Hilfe für Kinder und Jugendliche gibt es unter der Nummer 147.

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