Zwölf geheime Stützpunkte: So unterstützt die CIA die Ukraine im Krieg gegen Russland

27.02.2024
Lesedauer: 5 Minuten
Ein ukrainischer Soldat in einem Schützengraben nahe Saporischschja im Südosten der Ukraine. Fotoquelle: Ukrinform/dpa

Die Vereinigten Staaten sind der mit Abstand größte und wichtigste Alliierte der Ukraine. In dem Krieg haben auch amerikanische Geheimdienste ihre Aktien.

Dass Washington die Ukraine in ihrem schon zwei Jahre andauernden Verteidigungskrieg gegen Russland unterstützt, ist nichts Neues. Die Existenz von mehr als einem Dutzend bisher geheimer Stützpunkte, die von der Central Intelligence Agency, kurz CIA, finanziert und ausgestattet wurden, allerdings schon. Das berichtet jedenfalls die New York Times, die einen aufwendig recherchierten Einblick in die ukrainisch-amerikanischen Geheimdienstbeziehungen gewährt.

Es sind mehrere unterirdische Bunker ganz in der Nähe der russischen Grenze, die die ukrainischen Streitkräfte und Geheimdienste für ihre militärischen Operationen gegen Russland nutzen: Ausspähen feindlicher Truppenbewegungen, Aufklärung und Durchführung von Drohnen-Einsätzen, Informationsgewinnung in unmittelbarer Nähe zum russischen Gegner, Hacken russischer Kommunikation.

„Die CIA und andere amerikanische Geheimdienste liefern Informationen für gezielte Raketenangriffe, verfolgen russische Truppenbewegungen und helfen bei der Aufrechterhaltung von Spionagenetzwerken“, heißt es in dem Artikel. Seit den Maidan-Protesten vor zehn Jahren sei die Ukraine zum wichtigsten Geheimdienstpartner der USA im Kampf gegen Moskau geworden. Auch der Bau der unterirdischen Bunker habe nicht erst mit dem russischen Angriff im Februar 2022 begonnen, sondern schon vor acht Jahren, schreibt die New Yorker Tageszeitung.

Die CIA half bei der Ausbildung einer neuen Generation ukrainischer Spione

Schon 2016 etablierte die CIA die ukrainische Einheit 2245, die russische Drohnen und Kommunikationstechnologie in den separatistischen Gebieten Donezk und Luhansk zerstören sollte. Einer der damaligen Offiziere war ein gewisser Kyrylo Budanow, heute Chef des ukrainischen Militärgeheimdiensts HUR.

In der Folge habe sich besonders auf Geheimdienstebene eine enge Kooperation zwischen Amerikanern und Ukrainern entwickelt. „Die CIA half bei der Ausbildung einer neuen Generation ukrainischer Spione, die in Russland, in ganz Europa sowie in Kuba und an anderen Orten operieren, dort, wo die Russen stark präsent sind“, schreibt die New York Times.

Auf diese Weise wurde die Ukraine im vergangenen Jahrzehnt zu einem westlichen Geheimdienstzentrum. Mehr noch: Ukrainische Dienste übernehmen immer häufiger die Aufgaben der in Russland agierenden CIA-Zellen. So sollen die Ukrainer mehr russische Kommunikationssignale abgefangen haben als die russischen CIA-Netzwerke.

Laut der New York Times soll das Engagement der amerikanischen Geheimdienste auch eine Schlüsselrolle bei der Entscheidung des russischen Präsidenten Wladimir Putin gespielt haben, im Februar 2022 in die Ukraine einzumarschieren. Moskau habe befürchtet, dass sich die Ukraine – mithilfe des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, der CIA und weiterer westlicher Dienste – in ein Sprungbrett für Operationen gegen Russland verwandelt, so die Zeitung.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei seinem bisher letzten Besuch in Washington im Dezember vergangenen Jahres; J. Scott Applewhite/AP

Mehrere Ereignisse prägen die Geheimdienstpartnerschaft zwischen Washington und Kiew: zunächst der anfängliche Austausch weniger Informationen kurz nach der Maidan-Revolution 2014, dann ein von den USA forcierter umfänglicher Austausch des ukrainischen Geheimdienstpersonals, das als durch Russland kompromittiert galt. Später übernahm die ukrainische Aufklärung sogar die Rekrutierung von Russen für die CIA – durchaus überraschend, denn die USA sind bekannt dafür, ihre geheimdienstlichen Partner sehr penibel auszuwählen. „Es kann oft Jahre dauern, bis die CIA genug Vertrauen in eine ausländische Behörde aufgebaut hat, um mit der Durchführung gemeinsamer Operationen zu beginnen. Bei den Ukrainern hat es hingegen weniger als sechs Monate gedauert“, heißt es in dem Artikel.

In den Folgejahren investierten die USA in die Ausbildung künftiger ukrainischer Geheimdienstoffiziere – Kyrylo Budanows Werdegang wird in dem Bericht mehrfach als erfolgreiches Beispiel erwähnt –, übergaben einen Teil der eigenen Russlandaufklärung an die Ukrainer und errichteten mehrere Stützpunkte in der Ostukraine. Die Ukrainer sollten so in der Lage sein, auch „hinter feindlichen Linien“ Sabotageakte durchzuführen.

Übrigens: Auch unter Donald Trump, der von 2017 bis 2021 im Weißen Haus residierte, blühte die Geheimdienstzusammenarbeit zwischen Washington und Kiew. Trump hatte vehemente Ukraine-Unterstützer in wichtigen Positionen platziert, etwa den ehemaligen CIA-Chef Mike Pompeo als Außenminister oder John Bolton als Nationalen Sicherheitsberater. Während ihrer Amtszeit wurden weitere Ausbildungsprogramme und Geheimdienststützpunkte ins Leben gerufen.

Droht das Ende der amerikanisch-ukrainischen Zusammenarbeit?

Allerdings könnte die amerikanisch-ukrainische Zusammenarbeit ein jähes Ende finden. Das befürchten jedenfalls ukrainische Entscheidungsträger mit Blick auf die stockenden Finanzhilfen seitens der USA. Derzeit blockieren die Republikaner im Repräsentantenhaus weitere Unterstützungspakete, da sich Demokraten und Republikaner in Fragen zum Grenzzaun an der amerikanisch-mexikanischen Grenze nicht einigen können.

Sollten die Parteien sich nicht einigen können, droht auch eine Budgetreduzierung für die CIA und ihre ukrainischen Aktivitäten. „Das ist schon einmal in Afghanistan passiert, und jetzt wird es in der Ukraine passieren“, sagte ein namentlich nicht genannter, hochrangiger ukrainischer Offizier der New York Times.

Zwar besuchte CIA-Direktor William J. Burns erst kürzlich Kiew – der zehnte Besuch des amerikanischen Geheimdienstchefs seit Kriegsbeginn – und versuchte die Gemüter zu beruhigen, doch eine gewisse Anspannung bleibt. Die CIA wiegelt allerdings ab; Informationen wie derzeit bekomme man nur im „Hier und Jetzt“. Deshalb werde „das amerikanische Engagement“ in der Ukraine fortgesetzt, zitiert die New York Times ihre Geheimdienstquellen.

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