Die Ergebnisse einer internen Untersuchung ziehen die Schilderungen des Musikers Gil Ofarim (39) über eine mutmaßliche antisemitische Diskriminierung im Leipziger Westin-Hotel in Zweifel. Drohte er etwa dem Mitarbeiter mit seinem Instagram-Video?
Nach Informationen der Wochenzeitung „Die Zeit“ hat keiner der von einer Rechtsanwaltskanzlei befragten Zeugen des Abends eine antisemitische Beleidigung vernommen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Leipzig gab gegenüber FOCUS Online an, dass die Ermittlungen in dem Fall noch andauern und aus diesem Grund keine Einzelheiten mitgeteilt werden. Es sei schwer abzuschätzen, ob die Ermittlungen noch ein, zwei oder drei Wochen andauern werden.
Die „Zeit“ bezieht sich in ihrer aktuellen Ausgabe auf den 118 Seiten langen Abschlussbericht der von den Hotelbetreibern beauftragten Rechtsanwaltskanzlei Pauka & Link. Die Anwälte der Kanzlei ermittelten parallel zur Leipziger Staatsanwaltschaft. Sie konnten mit Mitarbeitern und Gästen sprechen sowie Videomaterial der Überwachungskameras auswerten. Auch die Staatsanwaltschaft habe laut dem Sprecher ein Gutachten zu den Ereignissen in dem Leipziger Hotel in Auftrag gegeben. Dieses liege demnach allerdings noch nicht vor.
Ofarim soll mit Instagram-Video gedroht haben, das „viral geht“
Nach Aussage von Zeugen im Bericht der Kanzlei sei von Ofarims Kette mit einem Davidstern in der Hotellobby keine Rede gewesen. Vielmehr sei der Musiker in Konflikt mit einem Mitarbeiter des Hotels geraten, weil dieser andere Kunden Ofarims Auffassung nach bevorzugt behandelt habe. Ofarim selbst soll daher gedroht haben, ein Video bei Instagram hochzuladen, das „viral gehen“ werde. So schildern die Szene zwei Mitarbeiterinnen und drei Gäste. Ofarim äußerte sich auf Nachfrage der „Zeit“ nicht zu den Erkenntnissen.
Darüber hinaus hat der Sachverständige George A. Rauscher im Auftrag der Kanzlei Pauka & Link ein Gutachten erstellt, über dessen Inhalte die „Zeit“ berichtet. Es kommt zu dem Schluss, dass die vom Hotel vorgelegten Aufnahmen der Überwachungskameras mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht manipuliert worden seien. Mit ebenfalls an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit habe der Musiker seine Kette auf den vorgelegten Videosequenzen nicht sichtbar getragen – weder bei Ankunft vor dem Haus, noch beim Betreten der Lobby, noch an der Rezeption, noch beim Verlassen der Lobby.
Gil Ofarim: Musiker erhob schwere Vorwürfe – weltweite Empörung
Der Musiker Gil Ofarim hatte in einem Video auf Instagram am 5. Oktober dem Leipziger Westin-Hotel schwere Vorwürfe gemacht. Ein Mitarbeiter des Hauses, so schilderte es Ofarim, habe ihn aufgefordert, eine Kette mit Davidstern abzunehmen – erst dann dürfe er einchecken. Der Vorwurf löste weltweit Empörung aus.



