Ärzte und Apotheker

Wut-Brief gegen Lauterbach!

02.11.2023
Lesedauer: 3 Minuten
Gesundheitsminister Karl Lauterbach (60, SPD) Foto: Britta Pedersen/dpa

Die großen Gesundheits- und Medizinverbände in Deutschland haben sich zusammengetan und laufen gemeinsam Sturm gegen die Politik von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (60, SPD)!

In einem Brandbrief an Lauterbachs Chef – Bundeskanzler Olaf Scholz (65, SPD) – beschweren sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung, der Apothekerverband UND die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung über den aktuellen Kurs.

In dem brisanten Brief (liegt BILD vor) werden zu viele Vorgaben, eine zu geringe Vergütung und zu komplizierte Digitalisierungspflichten für Deutschlands Arztpraxen beklagt.

+++ BILD ist jetzt auch auf WhatsApp – hier können Sie den neuen Kanal ausprobieren +++

Tenor: „Die aktuelle Gesundheitspolitik führt dazu, dass diese für die Menschen so wichtigen Anlaufstellen ihres Vertrauens infrage gestellt werden.“ Die Praxen seien „finanziell unzureichend ausgestattet“ und würden mit „nicht ausgereiften Digitalisierungspflichten“ gelähmt.

Die Ärzteverbände wollen deshalb, dass Scholz die Gesundheitspolitik jetzt zur Chefsache macht.

Damit nicht genug: Die Apotheken kämpften „mit ständig zunehmenden Arzneimittel-Lieferengpässen“. Der Schuldige aus Sicht der Brief-Absender: Karl Lauterbach!

Ihre Knallhart-Conclusio: „Mit dieser Gesundheitspolitik wird nicht nur ein bewährtes und über Jahrzehnte stabiles Gesundheitssystem gefährdet.“ Es entstünden auch „zunehmend Leistungskürzungen“. Und: Die vertraute ambulante Versorgung, die die Praxen und Apotheken derzeit noch stemmen, werde zunehmend zerstört.

Das sagt Karl Lauterbach zu den Vorwürfen

Bundesgesundheitsminister Lauterbach hält in BILD dagegen: „Es ist das gute Recht von Lobbygruppen, sich mit ihren Forderungen direkt an den Bundeskanzler zu wenden. In den vergangenen Legislaturperioden wurde das Fehlen von Reformen mit Geld zugekleistert. Unser Gesundheitssystem ist sehr teuer. Trotzdem ist die Lebenserwartung eher gering.“ Lauterbach bemängelt ein 17-Milliarden-Euro-Defizit im Gesundheitssystem, das ausgeglichen werden muss. Jetzt stünden die notwendigen Strukturreformen an.

In Richtung der klagenden Ärzteschaft entgegnet Lauterbach: „Ein Gesetz zur Entbürokratisierung für die Praxen kommt noch vor Weihnachten. Dazu kommt: Wir befreien die Hausärzte von den Budgets.“

„Gesundheitspolitik lässt das System vor die Wand fahren“

Apotheker-Präsidentin Gabriele Overwiening sagt BILD hingegen: „Karl Lauterbachs Pläne sehen auch mehr Apotheken ohne eigene Labore vor. In diesen Apotheken können dann keine Medikamente mehr hergestellt werden. Insbesondere jetzt, wo so viele Kinderarzneimittel fehlen, werden Eltern immer häufiger enttäuscht und unversorgt bleiben.“

Gabriele Overwiening, Präsidentin des Apothekerverbandes
Schickten den Brandbrief an den Kanzler (v.l.): Zahnärzte-Chef Martin Hendges, die Präsidentin des Apothekerverbandes, Gabriele Overwiening, und Kassenärzte-Vorsitzender Andreas Gassen
Foto: Soeren Stache/dpa

Andreas Gassen, Chef der Kassenärzte, macht klar: „Wenn Ärzte, Zahnärzte und Apotheker sich gemeinsam an den Bundeskanzler wenden, dann ist die Lage ernst.“

Sein Appell an den Kanzler: „Helfen Sie uns, die von den Bürgerinnen und Bürgern hochgeschätzte ambulante Versorgung zu retten. Der derzeitige Kurs der Gesundheitspolitik lässt das System vor die Wand fahren. Die Folgen wären katastrophal nicht nur für die Gesundheitsversorgung der Menschen, sondern auch für den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.“

Die Mediziner bitten den Kanzler nun um ein Gespräch.

Eine Kopie des Protestbriefes schickten sie an Gesundheitsminister Lauterbach – zur Kenntnisnahme.

Das könnte Sie auch interessieren

Für Energiekonzern
01.12.2024
EU-Plan gescheitert
29.11.2024
ARD-Show "Die 100"
26.11.2024
Abstimmung über neue EU-Kommission
27.11.2024

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

vier + eins =

Weitere Artikel aus der gleichen Rubrik

Für Energiekonzern
01.12.2024
EU-Plan gescheitert
29.11.2024

Neueste Kommentare

Trends

Alle Kategorien

Kategorien