Mitglieder von AfD und CDU haben sich an einem geheimen Ort getroffen, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Presse war nicht zugelassen. Unsere Autorin hat sich reingeschlichen und zugehört.
Alles beginnt mit einer Ausgabe der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“, die mir jemand zeigt. Der frühere „Bild“-Journalist Klaus Kelle, heute ein selbst ernannter Rechtspopulist, sagt darin, dass die Brandmauer zwischen Union und AfD eine „Illusion“ sei. Er kündigt eine Veranstaltung ganz ohne Mauern an, auf der sich alle frei über Politik austauschen können, und nennt sie die „Volksversammlung der wahren Schwarmintelligenz“. Eingeladen sind zum Beispiel die CDU-Mitglieder Hans-Georg Maaßen und Rainer Wendt. Maaßen war mal Verfassungsschutzpräsident, Wendt Polizeigewerkschafter. Außerdem frühere und noch aktive AfD-Politiker, etwa Joana Cotar aus dem Bundestag und Frank-Christian Hansel aus dem Berliner Abgeordnetenhaus. Kelles Bedingung für das brisante Treffen: Journalisten dürfen nicht teilnehmen. Kein Wunder. Schließlich drohte der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz einmal, wenn jemand aus seiner Partei mit der AfD kooperiere – „dann steht am nächsten Tag ein Parteiausschlussverfahren an“. Komme ich trotzdem hinein?
Recht schnell finde ich eine Internetseite, auf der man Tickets kaufen kann. Ich bestelle eins und bekomme es binnen weniger Minuten per E-Mail zugeschickt. Das war nicht schwer. Nur eins fehlt: der Veranstaltungsort. Darum wird ein großes Geheimnis gemacht. Ich muss mehrfach nachfragen und auf mein Ticket verweisen, bis mir jemand in einer E-Mail Ort und Programm verrät. Die „Schwarmintelligenz“ tagt demnach in Wetzlar, einer Kleinstadt unweit von Gießen. Ich soll die E-Mail nur keinesfalls weiterleiten, man wolle „nicht das übliche Theater“ mit Demonstranten haben. Das Programm soll mit einer Diskussion zwischen Maaßen, Cotar, Hansel und der früheren CDU-Abgeordneten Sylvia Pantel beginnen. Eine echte Anti-Brandmauer-Besetzung also: CDU, Ex-AfD, AfD, CDU.


