München – Hätte das Oktoberfest doch stattfinden können. Der grüne Oberbürgermeister Boris Palmer (48) sagte am Mittwoch: „Ich hätte es nicht abgesagt.“ Bis Herbst seien voraussichtlich 70 Prozent der Bevölkerung geimpft. Palmer hätte nur diese zum Oktoberfest zulassen wollen. (BILD berichtete)
Hat er Recht? Die Münchner zweifeln daran.
Wiesnwirt Michael Käfer (63) sagt zu BILD: „Der Vorstoß von Boris Palmer ist gut, weil somit hoffentlich von der Politik über das Thema Veranstaltungen neu nachgedacht wird.“
Er hält die Absage des Oktoberfestes trotzdem für richtig. „Die Angst vor Corona säße mit am Tisch.“ Außerdem widerstrebt es ihm zwischen Geimpften und nicht Geimpften zu unterscheiden. „Solange es kein Impfangebot für alle gegeben hat, käme ein Fest für Geimpfte einer Zweiklassen-Gesellschaft gleich. Das geht gar nicht. Das ist nicht das Oktoberfest.“
Palmer sprach natürlich von Geimpften in Deutschland. Den Impfstatus von Besuchern aus Europa, Australien, Japan und den USA hatte er nicht im Blick. Martin Hagen gibt deshalb zu bedenken: „Ich glaube, das größte Problem ist, dass die Wiesn ein internationales Event ist mit Millionen von Touristen.“
Der Wiesn-Chef und Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (45, CSU) lehnt Palmers Plan rundweg ab. „Diese Ansicht kann nur jemand haben, der keine Ahnung von der Organisation des Oktoberfestes hat“, sagt er zu BILD. „6,8 Millionen Besucher in Geimpfte und nicht Geimpfte zu unterscheiden ist schlicht nicht möglich.“
Selbst, wenn das gelänge, bliebe ein weiteres Problem: „Bei so vielen Impfpass-Fälschungen, wie sie jetzt schon auftauchen, wäre dieses Verfahren grob fahrlässig.“


