Räumung in Berlin

„Von der Köpi kriegt ihr nichts, höchstens Tritte ins Gesicht“

15.10.2021
Lesedauer: 3 Minuten
Kurz vor der Räumung des linksautonomen Wagencamps „Köpi“ ist es zu Ausschreitungen gekommen. Autoscheiben wurden von Unbekannten eingeschlagen und Häuser mit Farbbeuteln beworfen. Quelle: WELT

In Berlin soll am Vormittag der linksautonome Wagenplatz „Köpi“ geräumt werden. Die Bewohner hatten im Vorfeld angekündigt, sie wollen „nicht kampflos aufgeben“. Schon in der Nacht gab es Ausschreitungen. Mehrere Fahrzeuge wurden in Brand gesetzt, Gebäude beschädigt.40Anzeige

Vor der geplanten Räumung des linksautonomen Wagencamps „Köpi“ in Berlin-Mitte sind in der Nacht zum Freitag in der Umgebung Autos und Gebäude beschädigt worden. Mehrere Fahrzeuge wurden in Brand gesetzt, wie eine Polizeisprecherin am frühen Morgen sagte. Bei elf Autos wurden nach ihren Angaben Scheiben eingeworfen, auch auf Gebäude flogen Steine und Farbbeutel, Fenster gingen zu Bruch.

Ab Freitag Früh, sechs Uhr, soll in der Köpenicker Straße in Berlin-Mitte geräumt werden. Am Morgen war die Lage den Polizeiangaben zufolge ruhig. Einige wenige Unterstützer seien zu ab 05.00 Uhr angemeldeten Kundgebungen am Rande der abgesperrten Zone um das Gelände gekommen, sagte die Sprecherin der Polizei.

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In wenigen Stunden soll der „Köpi“-Wagenplatz geräumt werden. Vor Ort sind bislang nur wenige Schaulustige.Quelle: Alexander Nabert

Nach ihren Worten sind 2000 Beamte in Berlin im Einsatz, davon 700 aus anderen Bundesländern und von der Bundespolizei. Auch am Freitagabend soll es in Kreuzberg eine Großdemo gegen die Räumung geben.

Der Gerichtsvollzieher ist für Freitag, 10 Uhr, angekündigt. Er soll dann mit Polizeibegleitung das Gelände betreten.

Vermummte im Livestream

Die „Köpi“ in der Köpenicker Straße gilt als Überbleibsel der Hausbesetzerjahre und eines der letzten Symbolprojekte der linksradikalen Szene in der Hauptstadt. Im Juni hatte das Landgericht die Räumung des Grundstücks mit bewohnten Bauwagen angeordnet, die nun ansteht.

Geklagt hatte der Grundstückseigentümer N., der eine Baugenehmigung für das 2600 Quadratmeter große Grundstück hat. Mehrere Dutzend Personen sollen auf dem Wagenplatz wohnen, am letzten Abend vor der Räumung veranstalteten sie eine Party, die per Livestream im Internet übertragen wurde.Anzeige

Zu sehen war die meiste Zeit in mittelmäßiger Webcamqualität, wie vermummte Menschen Bier tranken und ausgelassen tanzten. Das ebenfalls zum Projekt gehörende Haus auf dem Gelände ist von der Räumung nicht betroffen.

„Nehmen wir uns diese Kreuzung und viele mehr“

Die Bewohner wollen den Wagenplatz „nicht kampflos aufgeben“, wie Sprecher am Freitag ankündigten. Schon in den vergangenen Tagen wurde die „Köpi“ verbarrikadiert. Meterhohe Zäune wurden hochgezogen, an einigen Stellen ist Natodraht befestigt. Spitze Metallrohre zeigen Richtung Straße.

Nun soll die „Wagenburg“ fallen. Im Vorfeld der Räumung wurden mehrere Versammlungen angekündigt, Aktivisten sprachen davon, die Räumung verhindern zu wollen. In dem Protestlied „Köpi bleibt“ heißt es: „Von der Köpi kriegt ihr nichts, höchstens Tritte ins Gesicht“. Die Szene gilt grundsätzlich als gewaltbereit, bei Twitter war die Rede davon, „die Straße zurückzuerobern“: „Nehmen wir uns diese Kreuzung und viele mehr“.

Bereits am Donnerstag fanden ersten Versammlungen im Umfeld des Wagenplatzes statt. Ein Demonstrationszug zog am Abend unter dem Motto „Party statt Kapitalismus“ zur Jannowitzbrücke, in angrenzenden Wohnvierteln waren Böller, wummernde Bässe und Polizeihubschrauber zu hören. Mehrere Teilnehmer zündeten Bengalos.

Beschädigte Autos, eingeworfene Scheiben

Auch entlang des Landwehrkanals wurden im Zuge von Spontandemos Böller gezündet. In der Ritterstraße in Kreuzberg wurden von Linksradikalen Autos beschädigt und Scheiben von Neubauten eingeschlagen.

https://twitter.com/stadtrandaktion/status/1448760788064378883?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1448760788064378883%7Ctwgr%5E%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.welt.de%2Fvermischtes%2Farticle234392664%2FRaeumung-Berlin-Von-der-Koepi-kriegt-ihr-nichts-hoechstens-Tritte-ins-Gesicht.html

Am Donnerstagmorgen waren auf der Köpenicker Straße bereits Mülltonne und Autoreifen angezündet worden. In den vergangenen Tagen kam es außerdem zu willkürlichen Sachbeschädigungen an einem Büro von Google, am Bezirksamt Mitte sowie an Geldautomaten. Bereits im Sommer hatten Linksradikale mehrere Straßen vom Wagenplatz entfernt Scheiben einer Bank und eines Bio-Supermarktes eingeschlagen und die Wände mit Graffiti beschmiert.mit dpa

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