Es ist ein Präzedenzfall: Mitarbeiter einer Klinik in Texas wollten sich nicht impfen lassen. Als ihre Klage scheiterte, begann die Entlassungs- und Kündigungswelle. Betroffen ist auch Krankenschwester Jennifer Bridges. Sie gibt sich kämpferisch.
Kann die Impfverweigerung berufliche Konsequenzen haben? In Deutschland werden diese Fälle noch eher theoretisch diskutiert, in den USA haben nun über hundert Mitarbeiter einer Krankenhausgesellschaft tatsächlich ihre Jobs verloren, weil sie sich nicht gegen Corona immunisieren lassen wollten.
Betroffen waren 153 Angestellte der Houston Methodist-Klinik in Texas. Eine Mehrheit von ihnen (117 Mitarbeiter) hatte geklagt, nachdem die Einrichtung im April eine Impfpflicht ausgesprochen hatte. Diese Klage wurde jedoch vor einigen Tagen von einem Bundesgericht abgewiesen.
Infolgedessen kündigten etliche Mitarbeiter selber, andere wurden entlassen, wie ein Sprecher der Krankenhausgesellschaft laut der Nachrichtenagentur AP sagte.
Die Klinik war der erste größere Arbeitgeber im US-Medizinsektor, der die Impfung verpflichtend für sein Personal machte, der Verlauf der Klage wurde deshalb mit Interesse beobachtet. Für Befremden sorgte die Argumentation einiger der Kläger, die ihre Situation mit denen von Opfern medizinischer Experimente in den Konzentrationslagern der Nazis während des Zweiten Weltkriegs verglichen. Bezirksrichterin Lynn Hughes nannte diesen Vergleich „verwerflich“. Zudem seien die Behauptungen in der Klage, dass die Impfstoffe experimentell und gefährlich seien, falsch.


Quelle: AP
Die Kläger legten unterdessen Berufung gegen das Urteil ein, auf die Fristsetzung der Klinik hatte dies jedoch keinen Einfluss.
„Wir alle wussten, dass wir heute gefeuert werden“
Der Krankenhausbetreiber hatte von den Mitarbeitern verlangt, ihre Impfung bis zum 7. Juni abzuschließen. Bereits am nächsten Tag wurden 178 ungeimpfte Mitarbeiter für zwei Wochen ohne Bezahlung suspendiert. Wörtlich in dem Bericht zitiert wird die Krankenschwester Jennifer Bridges, eine der Hauptklägerin in der Klage gegen Houston Methodist. Sie gab sich kämpferisch.
„Wir alle wussten, dass wir heute gefeuert werden“, sagte die 39-Jährige. „Wir wussten, dass wir heute gefeuert werden, wenn wir nicht die Impfung erlauben, um zurückzukommen. Es gab kein Wenn und Aber.“ Sie selbst hat sich mittlerweile eine neue Arbeit gesucht und arbeitet nun für eine Zeitarbeitsfirma – ungeimpft.
Ihre Hoffnung sei, dass die Klage in höheren Instanzen doch noch Erfolg habe und es dann eine entsprechende Regelung auch auf Bundesebene gibt. Sie habe kein Vertrauen in die Sicherheit der Impfstoffe, wird Bridges zitiert. Andere Kläger hatten religiöse Vorbehalte geltend gemacht oder auf Vorerkrankungen hingewiesen, die aus ihrer Sicht eine Impfung wenig empfehlenswert mache.


Quelle: AFP
Laut des Klinikbetreibers Houston Methodist sind fast 25.000 der mehr als 26.000 Mitarbeiter der Einrichtung bereits vollständig gegen Covid-19 geimpft.
Wie die „New York Times“ unter Berufung auf offizielle Quellen meldet, haben mittlerweile 66 Prozent aller erwachsenen US-Amerikaner zumindest eine Impfung erhalten. Das von Präsident Joe Biden jüngst ausgegebene Impfziel werden die USA aber wohl verpassen.
Bis zum 04. Juli würden 70 Prozent der über 27-Jährigen mindestens einmal geimpft sein, sagt Bidens Corona-Berater Jeffrey Zients. Gegenwärtig sei diese Quote bei den über 30-Jährigen erfüllt.
Biden gab allerdings vor, sie bis zum Nationalfeiertag bei allen Erwachsenen zu erzielen. Die Marke dürfte nun einige Wochen später erreicht werden, sagt Zients weiter. Zuletzt stieg die Impfquote in den USA nur noch langsam.AP/dpa/krott


