Die Taliban haben bekannt gegeben, wie sie die künftige afghanische Regierung besetzen wollen – in Washington sorgt das Personal für Unbehagen. Besonders im Fokus: der neue Innenminister. Drei Wochen nach ihrer Machtübernahme haben die Taliban in Afghanistan Teile ihrer neuen Regierung vorgestellt. International wurde die Besetzung mit Besorgnis aufgenommen. Angesichts der »Verbindungen und der Vorgeschichte« einiger der von den Taliban benannten Personen in Spitzenpositionen sei die Regierung in Washington beunruhigt, sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Dienstag.
Besonders problematisch: Der Posten des amtierenden Innenministers wurde an Sarajuddin Haqqani vergeben. Haqqani, dessen gleichnamiges Netzwerk von den USA als terroristische Gruppierung eingestuft wird, gehört zu den meistgesuchten Männern der US-Ermittlungsbehörde FBI. Das Netzwerk war von seinem Vater gegründet worden.
»Wir bekräftigen auch unsere klare Erwartung, dass die Taliban sicherstellen, dass afghanischer Boden nicht dazu benutzt wird, andere Länder zu bedrohen und dass der Zugang zur Unterstützung des afghanischen Volkes weiterhin gewährt wird«, hieß es in der Erklärung weiter.
Mullah Hassan Akhund wurde am Dienstag zum amtierenden Regierungschef bestimmt. Akhund war enger Weggefährte von Mullah Omar, einer der Gründer der Taliban und Staatsoberhaupt während der ersten Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001.
Der künftige Regierungschef war zuletzt im Führungsrat der Taliban, der Rahbari Schura. Der aus Kandahar stammende Akhund hielt bereits während der ersten Taliban-Herrschaft wichtige Posten und gilt als gemäßigt
Wiedererstarken von Al-Qaida befürchtet
Bei dem Kabinett handelt es sich laut einem Sprecher um eine Übergangsregierung, sämtliche Regierungsämter werden demnach auf geschäftsführender Basis ausgeübt. Der Taliban-Sprecher machte keine Angaben dazu, wie lange diese Übergangszeit dauern würde. Insgesamt besetzten die Taliban 33 Posten. Die Ernennung der verbleibenden Führungspositionen von Ministerien und Institutionen werde man nach »langer Überlegung« sukzessive bekannt geben, sagte der Sprecher.
Neben der Besetzung der Regierung gibt es noch einen weiteren Aspekt, der Sicherheitskreise in Washington beschäftigt: das mögliche Wiedererstarken der Terrorgruppe Al-Qaida. Bei einer Online-Diskussion erklärte Michael Morell, der zweimal die kommissarische Leitung des Auslandsgeheimdienstes CIA innehatte: »Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass die Taliban einen Unterschlupf für Al-Qaida bieten werden. Und ich glaube, dass Al-Qaida versuchen wird, uns wieder hier in unserem eigenen Land anzugreifen.«
jok/Reuters



