Neue alarmierende Studie

Unterirdische Kompetenz-Note für die Ampel: Diese Zahlen sind ein Alarmsignal

19.06.2024
Lesedauer: 4 Minuten
Unterirdische Kompetenz-Note für die Ampel: Diese Zahlen sind ein Alarmsignal FOCUS online/Wochit

Eine Studie stellt dem Wirtschaftsstandort ein vernichtendes Zeugnis aus, denn kaum ein Manager hält die Ampelregierung für kompetent. Aber auch die Unternehmen sind gefordert, etwas zu ändern.

Was hat der Wirtschaftsstandort Deutschlands mit Venezuela gemeinsam? Auf den ersten Blick gibt es zwischen einer der größten Volkswirtschaften der Welt und dem sozialistisch geprägten Staat wenig Gemeinsamkeiten. Doch wenn es etwa darum geht, wie flexibel die Wirtschaft auf Veränderungen reagiert, liegen Deutschland und Venezuela gleichauf. Das ergibt eine Studie des IMD World Competitiveness Center (WCC).

Die Untersuchung der Schweizer Wirtschaftshochschule zur Wettbewerbsfähigkeit internationaler Standorte ist eine Klatsche für die Ampelregierung. Zwar führt Arturo Bris, Leiter des WCC, die Schwäche des Wirtschaftsstandorts auch auf die Folgen des Kriegs in der Ukraine zurück. Doch die Probleme seien auch hausgemacht, schilderte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ).

Die Studie belegt das mit einer Umfrage unter Führungskräften in Unternehmen. „Der typische deutsche Geschäftsführer ist heute viel pessimistischer als noch vor drei Jahren“, sagte Bris der FAZ. Als besonders gravierenden Wettbewerbsnachteil sehen die Manager laut Studie die hohen Steuern. In diesem Bereich landet Deutschland nur auf Platz 62 von insgesamt 67 untersuchten Staaten. Ebenfalls abgeschlagen ist Deutschland bei den politischen Rahmenbedingungen für Start-ups und der Bürokratie.

Kaum ein Unternehmer hält die Ampel für kompetent

Das wirkt sich auch auf die direkte Bewertung der Ampel aus: Nur rund fünf Prozent der Führungskräfte glauben, dass die Bundesregierung kompetent arbeitet. Ein geschäftsfreundliches Umfeld erkennen hierzulande nur zwölf Prozent der Befragten. Bei der „Regierungseffizienz“ insgesamt liegt Deutschland auf Platz 32 von 67. Das bedeutet einen deutlichen Absturz – zu Beginn der 2020er-Jahre bewegte man sich noch zwischen den Plätzen 21 und 24.

Gleichermaßen nimmt Studienautor Bris aber die Unternehmen in die Pflicht: „Die Firmen müssen viel schneller werden“, mahnt er in der FAZ. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen seien noch nicht gut darin, neue produktivitätsfördernde digitale Technologien in ihre Geschäfte zu integrieren.

Die IMD-Untersuchung zeigt auch auf, dass die Einstellungen zu wichtigen Fragen nicht besonders wirtschaftsfreundlich ausfallen. Der Studie zufolge wird die Globalisierung in Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten eher kritisch gesehen. Auch die Offenheit für fremde Ideen ist in der deutschen Kultur wenig verankert. Und Wettbewerbsfähigkeit ist laut Auswertung im hiesigen Wertesystem nicht besonders wichtig.

Schlechte Infrastruktur belastet deutsche Wirtschaft

Den größten Absturz erlebt Deutschland bei der Infrastruktur: in zwei Jahren von Platz 9 auf 20. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) wird vor allem aufhorchen müssen, weil die Energieinfrastruktur und die Stromkosten für Unternehmen schlecht abschneiden.

IMD-Direktor Bris zieht ein bitteres Fazit: „Die deutsche Wirtschaft war in der Vergangenheit extrem produktiv und innovativ. Inzwischen können Unternehmen und die Regierung aber international nicht mehr mithalten, wenn es darum geht, mit den Veränderungen in der Welt umzugehen“, sagte er der „Welt“. Im Gesamtergebnis der Untersuchung lag Deutschland vor zehn Jahren noch auf dem sechsten Platz, vor zwei Jahren noch auf Rang 15. In der aktuellen Studie reicht es nur noch für einen 24. Platz.

Hohes Bildungsniveau macht Hoffnung

An der Spitze des Rankings stehen neben Singapur zwei deutsche Nachbarstaaten: Dänemark und die Schweiz. Ebenfalls vor Deutschland liegen zum Beispiel China auf Platz 14 und Saudi-Arabien auf dem 16. Rang. Hinter Deutschland folgen unter Großbritannien auf Platz 28 und Frankreich auf Platz 31.

Das IMD identifiziert aber auch Punkte, die Hoffnung machen, dass sich Deutschland aus dem Mittelfeld wieder nach vorne arbeiten kann. Die Führungskräfte schätzen hierzulande zum Beispiel das hohe Bildungsniveau und die qualifizierten Arbeitskräfte. Bei der Forschungsinfrastruktur belegt Deutschland den fünften Platz, die beste Teilnote in der Untersuchung. Doch auch hier offenbart sich ein Problem: Im vergangenen Jahr schnitt man noch zwei Plätze besser ab.   

Die Studienautoren des IMD haben für ihre Auswertung 164 statistische Indikatoren zusammengetragen, sie greifen unter anderem auf Daten der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds zurück. Außerdem haben die Forscher mehr als 6600 Führungskräfte befragt.

sebs/

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