Im Ukraine-Krieg haben die EU und die USA überraschend harte Sanktionen gegen Russland verhängt – mit weitreichenden Folgen auch für die deutsche Wirtschaft. Der News-Ticker.
- Im Ukraine-Krieg* haben nach der EU auch die USA angekündigt, die internationalen Reserven der russischen Notenbank einzufrieren (siehe Update vom 28. Februar, 14.19 Uhr).
- Die knallharten Finanzsanktionen* gegen Russland könnten auch Auswirkungen für Sparer in Deutschland haben. (siehe Update vom 28. Februar, 16.01 Uhr).
- Unter russischen Oligarchen regt sich der Unmut über den Kurs von Kreml-Chef Wladimir Putin (siehe Update vom 28. Februar, 16.45 Uhr).
- Dieser News-Ticker zu den wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs wird fortlaufend aktualisiert.
Update vom 28. Februar, 18:58 Uhr: Russlands Präsident Wladimir Putin hat seinen Bürgern den Transfer von Devisen ins Ausland verboten. Schulden im Ausland dürften nicht mehr beglichen werden, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Dekret des russischen Präsidenten, die auf der Seite des Kremls veröffentlicht wurde. Auch auf im Ausland eröffnete Konten darf kein Geld mehr überwiesen werden. Devisen sind Fremdwährungen. Aus Sicht von Russland also beispielsweise der US-Dollar oder der Euro.
Das Dekret tritt bereits an diesem Dienstag in Kraft. Offenbar soll so ein weiterer Wertverfall des russischen Rubels verhindert werden. Dies sei eine Reaktion auf die „unfreundlichen Maßnahmen“ der USA und ihrer Verbündeten, schreibt der Kreml. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine haben die EU-Länder, die USA und andere westliche Staaten zahlreiche Sanktionen verhängt. Eine der schärfsten Strafen ist ein Ausschluss einzelner russischer Banken aus dem Finanz-Kommunikationssystem Swift.
Ukraine-Konflikt: Tanken wird nach Russlands Invasion teurer
Update vom 28. Februar, 17.37 Uhr: Tanken wird wegen des russischen Einmarschs in der Ukraine immer teurer. Binnen drei Tagen seien die Preise um über fünf Cent je Liter Benzin und Diesel gestiegen, teilte der ADAC am Montag mit.
Am Sonntag mussten Autofahrer bundesweit im Durchschnitt 1,811 Euro je Liter Super E10 bezahlen und damit 5,4 Cent mehr als am vergangenen Donnerstag. Diesel kostete durchschnittlich 1,729 Euro je Liter und hat sich damit innerhalb von drei Tagen um 5,9 Cent verteuert.
Doch Entspannung ist derzeit nicht in Sicht – im Gegenteil: Der Preis für ein Fass Rohöl der Sorte Brent sei aktuell auf über 100 US-Dollar gestiegen, rund vier Dollar höher als am vergangenen Dienstag. „Für die Spritpreise extrem belastend wirkt sich die Rohstoffabhängigkeit von Russland aus“, erklärte der ADAC. Deutschland habe im vergangenen Jahr gut ein Drittel seines Rohöls aus Russland importiert. Die Entwicklung dürfte den Tanktourismus etwa nach Polen, Österreich oder Tschechien weiter anheizen, erwarten Beobachter.
Ukraine-Krieg: Oligarchen üben offene Kritik an Putins Kurs – „Stehen vor atomarer Katastrophe“
Update vom 28. Februar, 16.45 Uhr: Angesichts der beinharten Sanktionen des Westens gegen Russland wächst unter steinreichen Russen die Unzufriedenheit mit Putins Kriegskurs. Am Montag distanzierten sich gleich mehrere Oligarchen vom Kreml-Chef. In einem offenen Brief an Putin schrieb Medienmogul Evgeny Lebedev: „Als Bürger Russlands bitte ich Sie, den Zustand zu beenden, in dem Russen ihre ukrainischen Brüder und Schwestern töten.“ Zuvor hatten auch die Milliardäre Oleg Deripaska und Oleg Tinkow deutliche Kritik am russischen Krieg in der Ukraine geübt.
Lebedev, der auch die britische Staatsbürgerschaft hat und im britischen Oberhaus sitzt, veröffentlichte den offenen Brief in der Zeitung London Evening Standard, die ihm gehört. Europa stehe „am Rande eines weiteren Weltkrieges“ und die Welt vor einer „möglichen atomaren Katastrophe“, warnte er darin. Putin müsse die derzeitigen Verhandlungen mit Vertretern Kiews nutzen, um „diesen schrecklichen Krieg in der Ukraine zu beenden“.
Zuvor hatte auch der russische Milliardär Oleg Tinkow den Tod „unschuldiger Menschen“ in der Ukraine als „undenkbar und inakzeptabel“ angeprangert. „Staaten sollten Geld für die Behandlung von Menschen und für die Krebsforschung ausgeben und nicht für Kriege“, schrieb er auf Instagram.
Der Milliardär Oleg Deripaska forderte angesichts der gegen Moskau verhängten Wirtschaftssanktionen ein „Ende des Staatskapitalismus“ in Russland. „Das ist eine echte Krise, und wir brauchen echte Krisenmanager“, erklärte der Gründer des Aluminiumkonzerns Rusal auf Telegram.
Ukraine-Krieg: Sanktionen gegen russische Banken – Jetzt sind auch die Einlagen deutscher Sparer in Gefahr
Update vom 28. Februar, 16.01 Uhr: Die knallharten Finanzsanktionen gegen Russland könnten auch Auswirkungen für Sparer in Deutschland haben. Vor allem die Einlagen bei der deutschen Zweigniederlassung der Sberbank Direct in Frankfurt könnten in Mitleidenschaft gezogen werden. Sitz der Muttergesellschaft ist Österreich.
Damit seien Einlagen zwar über die österreichische Einlagensicherung geschützt, erklärte die deutsche Finanzaufsicht Bafin am Montag. „Im Entschädigungsfall hat die österreichische Entschädigungseinrichtung die Entschädigungsansprüche der Einleger unverzüglich zu prüfen und die geeigneten Entschädigungsmaßnahmen zu treffen“, erklärte die Bafin. Allerdings greift die Einlagensicherung in Österreich – ähnlich wie in Deutschland – bis zu einem maximalen Guthaben von 100.000 Euro je Kunde. „Die deutsche Entschädigungseinrichtung ist im Entschädigungsfall für die Durchführung der Auszahlungen zuständig und hat die Ansprüche der Einleger in der Regel innerhalb von sieben Arbeitstage nach Feststellung des Entschädigungsfalls zu erfüllen.“
Erst in der Nacht zum Montag hatte EZB-Bankenaufsicht starke Zweifel an der Überlebensfähigkeit der europäischen Töchter der russischen Sberbank geäußert. Die EZB sei zu der Beurteilung gelangt, dass die Sberbank Europe AG mit Hauptsitz in Wien sowie deren Tochtergesellschaften in Kroatien und in Slowenien, „ausfallen oder wahrscheinlich ausfallen“ werden, hieß es.
Lebedev, der auch die britische Staatsbürgerschaft hat und im britischen Oberhaus sitzt, veröffentlichte den offenen Brief in der Zeitung London Evening Standard, die ihm gehört. Europa stehe „am Rande eines weiteren Weltkrieges“ und die Welt vor einer „möglichen atomaren Katastrophe“, warnte er darin. Putin müsse die derzeitigen Verhandlungen mit Vertretern Kiews nutzen, um „diesen schrecklichen Krieg in der Ukraine zu beenden“.
Zuvor hatte auch der russische Milliardär Oleg Tinkow den Tod „unschuldiger Menschen“ in der Ukraine als „undenkbar und inakzeptabel“ angeprangert. „Staaten sollten Geld für die Behandlung von Menschen und für die Krebsforschung ausgeben und nicht für Kriege“, schrieb er auf Instagram.
Der Milliardär Oleg Deripaska forderte angesichts der gegen Moskau verhängten Wirtschaftssanktionen ein „Ende des Staatskapitalismus“ in Russland. „Das ist eine echte Krise, und wir brauchen echte Krisenmanager“, erklärte der Gründer des Aluminiumkonzerns Rusal auf Telegram.
Ukraine-Krieg: Sanktionen gegen russische Banken – Jetzt sind auch die Einlagen deutscher Sparer in Gefahr
Update vom 28. Februar, 16.01 Uhr: Die knallharten Finanzsanktionen gegen Russland könnten auch Auswirkungen für Sparer in Deutschland haben. Vor allem die Einlagen bei der deutschen Zweigniederlassung der Sberbank Direct in Frankfurt könnten in Mitleidenschaft gezogen werden. Sitz der Muttergesellschaft ist Österreich.
Damit seien Einlagen zwar über die österreichische Einlagensicherung geschützt, erklärte die deutsche Finanzaufsicht Bafin am Montag. „Im Entschädigungsfall hat die österreichische Entschädigungseinrichtung die Entschädigungsansprüche der Einleger unverzüglich zu prüfen und die geeigneten Entschädigungsmaßnahmen zu treffen“, erklärte die Bafin. Allerdings greift die Einlagensicherung in Österreich – ähnlich wie in Deutschland – bis zu einem maximalen Guthaben von 100.000 Euro je Kunde. „Die deutsche Entschädigungseinrichtung ist im Entschädigungsfall für die Durchführung der Auszahlungen zuständig und hat die Ansprüche der Einleger in der Regel innerhalb von sieben Arbeitstage nach Feststellung des Entschädigungsfalls zu erfüllen.“
Erst in der Nacht zum Montag hatte EZB-Bankenaufsicht starke Zweifel an der Überlebensfähigkeit der europäischen Töchter der russischen Sberbank geäußert. Die EZB sei zu der Beurteilung gelangt, dass die Sberbank Europe AG mit Hauptsitz in Wien sowie deren Tochtergesellschaften in Kroatien und in Slowenien, „ausfallen oder wahrscheinlich ausfallen“ werden, hieß es.
Die Partnerschaft zwischen dem #S04 und #GAZPROM wird vorzeitig beendet.
— FC Schalke 04 (@s04) February 28, 2022
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Ukraine-Krieg: Rüstungsaktien gehen durch die Decke
Update vom 28. Februar, 11.10 Uhr: Die Aussicht auf milliardenschwere Bestellungen hat den Aktien von Rüstungsunternehmen am Montag in einem schwachen Markt Rückenwind verliehen. Die Aktien des Rüstungselektronik-Herstellers Hensoldt schnellten um fast die Hälfte auf 21,85 Euro nach oben, Rheinmetall zogen um gut ein Drittel auf 141,25 Euro ab. Die Papiere von ThyssenKrupp waren mit einem Plus von knapp 8 Prozent auf 9,26 Euro ebenfalls gefragt.
Bundeskanzler Olaf Scholz hatte auf einer Sondersitzung des Bundestags am Sonntag* eine umfassende Ausweitung des Wehretats angekündigt. Nach den Plänen will die Bundesregierung ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro einrichten. Zugleich soll der Verteidigungsetat künftig dauerhaft über zwei Prozent der Wirtschaftsleistung betragen. Bei einem Wehretat von zuletzt über 50 Milliarden Euro entspräche dies einer Ausweitung von gut 15 Milliarden Euro.
Update vom 28. Februar, 10:12 Uhr: Die unerwartet heftigen wirtschaftlichen Sanktionen der EU und der USA gegen Russland haben die russische Währung am Montag mit voller Wucht getroffen. Am Morgen gab der Rubel um gut 20 Prozent gegenüber dem Dollar nach. Um einen weiteren Kurssturz zu verhindern, hat die russische Notenbank die Zinsen daher zum Wochenauftakt auf 20 Prozent verdoppelt. Aber auch das dürfte Ökonomen zufolge die Lage nicht verbessern – im Gegenteil.
Der Versuch der russischen Notenbank, Einlagen in Rubel attraktiver zu machen und „die nun einsetzende Kapitalflucht einzudämmen“, werde kaum gelingen, warnte der Finanzwissenschaftler Prof. Friedrich Heinemann vom Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW. Angesichts der umfassenden Sanktionen habe der „Rubel aufgehört, eine frei konvertible Währung zu sein.“ Damit werde Russland „währungspolitisch in die frühen Neunziger“ zurückgeworfen.
Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine seien „Russland-Aktiva und der Rubel schlagartig zu Ramsch geworden“, erklärte der Professor für Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft am ZEW Mannheim am Montag.
Update vom 28. Februar, 10:03 Uhr: Wegen des Ukraine-Kriegs friert Daimler Truck alle Aktivitäten mit seinem russischen Kooperationspartner Kamaz ein. Im Gemeinschaftsunternehmen DK RUS würden ab sofort keine Lastwagen mehr gebaut, teilte der Konzern dem „Handelsblatt“ mit. Auch die Belieferung von Kamaz mit Komponenten werde eingestellt.
Kamaz ist laut „Handelsblatt“ der führende Hersteller von Lastwagen und Bussen in Russland und rüstet das Militär des Landes seit Jahren auch mit Panzerwagen aus. Der einstige Mutterkonzern von Daimler Truck, der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz, prüft zudem juristisch, wie er sich von seinem 15-prozentigen Anteil an Kamaz schnellstmöglich trennen kann. Das Thema werde gerade „mit Hochdruck geklärt“, zitierte die Wirtschaftszeitung einen Konzernsprecher.
Ukraine-Konflikt: Russland-Sanktionen zeigen Wirkung – Bank vor Pleite
Update vom 28. Februar, 09:21 Uhr: Die EZB-Bankenaufsicht hat angesichts der Sanktionen gegen russische Geldhäuser vor der möglichen Pleite der europäischen Töchter der russischen Sberbank gewarnt. Die Europäische Zentralbank sei zur Beurteilung gelangt, dass die Sberbank Europe AG mit Hauptsitz in Wien sowie ihre beiden Tochtergesellschaften in der Bankenunion, die Sberbank d.d. in Kroatien und die Sberbank banka d.d. in Slowenien, „ausfallen oder wahrscheinlich ausfallen“ werden, teilte die EZB in der Nacht zum Montag mit. Mit dieser Formulierung umschreibt die EZB-Bankenaufsicht Kreditinstitute, die aus ihrer Sicht nicht mehr existenzfähig sind.
„Bei der Sberbank Europe AG und ihren Tochtergesellschaften kam es zu erheblichen Abflüssen von Einlagen infolge der Auswirkungen der geopolitischen Spannungen auf ihre Reputation“, teilte die EZB mit. „Dadurch hat sich ihre Liquiditätslage verschlechtert. Zudem sind keine Maßnahmen verfügbar, bei denen realistische Aussichten darauf bestehen, dass diese Position auf Gruppenebene und auf Ebene der einzelnen Tochtergesellschaften in der Bankenunion wiederhergestellt wird.“
Update vom 28. Februar, 09:21 Uhr: Der Ukraine-Krieg sorgt für wachsende Nervosität bei Anlegern. Der Dax sackte am Montagmorgen zur Eröffnung um über zwei Prozent auf 14.240 Punkte ab. Am Freitag hatte sich das deutsche Börsenbarometer mit einem Minus von 3,7 Prozent auf 14.567 Zähler ins Wochenende verabschiedet.
Ukraine-Sanktionen gegen Russland. Rubel fällt ins Bodenlose
Update vom 28. Februar, 09:12 Uhr: Der russische Rubel ist am Montag dramatisch eingebrochen. Gegenüber dem Dollar fiel russische Landeswährung am Morgen zunächst um 42 Prozent auf 119 Rubel, dämmte einen Teil der Verluste jedoch am Vormittag wieder ein und lag noch rund 20 Prozent im Minus.
Update vom 28. Februar, 08:38 Uhr: Die verschärften Sanktionen des Westens gegen Russland dürften am Montag auf dem deutschen Aktienmarkt lasten. Der Dax wird am Morgen wegen der knallharten Sanktionsvorgaben des Westens tiefer erwartet. Gut eine halbe Stunde vor Handelsbeginn wird das deutsche Börsenbarometer 2,7 Prozent tiefer erwartet.
Erstmeldung vom 28. Februar, 08:21 Uhr: Russlands Zentralbank hebt den Leitzins mit einem Schlag von 9,5 Prozent auf 20 Prozent an. Das teilte die Notenbank am Montag laut russischen Nachrichtenagenturen mit. Mit dem Schritt reagiert die Notenbank auf die harten Sanktionen, die der Westen wegen des russischen Einmarsches in die Ukraine am Wochenende verhängt hatte. Außerdem dürfen Ausländer keine Aktien russischer Unternehmen mehr verkaufen.
Alle Entwicklungen zum Ukraine-Konflikt finden Sie in unserem News-Ticker.
Mit Material der dpa und AFP. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA



