Premier Trudeau hatte wegen der Corona-Proteste in der Hauptstadt Ottawa den nationalen Notstand verhängt. Nun hat die Polizei dem Aufstand ein Ende bereitet. Dabei kam es zu einem Zwischenfall, der in den sozialen Medien für einen Aufschrei sorgte.
Die Polizei in Kanadas Hauptstadt Ottawa hat weite Teile der wochenlangen Proteste gegen die Corona-Politik der Regierung aufgelöst. Insgesamt seien 170 Menschen festgenommen und 53 Fahrzeuge abgeschleppt worden, teilte die Polizei am Samstagabend (Ortszeit) auf Twitter mit. Dabei habe es auch Festnahmen von Demonstranten in militärischer Schutzkleidung gegeben, die Nebelkerzen und Feuerwerkskörper bei sich getragen hätten.
Laut einem Bericht der „New York Times“ sind bei der Räumung des Gebiets rund um das kanadische Parlament Lkw-Scheiben von Einsatzkräften eingeschlagen worden. Auch in Quebec und in der Nähe von Vancouver im Westen des Landes hat es am Samstag kleinere Proteste mit einigen hundert Teilnehmenden gegeben.
In Ottawa kündigte Polizeichef Steve Bell Konsequenzen für diejenigen an, die dem Aufruf zur Räumung nicht nachkommen. „Wenn sie an diesem Protest beteiligt waren, werden wir aktiv versuchen, sie zu identifizieren, und uns bei ihnen mit finanziellen Forderungen und strafrechtlichen Konsequenzen melden“, sagte Bell am Samstag.
Am Freitag war es zu Zusammenstößen gekommen, bei denen berittene Polizisten ihre Pferde durch eine Menschenmenge trieben. Mehrere Personen kamen zu Fall und bekamen offenbar Tritte durch die Tiere ab. Videos der Szene sorgten in den sozialen Medien für Empörung.
This is disturbing. Is the woman with the walker trampled by Mounted Unit horses alive? Is she in surgery? Has @SIUOntario been notified? Do you have any concerns or comment @OttawaPolice @JustinTrudeau @fordnation @JimWatsonOttawa – Why? pic.twitter.com/X251vZiIaq
— Joe Warmington (@joe_warmington) February 18, 2022
Im Internet verbreiteten sich daraufhin Falschmeldungen, nach denen eine Frau infolge des Vorfalls gestorben sei. Die Polizei stellte bei Twitter klar: „Bei keiner der heutigen Polizeiaktionen wurde jemand ernsthaft verletzt oder starb. Sicherheit ist unsere Priorität.“
Alle Betroffenen seien nach dem Vorfall aufgestanden und weggegangen. Es seien keine Verletzungen bekannt. Auf der anderen Seite, so die Polizei, habe ein Demonstrant mit einem Fahrrad nach einem Pferd geworfen.
We hear your concern for people on the ground after the horses dispersed a crowd. Anyone who fell got up and walked away. We're unaware of any injuries. A bicycle was thrown at the horse further down the line and caused the horse to trip. The horse was uninjured. pic.twitter.com/tgfsl6uxT7
— Ottawa Police (@OttawaPolice) February 19, 2022
Die Sonderermittlungseinheit von Ontario, ein unabhängiges Gremium zur Kontrolle der Polizei, erklärte am Sonntag, dass sie zwei Vorfälle im Zusammenhang mit der Räumung der Blockaden untersuche. Das berichtete die „Washington Post“. Bei dem einen Vorfall hätten Beamte Gummigeschosse abgefeuert, bei dem anderen gehe es um eine Frau, die nach einer „Interaktion“ mit einem berittenen Polizeibeamten eine Verletzung erlitt.
Truedeau hatte den Notstand verhängt
Seit drei Wochen hatten in Kanada und vor allem in Ottawa Tausende gegen Corona-Beschränkungen und Impfvorschriften protestiert. Mit Lastwagen und anderen Fahrzeugen wurden unter anderem wichtige Grenzübergänge zu den USA und Teile der Hauptstadt blockiert. Das Leben der Anwohner wurde dadurch stark eingeschränkt.
Auslöser der Proteste waren Impfvorschriften für Lastwagenfahrer. Am Montag verhängte Premier Justin Trudeau angesichts der Proteste erstmals in der kanadischen Geschichte den nationalen Notstand, mit dem Freiheitsrechte der Bürger zugunsten der Sicherheit empfindlich eingeschränkt werden können.Anzeige
Die Polizeiaktion zur Räumung der Proteste in Ottawa begann in den vergangenen Tagen mit der Aufforderung an die Demonstranten, das Stadtzentrum schnellstmöglich zu verlassen. Die Polizei errichtete am Donnerstag zudem einen Sicherheitsbereich mit rund 100 Kontrollpunkten in der Innenstadt.


