Mehr Gewalt, Raubüberfälle und Sexuelle Übergriffe

Tatort Bahnhof

14.08.2023
Lesedauer: 4 Minuten
Juli 2023: Festnahme nach Waffen-Razzia am Hamburger Hauptbahnhof. Dieser ist der gefährlichste Deutschlands, hier gab es laut Statistik 2022 die meisten Gewaltdelikte Foto: dpa picture-alliance

Bundespolizei erfasst in Geheimdokument immer mehr Gewalttaten +++ Anstieg um 28 Prozent +++ BILD dokumentiert die neuen Schock-Zahlen

Berlin – Körperverletzungen, Vergewaltigungen, Diebstähle: Unsere Bahnhöfe werden immer mehr zu Brennpunkten der Gewalt!

BILD liegt exklusiv das Geheimdokument „Gewaltdelikte auf Bahnanlagen im Jahr 2022“ vor. Die Bundespolizei hat in diesem Papier detailliert zusammengefasst, wie gefährlich es inzwischen an deutschen Bahnhöfen ist: Im Vergleich zu 2019 gab es zuletzt 28,4 Prozent MEHR Gewalttaten. Gegenüber dem Jahr 2021 – als es wegen Corona deutlich weniger Bahnreisende gab – beträgt der Anstieg sogar 38,6 Prozent. Pro Stunde gab es zuletzt mehr als zwei solcher Straftaten!

Lagebericht Gewaltdelikte auf Bahnhöfen 2022 - Tatverdächtige – Infografik
Lagebericht Gewaltdelikte auf Bahnhöfen 2022 - Ermittelte Tatverdächtige/Körperverletzung – Infografik

Gewaltanstieg während der Zeit des 9-Euro-Tickets

Die größten Brennpunkte sind die Hauptbahnhöfe von Hamburg, Hannover und Nürnberg sowie von Frankfurt/Main, Berlin, Köln, München, Dortmund, Leipzig und Düsseldorf.

Einen heftigen Gewaltanstieg verzeichnete die Bundespolizei während der Zeit des 9-Euro-Tickets, abends und an Wochenenden. Die Zahl der Gewalttaten an Bahnhöfen stieg in diesen Sommermonaten um 31, in Regional- und Nahverkehrszügen sogar um 46 Prozent.

Januar 2023: Zwei 13-Jährige prügeln am Bahnhof Rastatt (Ba.-Wü.) auf ein Mädchen (14) ein
Januar 2023: Zwei 13-Jährige prügeln am Bahnhof Rastatt (Ba.-Wü.) auf ein Mädchen (14) ein
Foto: Twitter
Lagebericht Gewaltdelikte auf Bahnhöfen 2022 - Taschen- und Handgepäckdiebstahl – Infografik

Besonders alarmierend: „Der Einsatz von Messern und anderen gefährlichen Gegenständen stellt in der Gesamtbetrachtung (2022–2019) ein zunehmendes Problemfeld dar“, heißt es im Lagebericht.

► Die Zahl der Taten, bei denen Messer eingesetzt wurden, stieg seit 2019 um 44,5 Prozent!

► Der Einsatz von gefährlichen Werkzeugen stieg seit 2019 sogar um 80,4 Prozent.

11. August 2023, Hannover: Durchsuchung eines Verdächtigen. Die Angriffe auf Vollstreckungsbeamte auf Bahnhöfen haben um 25,8 Prozent zugenommen
11. August 2023, Hannover: Durchsuchung eines Verdächtigen. Die Angriffe auf Vollstreckungsbeamte auf Bahnhöfen haben um 25,8 Prozent zugenommen
Foto: Christian Wiethe

Im Jahr 2022 wurden 5461 Reisende Opfer von Bedrohungen – eine Zunahme von 120 Prozent!

Die Zahl der Körperverletzungen stieg gegenüber 2019 um 22 Prozent. 53 Prozent der Tatverdächtigen waren laut Bundespolizei deutsche Staatsangehörige, 47 Prozent nicht-deutsche.

Trotz Waffenverbotszonen wie hier am Hauptbahnhof in Hamburg nimmt die Messer-Gewalt immer weiter zu, die Bundespolizei spricht einem „zunehmenden Problemfeld”
Trotz Waffenverbotszonen wie hier am Hauptbahnhof in Hamburg nimmt die Messer-Gewalt immer weiter zu, die Bundespolizei spricht einem „zunehmenden Problemfeld”
Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Lagebericht Gewaltdelikte auf Bahnhöfen 2022 - Auswahl an Delikten – Infografik

78 Reisende mit Absicht ins Gleis gestoßen

Sexualdelikte (Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und Missbrauch von Kindern) sind um 43 Prozent angestiegen. Kaum zu glauben: 2022 gab es 78 Fälle, in denen Reisende absichtlich ins Gleis gestoßen wurden. Hierbei wurden 57 Menschen verletzt (13 davon schwer), einer starb. 2019 waren es 60 Vorfälle.

Auch sexuelle Übergriffe auf Frauen nehmen auf Bahnanlagen stark zu, so gab es seit 2019 alarmierende 56,8% mehr Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen
Auch sexuelle Übergriffe auf Frauen nehmen auf Bahnanlagen stark zu, so gab es seit 2019 alarmierende 56,8 Prozent mehr Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen
Foto: Sven Hoppe/dpa

Und auch die Zahl der Diebstähle an unseren Bahnhöfen hat deutlich zugenommen! „Die Zahlen sind erschreckend und die Menschen meiden diese Orte“, sagt Manuel Ostermann, Chef der Deutschen Bundespolizei-Gewerkschaft zu BILD. „Wir brauchen zwingend die 3500 zusätzlichen Beamte für den bahnpolizeilichen Bereich, um dieser Entwicklung spürbar entgegentreten zu können.“

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