Silvio Berlusconi: Wladimir Putin wurde zum Krieg gegen die Ukraine gedrängt

23.09.2022
Lesedauer: 2 Minuten
Silvio Berlusconi: Wladimir Putin wurde zum Krieg gegen die Ukraine gedrängt © SPUTNIK / REUTERS

Silvio Berlusconi könnte nach der Wahl in Italien Staatspräsident werden. In einer Talkshow verteidigte der 85-Jährige nun den russischen Kriegstreiber Putin. Der habe in der Ukraine lediglich einen strategischen Fehler gemacht.

In wenigen Tagen wählt Italien ein neues Parlament. Dem Land droht ein Rechtsruck. Als kommender Staatspräsident eines Rechtsbündnisses wird Silvio Berlusconi gehandelt. Der frühere italienische Ministerpräsident hat nun in einer Talkshow nicht nur die die Kriegsziele von Wladimir Putin kleingeredet, sondern auch behauptet, der russische Machthaber sei in den Angriffskrieg gegen die Ukraine hineingedrängt worden.

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»Putin wurde von der russischen Bevölkerung, von einer Partei, von seinen Ministern gedrängt, sich diese Spezialoperation auszudenken«, sagte Berlusconi im Sender Rai.

Putin habe doch nur den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj durch eine Regierung aus »anständigen Leuten« ersetzen wollen, behauptete Berlusconi in der Late-Night-Talkshow »Porta a Porta«. Dann sei das auf die Gegenwehr der Ukraine gestoßen, räumte er ein. Was Putin falsch gemacht habe: Die russischen Truppen hätten nicht überall in der Ukraine angreifen, sondern sich auf Kiew konzentrieren sollen.

Berlusconi gilt als persönlicher Freund Putins und zögerte nach Kriegsausbruch lange, die Invasion zu verurteilen. Nun sagte er: »Putin ist in eine wirklich schwierige und dramatische Situation gerutscht.« Er benutze diesen Ausdruck bewusst, weil Putin von Vertretern der zwei selbst ernannten Republiken im Donbass im Februar aufgefordert worden sei, einzuschreiten. Diese hätten Putin überredet mit der Behauptung, die Ukraine greife die Gebiete immer heftiger an.

Die Aussagen des Medienunternehmers, der neben seiner Politik durch diverse Skandale aufgefallen war, alarmieren all jene, die eine Zuwendung Italien an Russland nach der Wahl fürchten. Neben Berlusconi ist auch Matteo Salvini Teil des Rechtsblocks – der Lega-Chef war jahrelang Fan Putins und kritisiert die Sanktionen des Westens gegen Moskau.

»Wirklich tragisch« nannte Zentrums-Spitzenkandidat Carlo Calenda den Auftritt Berlusconis. Der Forza-Italia-Gründer sei »irgendetwas zwischen Pressesprecher Putins und Militärberater«. Der frühere Ministerpräsident Enrico Letta von den Sozialdemokraten twitterte am Freitag: »Es gibt keine Worte, um das zu kommentieren.«

Am Donnerstag hatte die russische Botschaft in Rom mit einem Beitrag bei Facebook provoziert, in dem sie Fotos italienischer Politiker bei deren Treffen mit Putin aus den vergangenen Jahren veröffentlichte. Darunter waren Berlusconi und Salvini, aber auch andere Wahlkämpfer wie Letta, Giuseppe Conte, Matteo Renzi oder Luigi Di Maio und sogar Staatspräsident Sergio Mattarella und Vorgänger Giorgio Napolitano. »Aus der jüngeren Geschichte der russisch-italienischen Beziehungen«, stand daneben. »An einige müssen wir uns erinnern.«

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