Nach der Debatte um ihren Lebenslauf ereilen die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock jetzt erneut schwerwiegende Vorwürfe: Der Plagiatsgutachter Stefan Weber fand gleich mehrere Stellen in Baerbocks Buch „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“, die teilweise wortwörtlich übernommen wurden. Ohne Quellenverweis.
FOCUS Online hat die entsprechenden Originalquellen überprüft und kann die Übernahme ganzer Passagen im Buch „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ von Baerbock bestätigen. Ihr Buch veröffentlichte die Kanzlerkandidatin am vergangenen Montag (21. Juni).
- Baerbock schreibt auf Seite 79 ihres Buchs:
Der Klimawandel wirkt sich auf die gesamte Wertschöpfungskette von Unternehmen aus, etwa durch den extremwetterbedingten Ausfall von Zulieferern, durch Schäden an Straßen, Schienen und Gebäuden oder durch Rohstoffknappheit. Zwischen 2000 und 2019 beliefen sich die Gesamtschäden aus klimawandelbedingten Extremwetterereignissen weltweit auf 2,56 Billionen US-Dollar.
Das Original kommt aus dem Blog „Klima – Challenge Accepted“ des Verbands der Wirtschaft für Emissionshandel und Klimaschutz in München. Hier wird geschrieben:
„Der Klimawandel wirkt sich auf die gesamte Wertschöpfungskette von Unternehmen aus: Sei es durch den extremwetterbedingten Ausfall von Zulieferern, Schäden an Verkehrsinfrastrukturen oder Gebäuden oder Änderungen der Beschaffenheit oder Verfügbarkeit von Rohstoffen.“
- Ein weiteres Beispiel folgt auf Seite 174 Hier schreibt Baerbock:
Insgesamt zehn Staaten traten an diesem Tag der Europäischen Union bei: die baltischen Staaten und ehemaligen Sowjetrepubliken Estland, Lettland und Litauen, außerdem Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, die frühere jugoslawische Teilrepublik Slowenien sowie die beiden Mittelmeerstaaten Malta und Zypern. Die EU wuchs von 15 auf 25 Mitglieder – und begrüßte damit rund 75 Millionen neue Unionsbürger*innen.
Bis auf kleine Änderungen stammt die Passage von einem Rückblick der Bundeszentrale für Politische Bildung aus dem Jahr 2019:
„Insgesamt zehn Staaten traten an diesem Tag der Europäischen Union bei: die baltischen Staaten und ehemaligen Sowjetrepubliken Estland, Lettland und Litauen, außerdem Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, die frühere jugoslawische Teilrepublik Slowenien sowie die beiden Mittelmeerstaaten Malta und Zypern. Die EU wuchs von 15 auf 25 Mitglieder – und begrüßte damit rund 75 Millionen neue Unionsbürgerinnen und –bürger.“
- Auf Seite 89 stützt sich Baerbock auf Recherchen des Nachrichtenmagazin „Spiegel“, ohne den entsprechenden Artikel jedoch als Quelle zu kennzeichnen. Im Buch heißt es:
Der Wettbewerb scheint auch weltweit eröffnet. In Amsterdam ist ein 130 Meter hohes Holzhochhaus geplant, in Chicago ein 228 Meter hohes und in Tokio eines mit 350 Metern Höhe.
Der „Spiegel“ schrieb dazu in seinem Artikel von 2019:
„Und der Rekord dürfte früher oder später ohnehin gebrochen werden: In Amsterdam ist ein 130 Meter hohes Holzhaus geplant, in Chicago ein 228 Meter großes und in Tokio eines mit 350 Meter Höhe.“
- Auf Seite 129 ihres Buches steht geschrieben:
Bereits 2010 hatte das US-Verteidigungsministerium den Klimawandel als Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA deklariert und somit als Phänomen, das die Aufmerksamkeit des Pentagon erforderte. Die Betrachtung des Klimawandels als »Bedrohungsmultiplikator«, der Rohstoff- und Gesellschaftskonflikte verschärfen kann, ist seither zu einem Eckpfeiler in der Strategie des Pentagon geworden.
Die Ausführungen stammen jedoch aus dem Beitrag „Kriegstreiber Klimawandel“ im Magazin „Internationale Politik“ des amerikanischen Politikwissenschaftlers Michael T. Klare. Dort steht:
„Erstmals wurde der Klimawandel 2007 als Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA wahrgenommen und somit als Phänomen, das die Aufmerksamkeit des Pentagons erforderte.“
Und weiter: „Das Konzept des Klimawandels als „Bedrohungsmultiplikator“, der Rohstoff- und Gesellschaftskonflikte in Entwicklungsländern verschärfen kann, ist seither zu einem Eckpfeiler in der Strategie des Pentagons geworden. Je gespaltener und korrupter ein Staat ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass er besonders stark unter den Folgeerscheinungen der Erderwärmung leiden wird – also unter inneren Konflikten, humanitären Katastrophen und Massenmigration. Das daraus entstehen- de Chaos könnte wiederum zu neuen Herausforderungen für das US-Militär führen, sei es durch humanitäre Hilfseinsätze oder militärische Interventionen im Ausland.“
Zuletzt waren sowohl die Umfragewerte der Grünen als auch die Beliebtheit von Baerbock stark zurückgegangen. In einigen Umfragen fiel die Partei jüngst unter die Marke von 20 Prozent. Insbesondere die mehrfachen Korrekturen in ihrem Lebenslauf kosteten Vertrauen beim Wähler. Im Politikbarometer des ZDF büßte Baerbock innerhalb weniger Wochen mehr als zehn Prozentpunkte ein und liegt dort nun hinter CDU-Chef Armin Laschet und SPD-Kandidat Olaf Scholz.
Weitere Details in Kürze auf FOCUS Online.



