Ein weiterer Schritt in Richtung Dedollarisierung

Schutz vor US-Sanktionen: Brics kündigen digitales Zahlungssystem an

07.03.2024
Lesedauer: 3 Minuten
Die Brics wollen ihren Handel nicht mehr in US-Dollar abwickeln. Bildquelle: Matt Slocum/AP

Die Brics-Staaten arbeiten an einer digitalen Alternative zum globalen Dollar-dominierten Zahlungssystem. Das sagte der außenpolitische Berater von Russlands Präsident Wladimir Putin, Juri Uschakow, am Dienstag in einer Pressekonferenz in Moskau, auf der er die Schwerpunkte der russischen Brics-Präsidentschaft vorstellte.

Neben den Brics-Gründungsmitgliedern Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika gehören dem Staatenbündnis mittlerweile auch Ägypten, Äthiopien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate an.

Russland: Sanktionen behindern die Zusammenarbeit der Brics

„Wir werden nach den besten Möglichkeiten suchen, den gegenseitigen Handel und die gegenseitigen Investitionen zu steigern und Wege zur Gewährleistung der Finanzstabilität zu finden“, sagte Uschakow laut der russischen Nachrichtenagentur TASS. Doch eine ungehinderte Zusammenarbeit unter den Brics-Staaten sei „angesichts der Risiken im Zusammenhang mit zunehmenden einseitigen Sanktionen und protektionistischen Maßnahmen“ oft nicht möglich.

Eine besondere Aufgabe für dieses Jahr sei daher die Stärkung der Rolle der Brics-Staaten im internationalen Währungs- und Finanzsystem. Ein weniger verwundbares Zahlungssystem soll deshalb aus der Taufe gehoben werden: „Wir glauben, dass die Schaffung eines unabhängigen Brics-Zahlungssystems ein wichtiges Ziel für die Zukunft ist, das auf modernsten Tools wie digitalen Technologien und Blockchain basieren würde“, sagte Uschakow.

Bis die neue Digitalwährung steht, sollen Transaktionen in Landeswährungen weiter gesteigert und Korrespondenzbanknetzwerke gestärkt werden, um internationale Transaktionen abzusichern, so Uschakow weiter. Dies gelte „vor allem im Hinblick auf die Verwendung anderer Währungen als des US-Dollars“.

Strategie der Dedollarisierung: Indien will mehr Öl mit Rupien bezahlen

Auch andere Brics-Staaten treiben die Dedollarisierung voran: Indiens Zentralbank hat die großen staatlichen Raffinerien des Landes gebeten, Lieferanten aus dem Persischen Golf dazu zu drängen, im nächsten Geschäftsjahr mindestens zehn Prozent der Ölzahlungen in indischen Rupien zu akzeptieren.

Wie der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg berichtet, ziele der Schritt darauf ab, die indische Währung im internationalen Handel zu fördern und die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern. Die Regierung befürchte, dass Indiens hohe Energienachfrage einen Abwertungsdruck auf die Rupie ausüben werde, und wolle das Konsumwachstum auch zu ihrem eigenen Vorteil nutzen.

Die drei Raffinerien Indian Oil, Bharat Petroleum und Hindustan Petroleum haben sich in dieser Angelegenheit bereits an Ölexporteure gewandt, berichtet Bloomberg. Aber die Lieferanten würden sich gegen die Pläne der Zentralbank wehren, weil sie Währungsrisiken und hohe Umrechnungsgebühren fürchteten. Die Zentralbank habe von den indischen Raffinerien verlangt, einen Teil der Devisentransaktionsgebühren zu tragen. Doch diese haben den Vorschlag unter Verweis auf drohende sinkende Gewinnmargen abgelehnt.

Zuletzt hatte die Raffinerie Indian Oil im vergangenen August den Ölproduzenten Abu Dhabi National Oil für eine Lieferung von einer Million Barrel Rohöl in indischen Rupien bezahlt. Allerdings gab es seitdem keine Transaktionen in der Währung mehr. Die indischen Raffinerien haben auch andere Währungen verwendet, um russisches Rohöl zu bezahlen. Hierfür nutzten sie unter anderem den Dirham aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Es sind nicht nur die Brics, die nicht mehr den amerikanischen Sanktionen ausgesetzt sein wollen. Auch in der EU wird an der Entwicklung einer digitalen Alternative gearbeitet, um sich weniger verletzbar zu machen. Das Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, Burkhard Balz, sagte hierzu dem Handelsblatt: „Ich bin überzeugter Transatlantiker, aber man muss zugeben: Das ist keine abstrakte Horrorvision, sondern das ist technisch möglich.“ Die Bundesbank sei den amerikanischen Zahlungsdiensten gegenüber sicher nicht negativ eingestellt, diese seien sehr wichtige Partner. „Aber wir müssen aus europäischer Perspektive unsere eigenen Möglichkeiten haben. Der digitale Euro ist für Europa eine kritische Infrastruktur und hat für die Bundesbank Toppriorität.“

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