EU-Klimarichtlinien

Sanierungspläne könnten Hausbesitzer Milliarden kosten – Ein Ministerium rebelliert jetzt

13.06.2023
Lesedauer: 2 Minuten
Mehr als ein Drittel aller Einfamilienhäuser in Deutschland müsste optimiert werden, schätzen Experten Quelle: Getty Images/Yulia-Images

Das EU-Parlament arbeitet an einer neuen Richtlinie. Weil Gebäude in den Mitgliedstaaten damit höchst ungleich eingestuft würden, könnte das für Deutschlands Hauseigentümer teuer werden. Von bis zu 1400 Milliarden Euro ist die Rede. Jetzt formiert sich Widerstand – auch in der Ampelregierung.

Im Bundesbauministerium stößt die geplante europäische Gebäuderichtlinie mit ihren neuen Sanierungsvorschriften für Hauseigentümer auf Kritik. Das EU-Parlament schlägt vor, die aus den Energieausweisen bekannten Effizienzklassen in allen Mitgliedstaaten nach demselben Schema aufzuteilen und für einen bestimmten Anteil eine energetische Sanierung bis 2030 einzufordern.

„Den Ansatz des Europaparlamentes, jedes einzelne der 15 Prozent schlechtesten Gebäude auf eine bestimmte höhere Effizienzklasse zu heben, sehen wir kritisch“, sagte Sören Bartol (SPD), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbauministerium, WELT AM SONNTAG. „Ein solcher Sanierungszwang“ bringe „soziale Härten mit sich.“ Auch andere Regierungen der Mitgliedstaaten gehen dem Vernehmen nach auf Distanz zur Gebäuderichtlinie.

Inzwischen zeichnet sich zudem ab, dass Hausbesitzer und damit auch Mieter in Deutschland stärker von einer EU-Sanierungspflicht betroffen wären als in anderen Staaten. Ein Vergleich der Verbrauchskriterien für die Effizienzklassen A bis G zeigt, dass hierzulande bereits heute die strengsten Grenzwerte gelten. „Wenn nach der neuen Gebäuderichtlinie die schlechteren Effizienzhaus-Klassen einheitlich auf E- oder D-Niveau gesenkt werden sollen, wären nach den bestehenden Systemen die notwendigen Anstrengungen in Deutschland wesentlich höher als etwa in Belgien – wo man vielleicht nur ein paar Fenster austauschen und das Dachgeschoss dämmen müsste“, sagt Ingrid Vogler, Energieexpertin beim Verband der Wohnungswirtschaft GdW.

Mehr als ein Drittel aller Einfamilienhäuser in Deutschland müsste durch vergleichsweise teure Maßnahmen, etwa umfassende Dämmung, neue Heizungen und Fenster, so optimiert werden, dass sie einen Verbrauchswert von 160 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr erreichen. In Belgien dagegen würden nach heutigen Maßstäben 425 Kilowattstunden ausreichen. Der Eigentümerverband Haus & Grund warnt vor einem wirtschaftlichen Totalschaden für Hausbesitzer und teilweise sogar Abriss.

„Wir gehen davon aus, dass für viele Gebäude der unteren Effizienzklassen eine Sanierung keine Option sein wird und für die Ersatzneubauten zwischen 1000 und 1400 Milliarden Euro aufgebracht werden müssten“, so Verbandspräsident Warnecke.

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