Krieg in der Ukraine

Russland: 959 ukrainische Kämpfer aus Azowstal haben sich in Mariupol ergeben

18.05.2022
Lesedauer: 3 Minuten
Ein Krankenwagen, der an der Evakuierung verwundeter ukrainischer Soldaten beteiligt gewesen sein soll Bild: dpa/Sputnik/Alexey Kudenko

Seit Montag läuft eine Evakuierungsaktion aus dem belagerten Stahlwerk in Mariupol. In der Ukraine wächst unterdessen die Sorge um das Schicksal der Soldaten.

In der ukrainischen Hafenstadt Mariupol haben sich russischen Angaben zufolge seit Wochenbeginn 959 ukrainische Kämpfer aus dem belagerten Stahlwerk Azowstal ergeben. Unter ihnen seien 80 Verletzte, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Mittwoch laut Agentur Interfax mit. Allein in den vergangenen 24 Stunden hätten sich knapp 700 Menschen in russische Gefangenschaft begeben, hieß es weiter. Von ukrainischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung für diese Zahlen.

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Kiew hatte – wie zuvor auch Moskau – von etwas mehr als 260 Soldaten gesprochen, die von dem Werksgelände evakuiert worden seien. Unter ihnen waren übereinstimmenden Angaben beider Seiten zufolge auch mehr als 50 Verletzte. Die Kämpfer wurden in weitere, von Russland besetzte, Gebiete der Ukraine gebracht und werden dort gefangen gehalten. Die Ukraine hofft auf einen Austausch gegen russische Kriegsgefangene, Russlands Militär ließ einen solchen Schritt aber zunächst offen.

Ukraine sorgt sich über das Schicksal der Soldaten aus dem Stahlwerk

In der Ukraine werden derweil Sorgen über das Schicksal der ukrainischen Verteidiger lauter. Am Dienstag hatten Abgeordnete der russischen Staatsduma angekündigt, dass die Kämpfer aus Azowstal Kriegsgefangene seien. Dies widerspricht der bisherigen Moskauer Linie, dass es sich bei dem Krieg lediglich um eine „militärische Spezialoperation“ handeln würde. „Naziverbrecher unterliegen keinem Austausch. Das sind Kriegsverbrecher, und wir müssen alles dafür tun, sie vor Gericht zu bringen“, sagte hingegen der russische Duma-Vorsitzende Wjatscheslaw Wolodin. Über eine Parlamentsresolution, die einen Austausch der Kämpfer gegen russische Kriegsgefangene, die durch die Ukraine festgehalten werden, will die Duma im Laufe des Mittwochs beraten.

AP/Alexei AlexandrovUkrainische Soldaten, die im Stahlwerk Azowstal ausgeharrt hatten, werden mit Bussen in die von Russland besetzten Gebiete gebracht. Ihr Schicksal ist weiter unklar.

Wie viele Kämpfer sich aktuell noch auf dem weitläufigen Werksgelände aufhalten, war unterdessen unklar. Unterschiedlichen Schätzungen zufolge sollen es vor Beginn der Evakuierungsmission zwischen 1000 und 2500 gewesen sein. Der ukrainische Generalstab vermeldete am Mittwochmorgen, dass sich weiterhin Kämpfer im Stahlwerk befinden und Russland die Anlage unter schwerem Beschuss halte. Die letzten Zivilisten waren bereits vor rund eineinhalb Wochen mit internationaler Hilfe in Sicherheit gebracht worden.

Russlands Truppen hatten Mariupol bereits kurz nach Beginn des Angriffskriegs Anfang März belagert und innerhalb einiger Wochen fast komplett erobert. Die ukrainischen Kämpfer im Stahlwerk Azowstal wurden zu den letzten Verteidigern der strategisch wichtigen Stadt am Asowschen Meer.

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